Oliver Zimmermann von der Galerie „Kunsthalle Koblenz“ möchte US-amerikanischen Künstler für Projekt gewinnen
Das Christo-Feuer brennt lichterloh
Koblenz. „We want Christo for Koblenz“: So nennt Oliver Zimmermann, der Inhaber der jetzt seit zwanzig Jahren bestehenden Galerie „Kunsthalle Koblenz“, das von ihm initiierte Projekt, mit dem es gelingen soll, den US-amerikanischen Künstler Christo nach Koblenz zu holen.
Das mehr als vierzig Meter hohe Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck möchte er im Zentrum einer ähnlich spektakulären Kunstaktion sehen, wie es die Verhüllung des Deutschen Reichstages in Berlin im Jahr 1995 war. Christo und seine im Jahr 2009 verstorbene Ehefrau Jeanne-Claude hatten damit weltweit für Schlagzeilen gesorgt.
Eine gehörige Portion Leidenschaft
Das „Wrapping“ des Koblenzer Denkmals ist seine Idee, aber letztlich soll es Christos künstlerischer Freiheit überlassen sein, welche Spuren er in Koblenz hinterlassen will. Diese würden der Stadt garantiert für alle Zeiten einen festen Platz in der Kunstgeschichte sichern, ist Zimmermann überzeugt. Außerdem würde die Kunstaktion dem mit der BUGA 2011 geborenen positiven Selbstbewusstsein der Stadt frischen Wind geben.
Neben einer gehörigen Portion Leidenschaft besitzt Zimmermann eine konkrete Vorstellung davon, wie sich das Projekt aus einem inneren Kern heraus entwickeln soll. Die ersten Schritte hat der Galerist gemacht mit der seit Anfang des Jahres in der Kunsthalle installierten, vierzig Exponate, sechs Filme und diverse Literatur zu früheren Christo-Projekten umfassenden Ausstellung. Am letzten Ausstellungstag, der Langen Nacht der Koblenzer Museen am 2. September, will Zimmermann sein Kunsthallen-Jubiläum mit Highlights der ihm wichtigen Künstler feiern und letzte Befürworter-Stimmen für das Christo-Kunstprojekt einholen. Der Künstler, inzwischen 82 Jahre alt, weiß vermutlich noch gar nichts von dem ihm bevorstehenden Antrag, den Zimmermann erst im September offiziell stellen will. Es sei denn, Christo und das ihn umgebende Kreativ-Team haben Zimmermanns „We want Christo“-Facebook-Seite entdeckt, die inzwischen ein viel hundertfaches „Daumen hoch“ vorweisen kann.
Schon seit 1994, als er BWL-Student in Köln war, treibt Zimmermann die Bewunderung für Christo an. Dort begegnete er erstmalig dem Künstler, der für das Reichstags-Projekt werbend mit einem Vortrag von Uni zu Uni zog. Dieser Vortrag war es, der das Christo-Feuer in Oliver Zimmermann entfachte. Gerade brennt es lichterloh. Die Begeisterung und tiefe Überzeugung von der Realisierungsmöglichkeit ist ungemein ansteckend. Bisher sind es rund tausend Personen, darunter Politiker, Künstler, Kunstinteressierte und Geschäftsleute, die sich zumindest als Fan der Idee, wenn nicht gar als ihr Unterstützer zeigen. Sogar die Landesregierung sitzt schon mit im Boot. Prominenteste Befürworterin der Initiative ist Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die gerade erst in einem Interview mit Stadtrat Christian Altmaier viel Werbung für das Kunstprojekt empfahl und anmerkte: „Das wäre ein dolles Ding, wenn das gelingen würde!“
Dass die (Landes-) Politik hinter seiner Initiative steht, ist Zimmermann wichtig. Einerseits gefalle ihm die Symbiose von Politik und Kultur, andererseits helfe dieser Rückhalt, die Idee in Koblenz zu realisieren und sie nicht von einer anderen Stadt „klauen zu lassen“.
Werbung betreibt Olaf Zimmermann derzeit vor allem durch die bei Facebook und Instagram eingestellte, kontinuierlich wachsende Foto-Sammlung von Projektbefürwortern, die sich mit dem Petitionsposter „We want Christo for Koblenz“ zeigen, weil sie an ein Funktionieren des Vorhabens glauben. Zimmermann hofft, dass es noch viel mehr Menschen ihnen gleichtun, um glaubhaft zu machen, dass sie sich das Kunstprojekt wirklich wünschen.
Jahrelang mit dem Künstlerpaar auseinandergesetzt
Aus der Fotosammlung soll im September ein drei mal drei Meter großes Plakat entstehen, das Zimmermann bei der Antragstellung vor Christo ausrollen möchte. „Niemand kann den Antrag besser formulieren als ich“, behauptet er selbstbewusst. Jahrelang setzte er sich schließlich intensiv mit dem Künstlerpaar und seinem Werk auseinander und fühlt sich ihm deshalb sehr nahe. Christos Werdegang beeindruckt ihn. Obwohl anfangs kaum jemand an seine Kunst glaubte, habe er seine verrückten Ideen realisiert. Zimmermann sieht Christo als einen bescheidenen Menschen, der nichts als seine Projekte in den Mittelpunkt stellt. Die Chancen, den Künstler für die Umsetzung der Idee zu gewinnen, stehen gar nicht so schlecht. Immerhin gelang es 1971 dem in Berlin ansässigen Amerikaner Michael S. Cullen mit viel weniger Aufwand. Er sandte lediglich eine Ansichtskarte vom Reichstagsgebäude an Christo. Zudem sieht Zimmermann die Anfrage aus Koblenz wegen ihres öffentlichen Charakters als einzigartig an. Hier gehe eine breite Öffentlichkeit auf den Künstler zu, der sich ansonsten umgekehrt über seine Kunst an eine breite Öffentlichkeit wendet. Ein weiterer für Koblenz sprechender Aspekt ist, dass Christo grundsätzlich beträchtliches Interesse an Deutschland haben soll. Als Auslöser gilt seine erste Einzelausstellung, die er 1961 in Köln eröffnete. Sofern es ein „Nein“ von Christo gibt, könne das nur an der falschen Formulierung der Frage liegen, glaubt Zimmermann. Er werde sie dann eben neu formulieren. Schon jetzt übe er, um Christo auf Englisch das sagen zu können, was ihm auf der Seele liegt. Er werde so lange nicht locker lassen, bis Christo („der Typ ist ein Globetrotter“) wenigstens nach Koblenz komme. Die Vorstellung davon, Christo hier zu begrüßen, ist für Olaf Zimmermann sehr emotional und sehr konkret. Er weiß genau, wie er dem Künstler auf dem Weg per Schiff, Seilbahn und Flugzeug das Denkmal nahe bringen will, und wie die gastgebende Stadt Koblenz den entsprechenden Rahmen für den Empfang schaffen könnte.
Letztlich werde Christo es dem Engagement der Koblenzer schuldig sein, das Projekt durchzuführen. Falls er am Ende jedoch ablehne, werde Zimmermann mit dem „Nein“ umgehen, wie der Künstler selbst mit Absagen umgeht: „Manchmal kann Ablehnung ungewohnt belebend wirken!“
Seine Projekte finanziert Christo selbst
Sollte Christo tatsächlich neben dem seit 1979 in Arbeit befindlichen, in Abu Dhabi zu realisierenden Werk (eine 150 Meter hohe Flachdach-Pyramide aus 400.000 Ölfässern) Zeit, Interesse und Kraft für sein Spätwerk in Koblenz finden, wird er mit seiner Installation letzten Endes, wie er anlässlich des Reichstags-Projektes einmal sagte, hundert Prozent der Koblenzer glücklich machen: Die einen, wenn sie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal verhüllt sehen, die anderen dann, wenn er es wieder enthüllt.
Da Christos Arbeiten stets Kunstwerke auf Zeit sind, wäre der Spaß nach zwei Wochen schon vorbei. Bedenkenträger, die die mangelnde Finanzierbarkeit ins Feld führen, beruhigt Zimmermann. Denn Christo finanziert seine millionenschweren Projekte stets über den Verkauf seiner Kunstwerke.
BSB
