Allgemeine Berichte | 02.05.2017

Westerwaldkreis ehrt Heiner Balzar mit dem Ehrenpreis Deutsche Keramik 2017

„Das Gefäß ist ein lebendiges Wesen“

Standing Ovations für Heiner Balzar und seine Frau Brigitte - ‚Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen‘ sagt er. MIH

Höhr-Grenzhausen. Der 30. April war für Höhr-Grenzhausen ein bedeutender Tag, denn am Nachmittag wurde Herrn Heiner Balzar durch Herrn Landrat Achim Schwickert der Ehrenpreis Deutsche Keramik verliehen. Zu Beginn strömten rund 250 Freunde und Würdiger Balzars in den Saal des Keramikmuseums, um der Verleihung des Preises beizuwohnen. Gestiftet wird dieser Ehrenpreis zur Würdigung des Lebenswerkes lebender deutscher Keramikerinnen und Keramiker, die sich durch besondere künstlerische Leistungen hervorgetan und die Entwicklung des künstlerischen Schaffens im Bereich Keramik wesentlich mitgeprägt haben. Bisher wurde der Ehrenpreis Deutsche Keramik innerhalb von 35 Jahren viermal vergeben, zuletzt im Jahr 2008. Heiner Balzar hat mit seinen Arbeiten aus Salzglasiertem Steinzeug die Keramik formal und gestalterisch beeinflusst. Die Arbeiten des 79-jährigen Künstlers haben große regionale und überregionale Bedeutung, gerade im Bereich der Entwicklung und Neuausrichtung historisch verwurzelter Glasurentwicklung und passender Brennverfahren. Hervorzuheben ist dabei seine erwünschte, moderne Farbigkeit im Bereich des etablierten Salzbrandes. Ein Beispiel für die bundesweite Präsenz seiner Arbeiten ist die baukeramische Gestaltung im Rahmen der Sanierung der Karl-Marx-Allee in Berlin als Ausdruck besonders keramisch-künstlerischer Kompetenz. Ein weiteres Beispiel ist die Verkleidung der U-Bahn-Station des Potsdamer Platzes.

Ein Ausdruck für Kompetenz und künstlerischen Schaffens

Um dieses Lebenswerk zu ehren, fand Landrat Achim Schwickert in seiner Begrüßung und Einführung die richtigen Worte. Für ihn sei Heiner Balzar ein Ausdruck für Kompetenz sowie keramischen und künstlerischen Schaffens. Er nannte ihn einen hochgeschätzten Künstler und sagte: „Es trifft genau den Richtigen.“ Die Keramik war Balzar bereits in die Wiege gelegt worden und Zeit seines Lebens vereinte er als Töpfer in seinem Schaffen Technik, Innovation, Handwerk und künstlerische Ausgestaltung. Unaufhaltsam ging er seinen Weg. Ein „Geht nicht“ gab’s für ihn nicht. Die Laudatio wurde durch Herrn Dr. Jürgen Hartmann, Staatssekretär a. D. aus Mainz verlesen. Aber nicht nur verlesen. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit dem Künstler und so gab Hartmann Einblicke in gemeinsam erlebte Augenblick und auch die ein oder andere Geschichte preis. Er berichtete beispielsweise, dass Balzar im Jahr 1970 die Weihnachtsgeschenke, die die CDU unter Helmut Kohl verschenkte, fertigte. Dabei handelte es sich um 200 Keramikbecher, alle ein Unikat. Er beschrieb Balzar als einen Anreger, Antreiber und Macher, dessen Gestaltungswille, Kraft, Tatkraft und Beharrlichkeit ihn zu dem Erfolg brachte, den er hatte und hat. Hohe Anerkennung sprach er ihm auch für die Ausbildung des Nachwuchses aus. In seiner Rede zitierte er Goethe: „Künstler rede nicht, Künstler bilde.“

„Balzar ist anders“

Doch Balzar sei anders. Zeit seines Wirkens redete er für seine Sache und gab niemals auf. Für ihn sei das Gefäß immer ein lebendiges Wesen gewesen. Er bezeichne die Teile der Gefäße mit menschlichen Körperteilen, wie z. B. Kopf, Fuß oder Schulter. An seiner Seite stehe seine Frau Brigitte (Gitti). Er betonte, dass er sich Heiner Balzar ohne Gitti nicht mehr vorstellen könne und bezeichnete sie als seine Muse des Machbaren. Er schloss mit den Worten: „Jung, mach et jot.“ Als Westerwälder, der in Berlin auf Montage arbeite, begann Dr. Andreas Nick, Mitglied des Bundestages, sein Grußwort. Balzer verleihe mit dem Geschick seiner Hände und seiner Imagination dem natürlichen Werkstoff Ton Gestalt. Er habe in der Bundeshauptstadt seine Spuren hinterlassen und damit eine Brücke zwischen dem Westerwald und Berlin geschlagen. Verbandsbürgermeister Thilo Becker freute sich, dass mit der Verleihung des Ehrenpreises Deutsche Keramik 2017 erstmals ein Keramiker aus der Heimatstadt Höhr-Grenzhausen ausgezeichnet wurde. Er führte auf, dass die umfangreiche Vita Balzars jedes Grußwort aus dem zeitlichen Rahmen sprengen würde. Zurecht sagte er, dass die Aussage „Das Herz der Keramik schlägt in Höhr-Grenzhausen“ auf Balzar zutreffe. Er dankte ihm für seine Idee und beharrliche Umsetzung bei der Einrichtung und Gründung des Institutes für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz (IKKG), welches es heute wohl in dieser Form ohne ihn nicht gäbe. Es sei sei Verdienst, dass das IKKG in Höhr-Grenzhausen beheimatet sei. Weiter berichtete Becker, dass ein Tisch, an dem viele ihr Glück gefunden haben, zu Balzars Werken zählt. Die Rede ist hier vom Tisch im Trauzimmer des Rathauses. Sein großer Respekt gelte dem Künstler und seinem Lebensweg. Auch Monika Gass vom Keramikmuseum Westerwald beschrieb Heiner Balzar als einen Menschen und Kunst schaffenden, der stets mit offenen Augen nach Neuem suchte und dies auf seiner Töpferscheibe umsetzte. Sie lobte seinen kreativen, schrägen Geist und sein persönliches Wohltun für die Keramik. Zuletzt kam der Ehrenpreisträger nicht umhin, selbst ein paar Worte an sein Publikum zu richten. Er bedankte sich bei seinen Gästen für alles. Die Ausstellungsvorbereitung und die Erstellung des Kataloges in einem tollen Team habe ihm riesen Spaß gemacht. Wichtig seien für ihn immer kurze Wege gewesen. Besonders aber dankte er seiner Frau: „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Spätestens dann musste der ein oder andere sicherlich ein Tränchen zurückhalten, denn es war ein rührender und ergreifender Moment und wurde mit riesigem Applaus belohnt. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Band „CrossRoad“ unter der Leitung von Roland Giefer, der Balzar als lieben Kollegen, Freund und sehr wertvollen Menschen bezeichnete. Heiner Balzars Lebenswerk in Worte zu fassen, ist kaum möglich. Für dieses lange, sein Leben begleitende Schaffen und Tun haben die Redner versucht, passende Worte zu finden. Dies ist Ihnen auf jeden Fall gelungen. Zu jedem Zeitpunkt schwangen in der Mimik, Gestik und Tonalität der Vortragenden höchster Respekt und Verehrung für sein lebenslanges Werk mit. Irgendwie hatte man immer das Gefühl, dass Worte nicht ausreichen, um diesen Menschen und seinen Einsatz gebührend zu würdigen. Zu solch einer Lebensleistung gehören immer zwei. Seine Frau „Gitti“ unterstützte Balzar in all seinem Schaffen und Tun und war die Stütze an seiner Seite. Die Verleihung des Ehrenpreises Deutsche Keramik 2017 an Heiner Balzar kann man durchaus als würdevolle Zeremonie bezeichnen.

„Das Gefäß ist ein lebendiges Wesen“

„Das Gefäß ist ein lebendiges Wesen“

„Das Gefäß ist ein lebendiges Wesen“

Standing Ovations für Heiner Balzar und seine Frau Brigitte - ‚Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen‘ sagt er. Fotos: MIH

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