Isenburg grillt für seine Senioren
Das Zusammensein und die Geselligkeit stehen im Vordergrund
Gemeinderat und Frauen des Seniorenbeirats bereiteten den älteren Mitbürgern einen schönen Nachmittag – Bürgerhaus ist noch sechs Wochen eine Baustelle –
Isenburg. Anita Delavier lebt mit Helmut Becker in Isenburg zusammen. Zusammen besuchen sie auch das Grillfest für die Senioren. Helmut besaß früher das Textilgeschäft in Isenburg. Mit den beiden am Tisch sitzen Frau Sisterhenn und Leni Weimer. Leni ist mit 95 Jahren die älteste Teilnehmerin der Veranstaltung. Sie, wie die meisten anderen Senioren, die das Angebot der Gemeinde gerne angenommen haben, hat ihr ganzes bisheriges Leben in Isenburg verbracht. „Wir sind Ureinwohner“, sagt ein lustiger älterer Herr neben ihr. Was das Schönste am Grillfest sei? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Das Zusammensein, die Geselligkeit!“
Die meisten, die hier sind, grillen auch privat öfter schon mal. Aber in der Gemeinschaft ist es eben doch am schönsten. Auch Erinnerungen werden ausgetauscht. Manchmal mit einem Schuss Wehmut.
Edith Schmengler sagt: „Heute ist es ganz anders. Es gibt nicht mehr viel hier. Früher hatten wir sechs oder sieben Gaststätten, ein Lebensmittelgeschäft, eine Bank. Wenn das alles fehlt, wenn man älter wird, ist es nicht so schön.“ Zum Glück hat sie eine große Familie, sodass man sich gut gegenseitig unterstützen kann. Gegessen werden Steaks vom Nacken des Schweins und Würstchen.
Fleischer Ralf Siegel aus Kleinmaischeid stellt die gute Ware zur Verfügung. Dazu schmeckt vielen ein kühles Bierchen, an diesem warmen Sommertag. Zum Fleisch gibt es Reis- und Nudelsalat, den die fleißigen Frauen aus Isenburg vom Seniorenbeirat gemacht haben und servieren. Auch Josef „Jupp“ Lammersdorf, der aus Neuwied-Gladbach stammt, aber jetzt schon seit 47 Jahren in Isenburg lebt, hat seinen Spaß am Tisch in geselliger Runde. Die Kirmes in Isenburg und die Frau, die er dort kennen und lieben gelernt hat, führten ihn ins Sayntal. Geld müssen die Senioren an diesem Tag keins mitbringen.
Die Mitglieder des Ortsbeirats spendieren ihren älteren Mitbürgern den Schmaus.
Für die musikalische Unterhaltung sorgte Karl Heinz Görgens
Um die Sache abzurunden, hat Karl-Heinz Görgens sein Schifferklavier mitgebracht und spielt darauf Volkslieder aus seinem umfangreichen Repertoire. Früher war er in Mühlheim in einem Akkordeonclub, jetzt spielt er in Isenburg jeden Tag auf seinem Instrument. Am liebsten ein Lied von Hansi Hinterseer über die schönen Tiroler Berge. Sein Hohner-Akkordeon mit 120 Bässen besitzt er schon seit 35 Jahren. Für 800 Mark hat er es damals gebraucht gekauft. Die Musik halte ihn jung, sagt der 81-Jährige, der 51 Jahre lang Omnibus im Fernverkehr gefahren ist. Auch dabei hat ihn sein Akkordeon immer begleitet.
Weil das Gemeinschaftshaus gerade eine Baustelle ist – eine energetische Sanierung wird vorgenommen – wurden den Senioren Tische und Stühle auf der Straßenseite der alten Schule aufgestellt. In vier bis sechs Wochen könnten die Arbeiten abgeschlossen sein, hofft Detlef Mohr. Von den 260.000 Euro Baukosten werden rund 90 Prozent aus öffentlichen Mitteln gefördert. 30.000 Euro muss die Gemeinde aus der eigenen Kasse begleichen. Der Gesangverein nutzt das Haus für seine Proben, der große Saal wird vermietet, auch für private Anlässe. Auch die Mitglieder des Burgenvereins treffen sich immer wieder mal hier. Die nächste Feier im geselligen Isenburg kommt schon bald: Am 13. August das Sommerfest auf der Isenburg. Und davor sogar noch der 60. Geburtstag von Ortsbürgermeister Mohr.
In geselliger Runde saßen die Senioren zusammen und erzählten sich viele Geschichten von früher.
Die fleißigen Helfer aus dem Ortsgemeinderat, um Bürgermeister Detlef Mohr (2. v.re.) sind Andreas Henn, Manfred Frolow, Bernd Wolfram und Heiner Eulenbach
