Allgemeine Berichte | 27.04.2021, 08:47 Uhr

Weltladen Remagen-Sinzig informiert zum Thema „Faire Kleidung“

Das ausbeuterische Geschäft der Textilindustrie

Die Kampagne „#PushFairtrade fordert zur Fashion Revolution“ von Fairtrade Deutschland zur Veränderung in der Textilindustrie auf. Copyright: Fairtrade Deutschland
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Sinzig. Billig, immer wieder neue Modelle und viele Teile werden noch nicht einmal getragen – der Erfolg der Textilindustrie basiert auf Ausbeutung von Mensch und Ressourcen sowie unserem unreflektierten Konsumverhalten.

Mehr als 1.100 Menschen starben als das Fabrikgebäude Rana Plaza 24. April 2013 in Bangladesch einstürzte. In der Woche vom 19. bis 25. April 2021 forderte die Kampagne „#PushFairtrade zur Fashion Revolution“ von Fairtrade Deutschland zur Veränderung in der Textilindustrie auf.

Fast Fashion und Ultrafast Fashion gehören zu den erfolgreichsten Geschäftsmodellen der vergangenen Jahre. Immer neue Kollektionen und ständig wechselnde Trends - oft bis zu 2.500 neue Modelle pro Woche - werden auf den Markt geworfen.

Unsere Kleidung ist so billig, dass sie nur wenige Male getragen wird, bevor sie in den Tiefen des Kleiderschrankes oder im nächsten Altkleidersack landet. Jedes Jahr werden ungefähr 80 Milliarden neue Kleidungsstücke hergestellt, von denen ca. 86 Prozent in Mülldeponien landen. Der Zerfall dieser Kleidungsstücke kann bis zu 40 Jahre dauern. Ein großes Problem für die Umwelt.

Jede/r Deutsche kauft rund 60 Kleidungsstücke/Schuhe/Accessoires im Jahr, 2019 war das ein Wert von 776 Euro. Davon werden aber nur 40 Prozent getragen, 60 Prozent landen in der Mülltonne oder im Altkleidercontainer. Wir kaufen immer mehr und immer billiger und werfen weg: 2007: 750.000 Tonnen Altkleidung - heute: 1,35 Million Tonnen = 13 kg pro Kopf/Jahr.

Sale, Rabatte, Aktionen wie Black Friday versprechen zusätzlichen Nachlass. Die Unternehmen kalkulieren diese bereits beim Einkauf ein und drücken die Preise bei den zuliefernden Betrieben. Das Ergebnis: Wir kaufen mehr, zahlen weniger und tragen die Kleidungsstücke immer kürzer. Aber auf wessen Kosten?

Unser Konsum auf Kosten von Hunderttausenden Arbeiter*innen

Mehr als 1.100 Menschen starben als das Fabrikgebäude Rana Plaza 2013 in Bangladesch einstürzte. Im Jahr zuvor kamen mehr als 250 Beschäftigte beim Brand der pakistanischen Fabrik Ali Enterprises in Karachi ums Leben, und 2015 starben über 70 Menschen, als eine Schuhfabrik in der philippinischen Hauptstadt Manila in Flammen aufging. In diesen Fabriken wurde auch für den deutschen Markt genäht. Doch die großen Fabrikunfälle sind nur die Spitze des Eisbergs.

Etwa 90 Prozent unserer Kleidung werden im Ausland produziert: China, Bangladesch und Türkei zählen zu den wichtigsten Kleidungshersteller*innen weltweit, gefolgt von Indien und Pakistan. Bis ein Baumwoll-T-Shirt in unseren Läden hängt, legt es bis zu 20.000 Kilometer zurück. Die textile Lieferkette ist lang, komplex und oft undurchsichtig – kein Wunder, dass Textilien zu den Importprodukten mit dem zweitgrößten Risiko für Menschenrechtsverletzungen zählen.

Die Ausbeutung zieht sich durch die gesamte Lieferkette: Angefangen von Zwangsarbeit und ausbeuterischer Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern, über sexuelle Gewalt, schlechte Bezahlung bis hin zu fehlenden Arbeitsverträgen und horrenden Überstunden in Asiens Textilfabriken.

Riesige Umweltproblematik:ungeklärte Abwässer, schlechte CO2-Bilanz und Müllberge

Bei der Verarbeitung von Textil-Fasern ist der Wasserverbrauch sehr hoch und es fallen große Mengen mit Chemikalien belasteter Abwässer an, die oft ungeklärt in die Umwelt fließen. So geraten etwa rund 20 Prozent der in der Produktion eingesetzten Farben in Flüsse, Seen und Grundwasser. Fehlende Umweltauflagen bringen den Konsumenten in reichen Ländern den Vorteil extrem niedriger Preise (Kik, Primark, H&M), oder den Marken-Firmen extrem hohe Gewinnspannen (Adidas, Nike, Asics).

Auch die CO2-Bilanz bestimmter Fast-Fashion-Hersteller stinkt bis in den Himmel – im wahrsten Sinne des Wortes. Rohstoffe werden häufig importiert, um Kosten zu sparen. Die Einzelteile, die zur Herstellung von Kleidung benötigt werden, werden häufig aus der ganzen Welt bezogen und in das Land, in der Produktion am Günstigsten ist, geschickt.

Ein weiterer Nachteil von Fast Fashion ist das Müllproblem. Da die Kollektionen vieler Hersteller oft nur wenige Wochen für Interesse sorgen, wird nicht gewartet, bis Kleidungsstücke vollkommen ausverkauft sind. Der Überschuss wird stattdessen einfach entsorgt. Große Textilunternehmen verbrennen Artikel en masse. Fast-Fashion-Unternehmen setzen auf günstigen Preis anstatt auf Qualität. Die Artikel halten häufig nur ein paar Wäschen. Kleidungsstücke, die wie früher Jahre oder gar Jahrzehnte getragen wurden, gehören der Vergangenheit an. Auch flicken oder reparieren ist für die allermeisten von uns keine Option mehr.

Textilindustrie nach einem Jahr Corona

Die Corona-Pandemie hat Asiens Textilindustrie schwer getroffen: Stornierte oder verschobene Aufträge, gestrandete Wanderarbeiter*innen und geschlossene Fabriken bedrohten Millionen Menschen in ihrer Existenz.

Während viele Marken und Händler ihre anfänglichen Umsatzeinbrüche dadurch ausglichen, dass sie die Bezahlung ihrer Rechnungen hinauszögerten oder gar verweigerten und versuchten, die Preise der Lieferfirmen weiter zu drücken, stehen auf der anderen Seite Millionen von Beschäftigten in der Produktion mit leeren Händen da und kämpfen ums Überleben. Textilarbeiter*innen weltweit wurden alleine in den ersten drei Monaten der Pandemie 3,2 bis 5,8 Milliarden US-Dollar Löhne vorenthalten. Dieser Not steht gegenüber, dass viele Modemarken trotz der Krise wieder Gewinne verzeichnen, zum Beispiel Next und Nike. Amazon steigerte im dritten Quartal 2020 laut Tagesschau.de seinen Umsatz um 37 Prozent – seinen Gewinn sogar um fast 200 Prozent.

10 Cent pro T-Shirt mehr würden schon helfen

„Wir haben ausgerechnet, dass es die Marken nur zehn Cent pro T-Shirt mehr kosten würde, um sicherzustellen, dass die Textilarbeiter*innen die Pandemie zumindest überleben können. Dies ist das Minimum, das Marken auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen tun sollten.

Es ist realisierbar und Marken und Einzelhändler, die das leugnen, stellen ihre Profite über das Wohl der Menschen, die ihre Produkte fertigen“, sagt Fabienne Winkler von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Wir alle können etwas tun

Es liegt an uns, etwas zu verändern. Kleidung tragen wir alle und wir können dafür einsetzen, dass bei der Produktion von Kleidung Menschenrechte und Umweltschutz berücksichtigt werden. Bewusster Konsum reduziert Kleiderverbrauch, spart Rohstoffe und verringert die Umweltbelastung.

Secondhand Kleidung ist auch eine ressourcenschonende Möglichkeit, ebenso Upcycling. Boykottieren Sie Dumpingpreise, denn dabei ist davon auszugehen, dass die Ware aus ausbeuterischer Produktion stammt. Achten Sie zudem auf Siegel und Standards, orientieren Sie sich an Siegeln wie Fairtrade, Fairwear, GOTS und Grüner Knopf. Fordern Sie die Bundesregierung auf, für faire Arbeitsbedingungen in der ganzen Lieferkette deutscher Unternehmen zu sorgen.

Pressemitteilung

Weltladen Remagen-Sinzig

Copyright: Fairtrade Deutschland

Copyright: Fairtrade Deutschland

Die Kampagne „#PushFairtrade fordert zur Fashion Revolution“ von Fairtrade Deutschland zur Veränderung in der Textilindustrie auf. Copyright: Fairtrade Deutschland

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