St. Sebastianus-Kirmes in Heister
Das war erst der Anfang!
Unkel-Heister. Lange musste Gerd Kaufer, 64 Jahre alt und seit ein paar Monaten im wohlverdienten Ruhestand, darauf warten, seinen Triumph als Sieger beim Königsschießen, das bereits im Oktober 2021 stattgefunden hatte, endlich auszukosten. Beim Königsschießen zu gewinnen, war schon einige Jahre sein Ehrgeiz gewesen. Und nun war es endlich so weit! Allerdings lagen die Aktivitäten des St. Sebastianus Bürgervereins Heister coronabedingt zwei Jahre lang nahezu auf Eis, zweimal fiel auch die Kirmes ins Wasser.
Die Auszeichnung Kaufers als Bürgerkönig sollte nun in diesem Jahr wie üblich anlässlich der Kirmes, die zur Freude aller wieder ohne Einschränkungen stattfinden konnte, nachgeholt werden. Am Samstag traf man sich im Hause Kaufer in Heister, wo in geselliger Runde mit dem Hofstaat, bestehend aus Freunden und Vereinsmitgliedern, ein kleiner Einstand gefeiert wurde. Auch das Tambourcorps Selhof fand sich später zum „Vorglühen“ ein, um dann von dort aus den Bürgerkönig in einem Umzug feierlich zum Bürgerhaus Heister zu geleiten.
Gute Stimmung im Bürgerhaus
Dort erwarteten ihn und sein Gefolge bereits um die 100 Feierlustige jeden Alters, die der Einladung zum Kirmesball gefolgt waren. Hier übernahm es Volker Wiskirchen, Musiker aus Euskirchen, in altbewährter Manier, den ersten Walzer für das Königspaar aufzuspielen; der Hofstaat schloss sich an und damit war der Tanz für alle eröffnet. Schnell war der Saal des Bürgerhauses nahezu ausgebucht. Offensichtlich hatte man sich nach zwei Jahren Zwangspause viel zu erzählen und überhaupt einiges nachzuholen. Schorsch und Edith Buchmüller, selbst Königspaar des Jahres 2011, nach eigener Aussage „uralte Heisterer“, zeigten sich erfreut und erleichtert, dass Feiern nun endlich wieder möglich sei. Masken waren weit und breit keine mehr zu sehen.
So wurde bis weit nach Mitternacht in bester Stimmung getanzt und gefeiert. Zur freudigen Überraschung aller traten die New Diamonds, eine Showtanztruppe aus Unkel, auf, und später dann die Gulaschkapell‘ aus Erpel. Für Eingeweihte muss man die Stimmung im Saal nicht näher beschreiben; die Gruppe ist bekannt dafür, dass sie „nichts anbrennen lässt“.
Am Sonntagmorgen ging es dann weiter mit einem Gottesdienst in der kleinen Heisterer St. Sebastianus-Kapelle, die der leitende Pfarrer des zuständigen Pfarrverbandes Bad Honnef, Michael Ottersbach, für die etwa 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zelebrierte; seine Predigt mit aktuellem Bezug sicherte ihm die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Dann folgte, gemäß der Tradition, ein Umzug zum Ehrenmal an der Sebastianstraße, wieder begleitet vom Tambourcorps Selhof, dieses Mal unterstützt vom Tambourcorps Erpel.
Die Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Verstorbenen des Vereins nahm Helmut Bürger, der Vorsitzende des Bürgervereins, vor. Beim anschließenden Frühschoppen im wiederum voll besetzten Bürgersaal, begrüßte er zunächst die anwesenden Honoratioren und Abordnungen der befreundeten Bürgervereine und Gemeinden sowie die anwesenden Ehrenmitglieder und bat dann um ein kurzes Gedenken an zwei verstorbene Vereinsmitglieder. Gerd Kaufer nahm nun noch einmal „offiziell“ seine Auszeichnung als Bürgerkönig entgegen.
Danach standen etliche Ehrungen für 25, 40, 50, oder gar 60 Jahre Mitgliedschaft im Verein an. Die Ehrungen hatte man in den letzten Jahren verschieben müssen, sie hatten sich nun geradezu angehäuft. Gerhard Hausen, Stadtbürgermeister von Unkel, ließ es sich nicht nehmen, der Feiergesellschaft nach dem großartigen Kirmesball am Vorabend nun auch noch einen gemütlichen Frühschoppen zu wünschen. Mit diesem ging dann am Nachmittag die Kirmes zu Ende. Aber auch der sollte nicht ohne Überraschungsgäste ablaufen: Die Ratsherren aus Unkel heizten einmal mehr ein.
In unsicheren Zeiten wie diesen erweisen sich solche Veranstaltungen, noch dazu nach der langen Zwangspause, als ein wichtiger „gesellschaftlicher Kitt“. Helmut Bürger berichtete in einem Gespräch, wie es gelungen war, den Verein über diese schwierige Corona-Zeit hinweg zusammenzuhalten. Man hatte es trotz der Einschränkungen verstanden, im Rahmen der Regeln dennoch ein gewisses Maß an Miteinander aufrecht zu erhalten.
An Traditionen festhalten
Das hatte auch Gerd Kaufer bestätigt. Die Mitglieder des Vereins, die seit der Grundsteinlegung des Bürgerhauses 1989 dessen Bau mit viele Eigenleistungen vorangebracht hatten und sich weiterhin für seine Erhaltung einsetzen, sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich über die langen Jahre zwar verkleinert hat, aber weiterhin sehr engagiert das Leben vor Ort mit prägt. Durch die Corona-Maßnahmen sind dem Verein viele Einnahmen entgangen, die sonst durch Vermietung des Bürgersaals oder eigene Veranstaltungen erzielt worden wären. Dennoch, oder gerade deswegen, so Bürger, will der Verein an den Traditionen festhalten, denn ohne dieses Engagement könnte das Bürgerhaus für die Heisterer nicht mehr betrieben werden. Nachwuchssorgen treiben allerdings auch diesen rührigen Verein um.
Um die 100 Feierlustige jeden Alters waren der Einladung zum Kirmesball gefolgt.
