Allgemeine Berichte | 19.11.2018

Synode des evangelischen Dekanats Nassauer Land beschäftigt Mangel an Pfarrpersonal für Gemeinden

Dekanin: Statt aufs Gestern auf Reichtum von heute schauen

Der Mangel an Pfarrpersonal in den kommenden Jahren war unter anderem Thema während der Herbsttagung der Synode des evangelischen Dekanats Nassauer Land.Dekanat Nassauer Land

Dachsenhausen/Rhein-Lahn-Kreis. Zehn vakante Pfarrstellen hat das evangelische Dekanat Nassauer Land derzeit. Fast alle der 32 Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer versehen Dienst in mindestens zwei Kirchengemeinden. Ernüchternd war der Bericht, den Dekanin Renate Weigel der Synode während deren Herbsttagung in Dachsenhausen vorstellte. Doch die Theologin motivierte für den Blick nach vorn. Statt ständig zu klagen, wie es früher war, rief die Theologin den Reichtum von Gemeinden und Dekanat in den Sinn und ermunterte, das wahrzunehmen, „was wir haben, dann werden wir leuchten können.“

Das System funktioniere halbwegs, solange niemand krank werde, was immer häufiger vorkomme; dann gebe es gleich zwei zu vertretende Gemeinden mehr. „Ich beschwöre nicht den Untergang“, sagte Weigel vor den etwa 100 von den Gemeinden delegierten Synodalen, die das Parlament der Kirche in der Region Rhein-Lahn bilden, und den anwesenden Gästen. Aber die Folgen dieser Situation müssten wahrgenommen werden: dass Pfarrpersonen krank werden, die Freude am Dienst verlieren oder das Dekanat verlassen. Alarmierend die Einsatzbilanz der 55 Prädikanten inklusive der Pfarrer im Ruhestand. „Das ist ein Riesenschatz“, so Weigel, aber fünf bis acht Gottesdienste im Monat sei ein Maß, dass nicht mehr gesund ist. Weigel: „Sie sollen keine Gottesdienst-Automaten werden!“. Hinzu käme vielerorts Frustration in den Kirchenvorständen.

Heute sei noch nie wie gestern geworden

Dem Blick ins Tal folgte der auf das, was es gibt: ein hochkollegiales Team von 37 Pfarrpersonen, das sich gegenseitig hilft und achtet, Menschen voller Ideen, auch Geld, Häuser und Kindertagesstätten nannte Weigel. „Was uns müde und kaputt macht, ist einzig und allein, dass wir uns mit etwas vergleichen, was früher vielleicht einmal so war.“ Heute sei noch nie wie gestern geworden. Jüngere Leute interessiere es nicht, ob noch fünf Gottesdienste vom selben Format angeboten werden, aber wenn es einen guten Familiengottesdienst gebe, „dann horchen sie auf“. Ein anderes positives Beispiel, wie die Situation verbessert werden kann, sei die gemeindeübergreifende Konfirmandenarbeit in den Rheingemeinden, die die Eltern in Ordnung fänden. „Wir schaffen es nicht mehr, überall und immer dasselbe Programm abzuliefern wie vor 20 Jahren“, so Weigel. „Wir sollten schauen, was wir haben, dann werden wir leuchten können.“

In der anschließenden Diskussion sprachen sich einige Synodale dafür aus, sich an Zielgruppen zu orientieren, um gemeindeübergreifende Angebote anzubieten und Gutes aus anderen Orten zu übernehmen anstatt überall das Rad neu erfinden zu wollen oder um jeden Preis Gottesdienste anzubieten, die kaum jemand besucht.

Klassischer Sonntagmorgen-Gottesdienst ist nicht das, was alle wollen

Mit dem klassischen Sonntagmorgen-Gottesdienst werde auch nur eine Zielgruppe angesprochen, „aber er ist nicht das, was alle wollen“, so eine Synodale. „Am Sonntagabend kommen andere Menschen in die Kirche als morgens“, meinte eine Pfarrerin. Es sei auch nicht in Ordnung, die Ressourcen nur für 100 Gottesdienst-Besucher einzusetzen und nicht für die übrigen 2500 Gemeindeglieder, sagte ein anderer Synodaler.

„Diese Vakanz-Quote ist schon enorm hoch“, sagte der Propst für Rheinhessen und das Nassauer Land, Dr. Klaus-Volker Schütz aus Mainz. Zum Vergleich nannte er Dekanate wie Mainz oder Alzey, in denen es zurzeit nur zwei beziehungsweise eine Vakanz gebe. Es wäre gut, wenn jedes Jahr zwei Vikare in der Rhein-Lahn-Region untergebracht werden könnten, meinte der Vertreter der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Er empfahl den Kirchengemeinden, in den Ausschreibungen den Teamgedanken in der Region deutlich hervorzuheben.

Eng verknüpft mit Weigels Bericht sind die derzeitigen Beratungen für die neue „Pfarrstellenbemessung“. In ihr wird festgelegt, wie die dem Dekanat zustehenden Pfarrstellen für die Jahre 2020 bis 2024 aufgeteilt werden. Die Vorsitzende der Dekanatssynode Anja Beeres berichtete über den aktuellen Planungsstand. Der Dekanatssynodalvorstand (DSV) habe sich in seinem Vorschlag weitgehend an den Vorgaben der Landessynode orientiert. Danach steht Gemeinden mit 750 bis 1250 Mitgliedern eine halbe Pfarrstelle zu und solchen mit 1500 bis 2500 eine ganze. „Wir spüren den Pfarrermangel“, so Beeres. Auf halbe Stellen werde sich deshalb kaum noch beworben; insofern sei dem DSV wichtig, „nicht starr“ auf die Zahlen zu schauen, sondern auch regionale Kooperationen zu ermöglichen.

Sehr positiv wertete Beeres zwei Treffen für alle Kirchenvorstände im Dekanat, in denen die Pläne sehr konstruktiv beraten und entsprechend modifiziert worden seien; ein weiteres ist im Januar vorgesehen. „Dann könnte die Synode die Pfarrstellenbemessung vielleicht im März beschließen“, erklärte Beeres.

Pressemitteilung

Dekanat Nassauer Land

„Wir schaffen es nicht mehr, überall und immer dasselbe Programm abzuliefern wie vor 20 Jahren“, sprach Dekanin Renate Weigel.

„Wir schaffen es nicht mehr, überall und immer dasselbe Programm abzuliefern wie vor 20 Jahren“, sprach Dekanin Renate Weigel.

Der Mangel an Pfarrpersonal in den kommenden Jahren war unter anderem Thema während der Herbsttagung der Synode des evangelischen Dekanats Nassauer Land.Fotos: Dekanat Nassauer Land

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