Allgemeine Berichte | 20.06.2023

Vortag von Dr. Petra Tutlies, Nideggen

Der Alte Burgberg bei Euskirchen-Kreuzweingarten

Neue Forschungen an einem bedeutenden Bodendenkmal

Während des Vortrages. Foto: privat

Rheinbach. Auch der zweite Vortrag in der archäologischen Vortragsreihe, organisiert vom Freundeskreis Römerkanal e. V. in Kooperation mit dem Glasmuseum Rheinbach, war ausgesprochen gut besucht. Das Thema „Der Alte Burgberg bei Euskirchen-Kreuzweingarten – neue Forschungen an einem bedeutenden Bodendenkmal“ lockte 50 Gäste in den Vortragssaal im Glasmuseum im Himmeroder Hof. Dies ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass der Alte Burgberg vielen Rheinbacherinnen und Rheinbachern als Ziel von Wanderungen und Ausflügen gut bekannt ist.

Als Referentin des Abendvortrags konnte Frau Dr. Petra Tutlies gewonnen werden. Frau Tutlies ist Archäologin im Landschaftsverband Rheinland und leitet die Außenstelle Nideggen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Ihr Forschungsschwerpunkt sind die Metallzeiten. So hat Frau Tutlies erst im vergangenen Jahr die Ausgrabung eines metallzeitlichen Speicherplatzes bei Weilerswist-Vernich als Beitrag zur metallzeitlichen Siedlungsarchäologie im Rheinland monografisch vorgelegt. Mit dem Vortrag zum Alten Burgberg widmete Frau Tutlies sich einer Höhenbefestigung der späten Eisenzeit. Anlass waren drei Ausgrabungskampagnen der Außenstelle Nideggen am Alten Burgberg, mit denen Ergebnisse der älteren Forschung der 1920er-Jahre überprüft und weiterführende Fragen geklärt werden sollten. Der Alte Burgberg liegt hoch über der Erft auf einem Geländesporn des Hardtwaldes östlich der Ortschaft Kreuzweingarten. Auf diesem markanten Geländepunkt wurde in der späten Eisenzeit (200–100 v. Chr). eine befestigte Siedlung errichtet, die eine Fläche von ca. 6,4 Hektar einnahm. Die ringförmige Befestigung weist an den stärker abfallenden Geländepartien nur einen einzigen Wall auf. Auf der flach auslaufenden Ostseite sicherte man die Anlage dagegen sichelförmig durch einen zusätzlichen Außenwall. Dort befand sich auch der Zugang zur Anlage: Im äußeren Wall lag etwa mittig ein Tor, im inneren Wall lagen zwei nach Norden und Süden versetzte Tore, die so eine Zwangspassage bildeten.

Die neuen Untersuchungen zeigen, dass die Anlage dauerhaft besiedelt war. Von einer sogenannten Fliehburg der älteren Forschung kann nicht die Rede sein. Anhand archäologischer Befunde in einem Grabungsschnitt im Osten der Befestigung konnte außerdem nachweisen werden, dass es eine Vorgängeranlage gegeben haben muss. Darauf baute der Wall der späten Eisenzeit auf. Dieser war durch ein Kastenrahmenwerk mit beidseitigem Schalmauerwerk verstärkt. Daran schloss als zusätzliches Annäherungshindernis ein knapp zwei Meter tiefer Sohlgraben an, gefolgt von einem weiteren Erdwall mit vorliegendem zweiten Graben.

Es gibt keinerlei Hinweise auf ein gewaltsames Ende der Befestigung. Die Vermutung der älteren Forschung, der Ringwall sei im Zuge der von Caesar beschriebenen Gallischen Kriege zerstört worden, lässt sich nicht bestätigen. So geht die aktuelle Forschung davon aus, dass die Anlage schon vorher aus unbekannten Gründen aufgegeben worden war und wüst fiel. Bereits am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. waren die Wälle zerfallen und die Gräben verfüllt. Als wirtschaftliches und politisches Zentrum im Kleinraum löste nun der vicus Belgica bei Euskirchen-Billig die einstige Höhenbefestigung ab.

Dann erläuterte Frau Dr. Tutlies die Forschungsergebnisse auf einer zweistündigen Wanderung über den Alten Burgberg, an der elf Interessierte teilnahmen. Zukünftige Besucherinnen und Besucher der Anlage dürfen sich auf zwei neue Informationstafeln der „ArchaeoRegion Nordeifel“ freuen, auf denen dieses bedeutende Bodendenkmal neu präsentiert wird.

Während des Vortrages. Foto: privat

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