Der Ausbruch des Bausenbergs: ein gewaltiges Naturschauspiel
Niederzissen. Die meisten Menschen aus der Region kennen den Bausenberg nördlich von Niederzissen. Die charakteristische Hufeisenform des 339 m hohen Schlackenkegels zählt zweifellos zu den besterhaltenen der gesamten Eifel, wenn nicht sogar Deutschlands. Eine konkrete Vorstellung über das gewaltige Naturschauspiel, das sich vor rund 150.000 Jahren während der Vulkaneruption abspielte, haben jedoch die wenigsten Menschen aus dem Brohltal und dem Vinxtbachtal. Und es gehört Fantasie dazu, sich den Verlauf der gewaltigen Vulkaneruption vorzustellen.
Die Eruption des Schlackenvulkans Bausenbergs dürfte einige Tage bis zu wenigen Wochen gedauert haben. Zu Beginn stieg Magma in der Kruste auf, das in oberflächennahen Schichten auf Grundwasser stieß. Der Kontakt der glutflüssigen Schmelze hatte ein schlagartiges Verdampfen des Grundwassers zur Folge. Aufgrund der dabei eintretenden enormen Volumenvergrößerung des verdampfenden Wassers – aus 1 Liter Wasser entstehen fast 1.700 Liter Wasserdampf – wurden die auflagernden Gesteinsschichten in der Initialphase zersplittert und der Aufstiegsweg der ca. 1.200 oC heißen basanitischen Gesteinsschmelze war geöffnet. Lapilli (ital. Steinchen, 2-64 mm) und Bomben (größer 64 mm) eruptierten und bauten mit erkaltenden und noch glühenden Lavafetzen um den Schlot den markanten Schlackenwall auf. Die Eruptionssäule dürfte nicht sehr hoch gewesen sein, feine Aschen wurden durch Winde am weitesten verweht.
Im weiteren Verlauf der Eruption verlagerte sich der Kraterschlot nach Norden, wie am Relief des Kraters ablesbar ist, denn sie gleicht einer „8“. Beim Durchbruch des Lavastroms durch die Nordflanke des Ringwalls legte er Lava- und Schlackenfelsen frei, die die Durchbruchsstelle flankieren. Dadurch entstand die bekannte nach Norden geöffnete Hufeisenform des Bausenbergs.
Allerdings stand die frühere Topographie (Landoberfläche) dem ungehinderten Ausfluss des Lavastroms nach Norden im Weg. Wo heute der Hang ins Vinxtbachtal abfällt, muss sich vor 150.000 Jahren noch ein ansteigender Hang befunden haben. Die dünnflüssige Lava musste sich also einen anderen Weg suchen. Sie wurde nach Osten in ein kleines Seitental des Vinxtbaches abgelenkt. Diesem folgte sie über ca. 3.6 km, bis sie erst wieder bei Gönnersdorf auf das Vinxtbachtal traf. Der verdrängte Bach schuf sich südlich ein neues Bett und tiefte sich dort als Soterbach ein. Während die Flanken des Lavastroms in seinem Oberlauf schnell erstarrten, floss die dünnflüssige Lava durch das bestehende Tal ab. So entstand in diesem Bereich die noch heute erkennbare tiefer liegende, muldenförmige Stromfläche des Lavastroms.
Die Breite des Lavastroms beträgt im mittleren Bereich ca. 100 m. Sowohl im kraternahen als auch talabwärts bei Gönnersdorf liegenden Teil des Lavastroms erreicht sie dagegen mehr als doppelte Breite. Unmittelbar vor Gönnersdorf wurde der Lavastrom in das bestehende Vinxtbachtal umgelenkt. Seine Stirn liegt hier auf einer Verebnung, die zu den jüngeren Mittelterrassen des Rheins gehören muss. Die Stirn reicht über den Terrassenrand ins Tal und liegt damit etwa 42 m über der heutigen Talsohle des Vinxtbaches.
Entlang des Lavastroms fallen an vielen Stellen mächtige Basaltblöcke auf, die sich unter heutigen Klimabedingungen nicht mehr bewegen. Während der letzten Kaltzeit war dies aber völlig anders. Der Boden war über Jahrtausende bis in große Tiefen dauerhaft gefroren. Nur oberflächennahe Bereiche tauten während der kurzen Sommer leicht an. Aber das dabei entstehende Tauwasser konnte nicht versickern. Daher glitten die obersten, wassergesättigten Bodenpartien über dem darunter gelegenen Dauerfrost bereits bei sehr geringen Hangneigungen ab. Dabei nahmen sie die Basaltblöcke mit. So stellt der Bausenberg mit seinem Lavastrom nicht nur einen einzigartigen Zeitzeugen der geologisch-vulkanologischen Entstehungsgeschichte, sondern auch ein klimageschichtliches (kaltzeitliches) Denkmal dar.
Der Lavastrom des Bausenbergs ist ebenfalls ein bemerkenswertes Beispiel für Reliefumkehr durch vulkanische Ereignisse. Diese vulkanologische Besonderheit ist hier morphologisch so gut ausgeprägt wie an keinem anderen Ort der Eifel. Heute liegt der Lavastrom im Bereich eines Bergrückens, weil der widerstandsfähige, harte Basanit des erkalteten Lavastroms der Verwitterung und Erosion besser widerstand als das umgebende, leichter abzutragende devonische Gestein, in das sich Vinxtbach und Soterbach während der vergangenen 100.000 Jahre eingruben und auch weiterhin eingraben. Das durch den Lavastrom aufgefüllte und versiegelte Tal war vor Erosion geschützt und entwickelte sich zum Bergrücken, die ehemals höher gelegenen randlichen Flächen wurden durch die Bäche deutlich tiefergelegt. Dies ist als geomorphologische Besonderheit in der Eifel zu bewerten.
: Dr. Karl-Heinz Schumacher,
Deutsche Vulkanologische
Gesellschaft e.V.
Bizarre Lavaformation am Bausenberg. Foto: Walter Müller