US-Organisation „History Fight“ sucht nach amerikanischen Piloten am Ortsrand von Buschhoven
Der Pilot konnte noch nicht gefunden werden
1944 stürzte amerikanischer Kampfflieger bei Buschhoven ab
Swisttal-Buschhoven. Zwischen dem 23. Dezember 1944 und dem Frühjahr 2016 liegen mehr als 71 Jahre, aber jetzt wird die Zeit von damals wieder lebendig. Der Zweite Weltkrieg ging Ende des Jahres 1944 in seine entscheidende Phase. Mit der Ardennenoffensive versuchte das Deutsche Reich mit einem letzten Kraftakt, das Kriegsgeschehen im Westen zu seinen Gunsten noch einmal zu Wenden. Auch über Buschhoven war das Kriegsgeschehen zu beobachten: Am 23. Dezember, einen Tag vor Heiligabend, bekämpften sich ein deutscher Jäger vom Typ Messerschmidt Bf 109 und ein einmotoriges amerikanisches Jagdflugzeug (der Flugzeugtyp wird auf Wunsch des US-Bergungsteams nicht veröffentlicht, damit keine Rückschlüsse auf die Identität des Piloten gezogen werden können). Beide Maschinen stürzen ab. Während der deutsche Pilot wohl gerettet werden konnte, stürzte der amerikanische Pilot, ein 2nd. Lieutenant, mit seiner Maschine in den Kottenforst, nicht weit vom bisherigen Sportgelände am Wiedring entfernt. Da bei ersten Nachforschungen durch amerikanische Dienststellen im Mai 1947 bzw. im Januar 1948 keine sterblichen Überreste des Piloten gefunden wurden, geriet das Geschehen in Vergessenheit.
Eine „simple“ Aluminiumstange brachte vor rd. zehn Jahren alles wieder ins Rollen. Patrick Gniesmer machte wie so oft einen Ausritt durch den Kottenforst. Als sein Blick auf eine etwas abseits des Weges liegende Aluminiumstange fiel, war seine Neugier geweckt. Als Fluggerätemechanikermeister und ehemaliger Angehöriger der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums auf der Hardthöhe erkannte er schnell, dies musste ein Flugzeugteil sein. „Ich fand es komisch, hier im Wald ein Flugzeugteil zu finden“, erzählt Gniesmer Blick aktuell. „Ich habe dann vom Pferd aus die Umgebung abgesucht und dort einen Trichter gesehen.“ Bei der Absuche des Geländes fand er weitere kleinere Flugzeugteile sowie ein Stück Leder. Er verständigte amerikanische Dienststellen, die aber aufgrund interner Umstände und Umorganisationen erst jetzt mit einem Bergungsteam anrückten.
Aufwendige Suche nach dem Piloten
Ein Team der US-Organisation „History Fight“, die im Auftrag der US-Regierung weltweit nach vermissten Angehörigen der US-Army sucht, ist seit Wochen an der Absturzstelle tätig, um Überreste des Piloten zu finden. Einfach ist die Suche nicht. Damit auch wirklich nichts übersehen wird, wird der gesamte Boden von der Absturzstelle durchgesiebt. So wurden auch schon reichlich Kleinteile gefunden, darunter auch Munition der Bordwaffen. Mit einem Bagger wurde in den letzten Tagen versucht, größere Teile des Jagdflugzeugs, etwa den Motor, zu finden, der sich vielleicht tiefer in den Waldboden gebohrt haben könnte. Geleitet wird das Grabungsteam von dem US-Archäologen Agamemmon G. Pantel und Matthew Noah, die forensische Anthropologin Dr. Meredith Tise dokumentiert jeden Arbeitsschritt und jedes Fundstück. Aber auch deutsche Helfer stellten sich zur Verfügung. Der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein / Mosel war die Absturzstelle schon seit Längerem bekannt. „Aber erst der Fund durch Patrick Gniesmer hat die jetzige Suchaktion ausgelöst“, so Frank Güth von der Arbeitsgemeinschaft, deren Hauptziel in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht sowie ausländischen Organisationen die Aufklärung vermisster Flugzeugbesatzungen ist. Ziel der Suche im Kottenforst ist es weiterhin, die Gebeine des amerikanischen Piloten zu finden, damit eine Umbettung erfolgen kann. Möglicherweise sind die Überreste des Piloten aber seinerzeit bereits auf einem Friedhof in der näheren Umgebung bestattet worden.
Zeitzeugen gesucht: Das Grabungsteam bittet Zeitzeugen, die noch etwas über den Absturz und/oder den Verbleib der sterblichen Überreste des Piloten sagen können, sich zu melden. Sie können sich an Frank Güth, Email: frank.gueth@t-online.de wenden. RFW
Deutsche Helfer: Patrick Gniesmer und Alfred Schulte von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein / Mosel e.V..
Die abgetragene Erde wird sorgfältig gesiebt.
Die Anthropologin Dr. Meredith Tise dokumentiert die Arbeiten und alle Funde.
