Allgemeine Berichte | 16.12.2016

Er kämpfte für Reformen im Kohlebergbau und schrieb „Die Brücke von Remagen“

Der Politiker und Autor Ken Hechler starb im Alter von 102 Jahren

Ken Hechler (links) mit Wilhelm Bratge vor dem Brückenkopf in Remagen.  Friedensmuseum Remagen/Sammlung Bratge

Rheinland/Remagen. Er war vermutlich vielen Einwohnern Remagens kein Begriff, obwohl er mit der Stadt zu tun hatte. Er war eine bemerkenswerte politische Persönlichkeit, ein mutiger Querdenker und ideenreich dazu. Am vorletzten Samstag, 10. Dezember, starb der US-amerikanische Politiker Ken Hechler im hohen Alter von 102 Jahren in Romney, West Virginia.

Er hat in seinem langen und spannenden Leben vieles gesehen und bewegt. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen ihm und der Stadt Remagen, wovon sein 1957 erschienenes Buch „The Bridge at Remagen“ (Die Brücke von Remagen), das später erfolgreich verfilmt wurde, zeugt. Die Veröffentlichung, darauf weist Stadtarchivar Kurt Kleemann hin, „hat maßgeblich dazu beigetragen, die Erinnerung an die unerwartete Einnahme der Brücke am 7. März 1945 zu verbreiten und wachzuhalten“.

Gegen Ende des Krieges waren alle Rheinbrücken von der Wehrmacht nach und nach gesprengt worden bis auf die Remagener Ludendorff-Brücke, die nur kurz aus ihren Lagern sprang. So eroberte die US Army die letzte passierbare Rheinbrücke, konnte erstmals über den Rhein, was als „Wunder von Remagen“ in die Geschichte einging, und nutzte sie für einen raschen Vormarsch auf die rechte Rheinseite. Das hat den Krieg an Rhein und Ruhr um Wochen verkürzt. Etwa 8.000 alliierte Soldaten überquerten den Rhein. Wegen erheblicher Schäden wurde die Brücke am 12. März für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Am 17. März 1945 stürzte sie ein, was 28 Amerikaner das Leben kostete.

„Intellekt und Selbstdarstellung“

In ihrem Nachruf zwei Tage nach Ken Hechlers Tod nennt die New York Times den Politiker „eine führende Stimme für die nationalen Kohlebergbau-Reformen während seiner neun Legislaturperioden im Repräsentantenhaus und eine schillernde Gestalt in der Politik West Virginias seit Jahrzehnten“. Den liberalen Demokraten Hechler, gebürtig aus Long Island, New York, brachten die Kongresswahlen 1958 ins Repräsentantenhaus in Washington. Nach acht Wiederwahlen konnte er bis Januar 1977 als Abgeordneter des Kongresses wirken. Er war ein überzeugter Verfechter der Bürgerrechte. Von Hechler wird berichtet, er sei als einziges Mitglied des Kongresses 1965 nach Alabama gegangen, um im Kampf für die Wahlrechte mit Martin Luther King an den Märschen von Selma nach Montgomery teilzunehmen. Martin Luther King soll zu ihm in Selma gesagt haben: „Du wirst heute ein Teil der Geschichte sein.“

Seinem Engagement zur Verbesserung der Sicherheitsstandards in den Kohlebergwerken und der Gesundheit der Bergleute wusste er durch ungewöhnliche Mittel Nachdruck zu verleihen. „Ein Intellektueller mit einer Gabe für Selbstinszenierung“, wie die New York Times formuliert, verbreitete er seine Botschaften, indem er über die Jahre Hunderttausende Meilen zu Städten und Weilern seines Wahlbezirks zurücklegte: in roten Jeeps mit der Aufschrift „Ken Hechler: Ihr Diener im Kongress“. Gegenüber der Charleston Daily Mail erklärte er im Jahr 2010: „Ich wollte mich immer absetzen von den Lincoln Town Cars und Limousinen, mit denen die großen Tiere herumfahren.“

Bevor er in die Politik ging, war er ein College-Professor, ein Bestseller-Autor. Und er schrieb die Reden für Präsident Harry S. Truman. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte er im öffentlichen Dienst gearbeitet. Während des Krieges kam er als Offizier der US Army auf dem europäischen Kriegsschauplatz zum Einsatz als Übersetzer und Militärhistoriker. Basierend auf seinen Eindrücken und Beobachtungen vor Ort verfasste er später das Buch „Die Brücke von Remagen“.

Er verhörte vor den Nürnberger Prozessen gegen führende Vertreter des NS-Regimes (November 1945 bis April 1949) mehrere Angeklagte, darunter Albert Kesselring und Wilhelm Keitel, Alfred Jodl, Joachim von Ribbentrop und Hitlers Stellvertreter Hermann Göring.

Wiedersehen im Zeichen des Friedens

Hechler kam noch öfter nach Deutschland. In Remagen traf er sich an Pfingsten 1954 mit Wilhelm Bratge, dem ehemaligen deutschen Kampfkommandanten der Brücke. „Die Begegnung diente der Vorbereitung des Buches“, so Remagens Stadtarchivar Kurt Kleemann. Mindestens ein weiteres Mal kehrte Hechler, der von 1985 bis 2001 als Staatssekretär der geschäftsführende Beamte der Regierung West Virginias war, an die bedeutungsvolle Remagener Geschichtsstätte zurück. Kleemann erinnert sich an den 6. März 1995, als der Autor des Brückenbuchs gemeinsam mit dem Historiker Stephen Ambrose an einem der Gedenktage teilnahm, die der Verein Friedensmuseum Brücke von Remagen um den Vorsitzenden und Altbürgermeister Hans Peter Kürten und die Stadt Remagen organisieren.

Nach dem Tod von Perkins Bass im Jahr 2011 war Hechler bis zu seinem Tod der älteste noch lebende Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses und des gesamten Kongresses. HG

Ken Hechler (links) mit Wilhelm Bratge vor dem Brückenkopf in Remagen. Foto: Friedensmuseum Remagen/Sammlung Bratge

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