Elfriede Liebich veröffentlichte mit 85 Jahren weiteren Kriminalroman
„Der Preis der Rache“ – Elfriede Liebich (85) schickt zum zweiten Mal die Leser auf Krimi-Reise
Bad Hönningen. „Schreibblockade kenne ich nicht“, sagt Elfriede Liebich. Sie ist „noch 85“, wie sie lachend betont. Im Juni feiert sie ihren 86. Geburtstag. Und hinter den Türen ihres Einfamilienhauses in Bad Hönningen, dass sie noch selbst in Schuss hält, entstehen spannende Kriminalromane.
Mit Blick aktuell sprach sie vor knapp 2 Jahren über ihr erstes Buch, „Jetzt oder nie“. Nun ist unsere Zeitung wieder zu Gast bei Elisabeth Liebich und sie hält stolz ihren zweiten Kriminalroman in der Hand: Auf 328 Seiten geht es um den „Preis der Rache“.
Eine Kuscheldecke mit Krimititeln als Motivation
Elfriede Liebich hat sich schon immer Geschichten ausgedacht und ihren Kindern erzählt und später mit der Schreibmaschine aufgeschrieben. Irgendwann haben ihr ihre Kinder die Geschichten in ein Buch gebunden und geschenkt. Ein privates Buch gewissermaßen. Etliche kamen hinzu, auch die gebunden für das private Bücherregal. Kindergeschichten, Geschichten vom Hund, Reisetagebücher. Auch ein Pflegetagebuch über die Betreuung ihres Mannes bis zu dessen Tod habe sie geschrieben. Es hätte ihr geholfen, die immer stärker den Alltag bestimmende Krankheit ihres Mannes zu verarbeiten.
Und das ist nicht der einzige Schicksalsschlag, den die rüstige im Juni 1940 in Linz geborene Frau zu verkraften hatte. Auch ihre Tochter hat sie durch eine schwere Krankheit verloren. Heute fängt sie die Familie auf, die sie auch unterstützt und bestärkt hat, das erste und nun auch das zweite Buch zu veröffentlichen. Ein Zeichen der Unterstützung ist eine Tagesdecke, die Liebich präsentiert: Auf flauschigem Stoff sind dort die beiden Titelseiten ihrer Bücher abgedruckt, auch ein Portrait der immer noch rüstigen Autorin mit ihren strahlenden Augen. Die Decke ist ein Geschenk ihres Sohnes und der Schwiegertochter.
Mit „Preis der Rache“ selbst übertroffen
Rund 100 Exemplare des ersten Buches wurden verkauft und sogar eine Lesung in Linz gab es. „Das wollte ich ja erst nicht, aber auf den ersten Artikel in Blick Aktuell haben die mich angerufen. Gelesen hat dann der Mann meiner Enkelin, und ich habe rund 14 Bücher verkauft und signiert“, sagt Liebich. Im Juli wird es wieder eine Lesung in der Kaffeerösterei LeNoKo in Linz geben, diesmal natürlich aus dem neuen Buch.
„Der Preis der Rache“ sei ihr bestes Buch, habe ihre Lektorin gesagt „und auch meine Enkelin hat gesagt: Oma, du hast dich selbst übertroffen“, sagt Elfriede Liebich lachend. Im „Preis der Rache“ geht es im Wesentlichen um zwei sehr unterschiedliche Ehepaare aus Bonn, die in gegenüberliegenden Einfamilienhäusern leben. In dem einen hat einst ein von der Ehefrau verlassener und dem Alkohol verfallener Mann seinen kleinen Sohn umgebracht.
„In der Geschichte geht es um Konflikte, Emotionen und unerwartete Wendungen. Ich habe versteckte Hinweise eingebaut und ein überraschendes Ende ist garantiert“, sagt die Autorin. Auch wenn die zweite Story völlig anders ist, die Kommissare sind wieder die gleichen und auch die Tagesstruktur hat sie beibehalten. Wieder schickt sie die Leser Tag für Tag, diesmal vom 5. August bis 10. September, durch Wochen krimineller Abgründe. Das Buch, ISBN 978-369 510 120 0, ist für 14,99 Euro überall erhältlich und bei Books on Demand erschienen. Ende Februar wird es auch als E-Book erhältlich sein.
Der dritte Krimi ist in Arbeit – und dann?
Zusammengerechnet vier Monate habe sie am zweiten Titel geschrieben, etwa ein Jahr dauerte die Überarbeitung. „Wenn ich fertig bin, ist das immer ein bisschen traurig. Es ist wie Abschied von den handelnden Personen. Ich muss dann tatsächlich das fertige Buch etwas liegen lassen, bevor ich da wieder drin blättere“, berichtet sie.
In Elisabeth Liebichs Arbeitszimmer, wo sie am PC schreibt und nur schwer aufhören könne, wenn sie sich hinsetze, liegen handschriftliche Blätter, an der Pinwand kleben Zettel: „Das sind meine Memos und Notizen – für das nächste Buch“, verrät sie. Daran arbeite sie schon. Vorbereitung auf einen neuerlichen Abschied von den dort handelnden Personen. Der Titel steht schon fest. Wieder drei Worte. „Dabei bleibt es auch beim dritten Titel“, der wird „Gefangen in Angst“ lauten. Dieses Buch will ich noch schreiben“, sagt sie.
Charlotte Link sei ihre Lieblingsautorin, sagt Liebich. Auf die Frage, ob denn dann nicht Mal eine vielleicht sogar mehrteilige Familiensaga ein weiteres Projekt nach dem dritten Krimi sein könnte, lacht Elisabeth Liebich. Nein sagt die bald 86-jährige Neu-Autorin aus Bad Hönningen aber nicht.
AWI
Grusliges zum Kuscheln: Vom Sohn und Schwiegertochte hat Elfriede Liebich eine mit den Titeln ihrer Bücher bedruckte Decke bekommen. Foto: Andreas Winkelmann
Elfriede Liebich (85) hält ihren zweiten Kriminalroman in der Hand. Am PC schreibt sie bereits am dritten. Foto: Andreas Winkelmann
