Allgemeine Berichte | 26.10.2022

Wie das Hüten der Ordnung das Helfen beinahe verhindert hätte

Der fast verhinderte Sankt Martin

Von Gregor Schürer

Vielleicht stellt ja im kommenden Jahr jemand ein extra Parkschild für Sankt Martin und sein Pferd auf? Foto: SCHÜ

„Moment mal…“, die Stimme klingt ziemlich laut und energisch. Sankt Martin, der gerade von seinem Ross abgestiegen ist und die Zügel noch in der Hand hält, dreht sich um und schaut in ein verärgertes Gesicht. „Sie können Ihr Pferd nicht einfach hier anbinden!“ Martin geht von einer Verwechslung aus und fragt: „Meinen Sie mich?“ „Ja, genau Sie meine ich“, antwortet der Mann, der eine Art Uniform trägt, „Sie können das Pferd nicht einfach hier an den Laternenmast binden. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder seinen Gaul irgendwo anleinen würde?“ Martin deutet mit dem Finger in Richtung des Bettlers, der einige Meter weiter auf dem Boden sitzt und sagt „Aber ich wollte doch nur dem Mann da…“ „Mir doch egal, was Sie wollten“, fällt ihm der Mann ins Wort, „Sie können ihr Pferd hier nicht anbinden und basta!“

Nun wird Martin neugierig und erwidert: „Entschuldigen Sie, aber das verwirrt mich jetzt ein wenig...“ „Dass Sie verwirrt sind, habe ich mir schon gedacht“ fällt ihm der unhöfliche Mann erneut ins Wort. „So wie Sie rumlaufen mit diesem roten Umhang und einem komischen Helm auf dem Kopf.“ „Was ist denn mit meinem Helm?“, Martin versteht nicht. „Das ist doch kein Reiterhelm, der der DIN-Norm und den gültigen Sicherheitsbestimmungen entspricht, so was zieht man höchstens an Karneval an“, klärt ihn der Mann auf. Martin begreift trotzdem nicht, nimmt den Helm aber vorsichtshalber ab. „So besser?“, fragt er. Der Mann schüttelt den Kopf, sagt dann aber: „Lassen Sie es gut sein wegen dem Helm, aber das Pferd müssen sie trotzdem wegbringen. Ich bin als Ordnungshüter dafür verantwortlich, dass die Sicherheit gewährleistet ist, zum Beispiel im Straßenverkehr. Und wenn ihr Pferd hier am Laternenpfahl angebunden ist, steht es halb auf der Straße. Das ist zu gefährlich, womöglich kommt in der Dunkelheit ein Auto und fährt es an. Das gibt dann ein Riesentheater und dann kriege ich den Ärger.“ Mittlerweile sind wegen des lautstarken Disputs einige Menschen stehen geblieben und scharen sich als Zuschauer rund um Martin und den Ordnungshüter. Martin überlegt kurz, ob er den Mann darauf hinweisen soll, dass es „wegen des Helms“ heißt, lässt es aber lieber sein. Stattdessen wirft er ein: „Aber durch die Laterne ist die Straße doch beleuchtet und man kann mein Ross gut sehen.“ „Schon mal was von Energiekrise und Stromsparen gehört?“, antwortet der Mann, „in einer halben Stunde wird jeder zweite Masten abgeschaltet, die Stadt hat kein Geld für eine Festbeleuchtung.“ „Aber jetzt kommt doch gleich der Umzug mit den Kindern mit ihren Fackeln, da wird es bestimmt heller“, versucht Martin noch einmal sein Glück. „Umzug?“, der Mann wird hellhörig, „ist das etwa so eine Kundgebung, vermutlich nicht genehmigt, womöglich von den Gören, die freitags lieber demonstrieren als zur Schule zu gehen?“ Wieder versteht Martin ihn nicht. Der stellt sich breitbeinig vor ihm auf und fragt: „Was wollten Sie eigentlich hier?“ „Dem armen Mann“, noch einmal deutet Martin zum Bettler hin, „meinen halben Mantel geben.“ „Sind Sie Bekleidungshändler?“, will der Mann nun wissen. „Dann zeigen Sie mir mal Ihren Gewerbeschein.“ „Ich bin kein Händler“, klärt Martin ihn auf, „ich bin Soldat. Oder besser, ich war es.“ „Soldat, soso“, sagt der Mann grinsend, „vermutlich beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr und im Afghanistaneinsatz, mit dem Faschingshelm auf dem Kopf.“ Er lacht schallend und ein Teil der Zuschauer stimmt ein. „Ich will von dem armen Mann kein Geld, ich schenke ihm meinen Mantel“, ergänzt Martin. „Helfen wollte ich, so wie Jesus Christus den Menschen geholfen hat, er ist mein Vorbild.“ „Ach, jetzt versteh ich. Sie sind von den Zeugen Jehovas. Bleiben Sie mir bloß weg mit Ihrer Nächstenliebe, ich bin schon seit Jahren aus der Kirche ausgetreten. Sie nehmen jetzt ihren Wachturm, ihren Gaul und was Sie sonst noch dabei haben und scheren sich weg. Ich verhänge hiermit kraft meines Amtes einen Platzverweis für Sie.“

Martin ist kurz in Versuchung, sein Schwert zu ziehen. Aber er hat der Gewalt ja abgeschworen und überlegt sich, lieber klug als streitsüchtig zu sein. Er steigt auf sein Ross, schaut hinunter zu dem Mann und verabschiedet sich: „In Ordnung, Herr Ordnungshüter“. Dann trabt er auf seinem Ross davon. Er reitet um die Ecke, nach wenigen Metern kommt ein kleiner Seitenweg. Dort steigt er wieder ab, nimmt die Zügel in die Hand und geht es Stück weit ins Dickicht. Er wartet ein paar Minuten, da hört er aus der Ferne Kinderstimmen. Sie singen ein Lied. Es klingt entfernt, er kann den Text schlecht verstehen. Täuscht er sich oder haben die Kinder das tatsächlich gesungen?

„Sankt Martin, Sankt Martin,

Sankt Martin, egal wo Du bist,

komm zu uns, auch wenn´s schwierig ist,

wir wissen,es gibt keinen Mann,

der deine Taten stoppen kann.“

Martin lächelt, kommt mit seinem Ross aus dem Unterholz und geht zurück an die Stelle, wo er dem Ordnungshüter begegnet ist. Der Platz ist verwaist. Außer dem Bettler ist niemand mehr da. Er bindet das Pferd mit dem Zügel an den Laternenpfahl. Dann holt er aus der Satteltasche zwei Kerzen und ein Zündholz. Er reißt das Streichholz an und zündet damit beide Kerzen an. Eine Kerze stellt er neben das Pferd auf den Boden, denn es ist dunkel, die Laterne ist erloschen. Die andere Kerze nimmt er mit zum Bettler. Er dem zitternden Mann die Kerze in die eiskalten Hände und wirft ihm seinen halben Mantel um. „Hier, wärme dich“, sagt er gütig zu ihm. „Danke“, antwortet der Bettler. Martin nickt stumm, geht er zurück, besteigt sein Ross und reitet davon, immer dem Gesang der Kinder nach.

Vielleicht stellt ja im kommenden Jahr mal jemand ein extra Parkschild für ihn und sein Pferd auf? SCHÜ

Vielleicht stellt ja im kommenden Jahr jemand ein extra Parkschild für Sankt Martin und sein Pferd auf? Foto: SCHÜ

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