Flugwochenende des Luftsportvereins Neuwied e.V. in Wienau
Die Faszination fürs Fliegen ist ungebrochen
2.500 Besucher bevölkerten bei bestem Sommer- und Flugwetter das Gelände des Luftsportvereins Neuwied – Ballons, Drohnen, Segler und eine russische Yak 52 begeisterten die Zuschauer –
Dierdorf. Bei schönsten sommerlichen Temperaturen und einem strahlend blauen Himmel mit wahrscheinlich idealen fliegerischen Bedingungen fand am Wochenende wieder das jährliche Flugplatzfest in Wienau statt. An zwei Tagen wurden den Besuchern Informationen und Vorführungen rund ums Thema Fliegen mit den unterschiedlichsten Gerätschaften geboten. Verschiedene Motorflugzeuge und unterschiedliche Segelflugzeuge wurden gezeigt. Aber nicht nur das. In diesem Jahr erweiterte der Veranstalter das Angebot um eine Flugschau mit einer ferngesteuerten Drohne, einem Piccolo-Flugzeug sowie – Rennsportfreunde aufgepasst – einer Vorführung von schnellen Modellautos, die über die Start- und Landebahn flitzten.
Flugshows mit Motor- und Segelflugzeugen
Thomas Wunder moderierte am Mikrofon die Flugshows für das Publikum auf der Terrasse der Fliegergaststätte und vor den Hangars. Als Mitglied des ausrichtenden Luftsportvereins Neuwied e.V. mit Sitz in Wienau ist er sowohl in Motor- wie auch in Segelflugzeugen zuhause. Außer, dass man sich alle ausgestellten Fluggeräte in Ruhe anschauen und ihre Vorführungen in der Luft beobachten konnte, erwähnte Thomas Wunder als besondere Augenweide der beiden Tage die Kunstflugvorführungen der russischen Yak-Maschine mit ihrem Besitzer und Piloten Benjamin Schaum. Außerdem wurden zwei Ballons gestartet, die aus Köln nach Wienau gebracht worden waren. In beiden Ballons konnten Besucher eine gemütliche Abendfahrt über den Westerwald erleben. Eine kleine Attraktion war auch der Start eines Gleitschirmfliegers mit Motor vom Gelände des Wienauer Luftsportvereins aus.
Mit leichten Startschwierigkeiten hatte der französische Pilot Philipe Domogalla aus Montabaur in seinem kleinen Piccolo-Motorsegler zu kämpfen. Domogalla ist als Beauftragter für Luftsicherheit weltweit beruflich unterwegs. Seine Maschine wollte und wollte nicht anspringen. Dabei war ihr Besitzer doch ohne Probleme von Montabaur zum Flugfest nach Wienau geflogen. Fast schon hätten hilfsbereite Zuschauer die Ärmel hochgekrempelt, um das Miniflugzeug anzuschieben, was aber vermutlich auch nicht zum Erfolg geführt hätte. Geduld hat hier weitergeholfen, denn plötzlich drehte die Maschine und mit ihr der kleine Propeller und die Piccolo war startbereit. Thomas Wunder machte auf die gravierenden Unterschiede dieses Flugzeugs im Vergleich zum russischen Yak-Flugzeug aufmerksam: Der Franzose erhebt sich mit bescheidenen 23 Pferdestärken in die Lüfte, das Militär-Trainingsflugzeug kann seine Kraft aus reichlich über 400 PS schöpfen.
Drohnen und schnelle Modellautos
Vom Spielzeugparadies Habakuk in Hachenburg war ein Team gekommen und zeigte alles, was es an kleiner und großer Drohnentechnik für Amateure gibt. Ein Hobbysportler zeigte, wie leicht es ist, einen Quadrocopter mit eingebauter Kamera zu steuern. Das Gerät kostet im Handel um die 600 Euro.
Für Begeisterung sorgte auch die Vorführung der RC-Crew Rhein-Mosel aus Koblenz und Neuwied mit ihren ziemlich schnellen Modellautos. Vorsitzender Norbert Diek und seine Vereinskameraden ernteten besonders bei den Kindern und Jugendlichen unter den Besuchern staunende Blicke für die rasanten Fahrten über den Flugplatz. Diese Vorführung war eine Premiere beim Luftsportfest.
Eine schöne Geschichte konnte Thomas Wunder zum Banner-Schlepp erzählen, den Axel Büscher aus Bonn-Hangelar zeigte. Er hat schon 245 Heiratsanträge durch die Luft geflogen – und alle wurden mit einem „Ja“ beantwortet!
Jugendarbeit wird groß geschrieben
Der Luftsportverein hat knapp 150 Mitglieder und beim Fest am Wochenende schon wieder zwei neue geworben, zwei Jugendliche. Thomas Wunder betont, wie sehr sich der Verein um die Nachwuchsgewinnung und eine attraktive Jugendarbeit kümmert. 80 Mitglieder sind im Verein aktiv und fliegen selbst in einer eigenen oder einer der Vereinsmaschinen.
Den Verein gibt es bereits seit über 60 Jahren. Mitglieder des Vereins nehmen auch an Flugwettbewerben teil, sagt Thomas Wunder. Auch auf Bundesebene wurden schon Erfolge erzielt. Es gibt ein paar wenige Segelflieger in Wienau, die bei Wettbewerben schon Strecken von über 800 Kilometer am Stück zurückgelegt haben. So etwas schafft ein kleines Motorflugzeug nicht, es muss nach drei Stunden zum Auftanken landen. Bei einem normalen Überlandflug legt ein Segelflugzeug zwischen dreihundert und vierhundert Kilometer am Tag zurück. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Möglich ist aber eine Geschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometer.
Die Faszination fürs Fliegen ist seit Jahrzehnten ungebrochen in Wienau. Auch bei dieser Flugschau kamen wieder rund 2.500 Besucher in den kleinen Stadtteil von Dierdorf. Im Gespräch mit BLICK aktuell sagte der Yak-Pilot Benjamin Schaum: „Ich komme aus Gelnhausen, das liegt zwischen Fulda und Frankfurt. Klar, ich bin hierher geflogen. Aber wir haben tatsächlich ein Gepäckauto dabei, weil wir zu dritt sind und auch noch meine beiden Hunde mitgekommen sind. Die fliegen aber auch genauso gerne. Das Flugzeug ist der standard-russische Militärtrainer. Wenn Sie einen russischen Militärpiloten treffen und sagen ‚Yak 52‘ – jeder von denen ist das Flugzeug geflogen.
Meine Maschine ist eine etwas abgewandelte Version. Die ist aus dem Jahr 2005 und wurde wie fast alle Yak 52 in Bakau in Rumänien gebaut. Die Maschine hat 425 PS und 1,36 Tonnen Abfluggewicht, zwei Sitze und ist eigentlich fürs Training gedacht. Normal fliege ich mit 210 bis 220 km/h, die zugelassene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 420 km/h. Im Kurzflug bergab komme ich auf 300 bis 350 km/h. Von Beruf bin ich Hausarzt und Fliegerarzt, das heißt, ich untersuche auch Flieger auf ihre Tauglichkeit. Den Platz hier in Wienau habe ich im Frühjahr kennengelernt. Meine Lebensgefährtin stammt hier aus der Nähe. Als ich einmal hier war, habe ich Herrn Marzinzik getroffen, den Vorsitzenden des Vereins, und über den Kontakt kam ich hier zur Flugschau. Der Platz ist anspruchsvoll, die Piste ist kurz und sehr schmal. Der Anflug über die Bäume ist nicht ganz so spaßig. Aber heute ist Südwind und da kann man sich die Start- und Landerichtung aussuchen.“ In der Luft zog Benjamin Schaum seine Kreise mit der russischen Maschine, stieg senkrecht auf, trudelte rückwärts und flog auch zeitweise kopfüber, quasi mit dem Flugzeug auf dem Rücken liegend. Beeindruckend, was die russischen Militärpiloten damit alles lernen können.
Ein Motorflugzeug zieht ein Segelflugzeug in die Luft, im Hintergrund sieht man die Windkraftanlagen am Hartenfelser Kopf.
Benjamin Schaum und seine Freundin stellten die russische Trainingsmaschine Yak 52 vor. Fotos: KER
Immer wieder gaben Vereinsmitglieder den Besuchern die Gelegenheit zu kleinen Rundflügen über den Westerwald.
