Rathaussturm in Ringen
Die Finte mit der Tourismusmesse verfing nicht bei den jecken Weibern
Diesmal wurden gleich zwei Rathausschlüssel übergeben – Gelsdorfs Prinzessin Gertrud I. (Dahlhausen) und die Birresdorfer Obermöhn Marietta Vormann übernahmen das Kommando
Ringen. „Herzlich willkommen zur ersten Grafschafter Tourismusmesse mit dem Themenschwerpunkt Wandern und Radfahren in der Grafschaft!“ Mit allen Tricks versuchte Bürgermeister Achim Juchem am Weiberdonnerstag, die Möhnen aus der Grafschaft von ihrem Vorhaben abzubringen, das Ringener Rathaus zu übernehmen. Zusammen mit seinen Beigeordneten Martina Münch und Ingo Derz sowie den Ortsvorsteher Andreas Ackermann, Josef Braun, Rainer Kratz, Leo Mattuscheck und Toni Palm hatte er eine Verteidigungslinie in schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „Gemeinde Grafschaft Fuß- und Radwege“ in goldenen Lettern und mit einer Radwege-Schleife durch alle Orte auf einer Grafik aufgebaut und versuchte so, die jecken Weiber in die Irre zu führen. Doch die cleveren Möhnen fielen auf diese Finte nicht herein und besetzten mit lautstarken „Alaaf“-Rufen in ihren bunten Kostümen den Ratssaal.
Doch dann gab es ein Problem, denn der karnevalswissenschaftliche Beirat der Gemeindeverwaltung hatte übersehen, dass die Birresdorfer „Fidelen Möhnen“ ihr jeckes Jubiläum feierten, wurden sie doch ausweislich einer mitgebrachten roten Fahne mit dem Gründungsjahr 1951 heuer 66 Jahre alt. Denn eigentlich bekommt immer der Möhnenverein den Rathausschlüssel überreicht, der im aktuellen Jahr ein närrisches Jubiläum feiern kann. In Unkenntnis der Birresdorfer Feierlichkeiten war man im Rathaus davon ausgegangen, dass es keine Jubelmöhnen gebe, und hatte deshalb beschlossen, den Rathausschlüssel in die Obhut der amtierenden Gelsdorfer Prinzessin Gertrud I. (Dahlhausen) zu übergeben.
Karnevalistische Darbietungen der Grafschafter
Nun war guter Rat teuer, doch natürlich war blitzschnell eine salomonische Lösung gefunden: „Schließlich haben wir zwei Türen am Rathaus mit zwei Schlüsseln, deshalb gibt es heute zwei Schlüsselübergaben“, rief Juchem unter dem Jubel der siegesgewissen Närrinnen. So erhielt neben Prinzessin Gertrud I. auch die Birresdorfer Obermöhn Marietta Vormann ihren eigenen Rathausschlüssel und übernahm auch gleich das Kommando über die nun beginnenden karnevalistischen Darbietungen der Grafschafter Möhnenvereine und Karnevalsgesellschaften. Nicht ohne sich zu ärgern, dass sie ausgerechnet jetzt, wo sie doch das Sagen im Rathaus hätte haben können, in Urlaub sei.
Den Auftakt machten die Birresdorfer Möhnen mit Tanzdarbietungen ihrer Garde sowie der „Funky Maries“, für die es tosenden Applaus gab. Weitere Auftritte hatten die Karnevalsgesellschaft Garde Grün-Weiß Esch mit dem einzigen Grafschafter Tanzpaar Lara Weipert und Leon Christmann sowie ihren Tanzgarden, der Möhnenverein Nierendorf mit seinen „Fröschelchen“ und das Männerballett „Ringener Perlen“. Die Ringener „Wendböggele“ hatten sogar ihre Kinderprinzessin Kimberly I. (Erxleben) mit dabei, und aus Lantershofen grüßte Kinderprinzessin Sina I. (Otten), die sogar eine Regierungserklärung an den Bürgermeister übergab. Mit dabei waren außerdem die Möhnen aus Bengen, Gelsdorf, Holzweiler, Leimersdorf und Bölingen. JOST
Die „Funky Maries“ aus Birresdorf zeigen ihr Können beim Rathausturm in Ringen. Foto: Volker Jost
Das einzige Grafschaft der Tanzpaar Lara Weipert und Leon Christmann von der Karnevalsgesellschaft Garde Grün-Weiß Esch begeisterte das Publikum beim Rathaussturm in Ringen. Foto: Volker Jost
Die Grafschafter Möhnen übernahmen am Weiberdonnerstag das Kommando im Ringener Rathaus und trotzten Bürgermeister Achim Juchem gleich zwei Rathausschlüssel ab. Die Gelsdorfer Prinzessin Gertrud I. (Dahlhausen) und die Birresdorfer Obermöhn Marietta Vormann übernahmen das Kommando. Fotos: JOST Foto: Volker Jost
