Lahnstein hat Geschichte, Folge 895
Die Grenzsäule vor dem Nassau-Sporkenburger Hof
aus Lahnstein
Lahnstein. Vor dem geschichtsträchtigen Nassau-Sporkenburger Hof ragt ein Monument aus Lahnmarmor empor, das weit mehr ist als nur ein dekorativer Stein: Es ist eine ehemalige Hoheitssäule des Herzogtums Nassau, deren Schicksal eng mit den Umbrüchen des 19. Jahrhunderts verwoben ist.
Sie wurde im Jahr 1827 im Auftrag der nassauischen Landesregierung an der Gemarkungsgrenze zwischen Niederlahnstein und dem damals preußischen Horchheim errichtet. Insgesamt gab die Regierung zehn dieser prachtvollen Marmorsäulen in Auftrag, die als repräsentative Grenzmarkierungen an den wichtigsten Übergängen des Herzogtums stehen sollten. Von diesem Ensemble sind heute lediglich drei Exemplare erhalten.
Für den Standort im Amt Braubach – zu dem Nieder- und Oberlahnstein gehörten – legte die Landesregierung eine exakte Stelle fest: dort, wo der sogenannte Vicinalweg von Niederlahnstein nach Braubach die Gemarkungsgrenze zwischen den Hauptgrenzsteinen 173 und 174 kreuzte. Heute befindet sich hier die Kreuzung Emser Straße (Horchheim) – Didierstraße (Lahnstein).
Das Material der Säule ist so edel wie regionaltypisch: polierfähiger Kalkstein, der sogenannte „Lahnmarmor“ aus einem Steinbruch bei Villmar. Die Rohblöcke wurden in der „Diezer Zuchthausfabrik“ – der heutigen Justizvollzugsanstalt – veredelt. Die Konstruktion bestand aus einem unteren und oberen Sockel, einem rund zwei Meter hohen Schaft sowie einem Kapitell aus zwei Platten. Bei einer Gesamthöhe von ca. 3,60 Metern prangte auf der Säule das eingehauene Wappen des Herzogtums samt Krone.
Das Jahr 1866 brachte die Wende: Im Deutsch-Österreichischen Krieg stand Nassau auf der Seite Österreichs und unterlag Preußen. Am 3. September, kurz vor Kriegsende, meldete der zuständige Chausseeinspektor der Regierung, dass die Säule in der vorangegangenen Nacht umgestürzt worden sei. Angesichts der unsicheren politischen Lage entschied das Ministerium, das Monument vorerst nicht wiederaufzurichten. Der Wegbauinspektor ließ sie lediglich beiseite räumen und abdecken.
Mit der Übernahme Nassaus durch das Königreich Preußen am 3. Oktober 1866 wurden die nassauischen Grenzsäulen offiziell überflüssig und ihre Entfernung angeordnet. Doch die Säule zwischen Niederlahnstein und Horchheim blieb drei Jahre lang unbeachtet auf einem Acker liegen. Erst dann veranlasste die Regierung, sie „an einer den Verkehr nicht störenden Stelle wiederaufzurichten und in Würde zu erhalten“. So wandelte sich die Säule innerhalb von drei Jahren vom Hoheitszeichen zum Denkmal – allerdings erst nach Abhauen des Hoheitszeichens, dem Nassauer Löwen. Die Teile wurden gehoben, das Wappen ausgemeißelt und die Schäden ausgebessert.
Nach über einem Jahrhundert musste die Säule 1980 aufgrund von Straßenbauarbeiten um vier Meter nach Westen versetzt werden. Da die Witterung dem Stein über die Jahre zugesetzt hatte, beschloss der Lahnsteiner Stadtrat im Jahr 2014, die Säule umfassend restaurieren zu lassen. Um sie stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, wurde sie im April 2016 vor den Nassau-Sporkenburger Hof in der Johannesstraße versetzt.
Besonderer Dank gilt Dr. Othmar Gehling. Durch einen persönlichen Brief an Großherzog Henri von Luxemburg gelang es ihm, eine Spende von 10.000 Euro für die Stadt Lahnstein zu erwirken. Dieser trägt auch heute noch den Titel „Herzog von Nassau“ und leistete so einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt dieses geschichtsträchtigen Erbes.
Dr. Othmar Gehling vor der von ihm gestifteten Bronzetafel, 2016. Foto: Bernd Geil / Stadt Lahnstein
