Allgemeine Berichte | 23.05.2022

Kreisgruppe Ahrweiler des Landesverbandes Rheinland-Pfalz

Die Jäger wollen sich ihrer Verantwortung in einer sich ändernden Gesellschaft stellen

Corona-Pandemie hatte auch auf das Jagdwesen im Kreis Ahrweiler spürbare Auswirkungen – Jahresmesser des Landesjagdverbandes für Ralf Schmidt und Birgit Gross als Dank für ihre Flutopfer-Hilfe

Bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Ahrweiler des Landesjagdverbandes wurde der Vorstand größtenteils wiedergewählt: v.li. stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Horst Gies, Landesjagdverband-Präsident Dieter Mahr, Kreisgruppenvorsitzender Ralf Schmidt, Schatzmeister Helmut Rusch, stellvertretender Schriftführer Jens Obermöller, Bürgermeister Marcel Caspers, stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende Birgit Gross und Schriftführerin Dr. Ute Weiss.  Foto: JOST

Kreis Ahrweiler. Auch auf das Jagdwesen im Kreis Ahrweiler hatte die Corona-Pandemie spürbare Auswirkungen. Das erfuhren die Mitglieder des Kreisverbandes Ahrweiler des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz bei der Mitgliederversammlung in der Dernauer Dagernova. Aber auch sonst habe die Jagd derzeit einen schweren Stand in der Gesellschaft, fand der Vorsitzende Ralf Schmidt in seinem Rechenschaftsbericht.

Erfreulicherweise sei im Zuge der Lockdown-Vorschriften festgestellt worden, die Jagd sei systemrelevant und diene der Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung und Sicherheit. „Man hat wohl schnell erkannt, dass sich die Afrikanische Schweinepest, der Waldumbau und die Wild- und Ernteschäden nicht von selbst regeln“, kommentierte Schmidt. „Selten zuvor bekamen wir eine solche Anerkennung für unser Handwerk.“

Kompromisse bei traditionellen Gewohnheiten eingehen

Trotzdem sehe sich die Politik anscheinend verpflichtet, die Jagd so zu regeln, dass sie größtmögliche Akzeptanz einer veränderten Gesellschaft bekomme. So sei Rheinland-Pfalz derzeit in einem Evaluierungsprozess zur Anpassung der jagdlichen Gesetze, was nach Schmidts Ansicht zu sehr großen Veränderungen bei der Jagdausübung führen könnte. Sein persönlicher Kommentar dazu: „Unsere Gesellschaft verändert sich ständig, leider nicht immer zum Vorteil. Der Anspruch unserer wild lebenden Tiere, ihre Biologie, notwendige Habitate, Ruhe und Äsung sind seit hunderten von Jahren gleich und werden auch genauso bestehen bleiben. Daher brauchen wir keine Anpassung der Jagdgesetze an unsere Gesellschaft, sondern eher eine Anpassung der Gesellschaft an unsere Jagdgesetze.“ Bei einigen traditionellen Gewohnheiten sollten die Jäger jedoch zum besseren Verstehen der Jagd auch Kompromisse eingehen können.

Konflikte gebe es auch immer wieder mit den Forstämtern und deren „geradezu ideologischem“ Umgang mit dem Schalenwild. Einige Forstämter sähen die Jäger nur noch als Erfüllungsgehilfe der Waldeigentümer, die gefälligst so viel zu jagen hätten, dass die Vorstellungen der Waldbesitzer umgesetzt würden. Wenn die Jäger jedoch als Dienstleister für die Gesellschaft handeln sollten, müssten sie auch entsprechend bezahlt werden, forderte Schmidt. Ansonsten seien die hohen Pachten in der Region nicht mehr gerechtfertigt, und auch die Jagdsteuer in der Größenordnung einer Viertelmillion Euro pro Jahr fehlte dann dem Kreis. Dabei bescheinige die aktuelle Zertifizierung den Forstämtern im Kreis eine am hohen Ertrag ausgerichtete Forstwirtschaft. Schmidt machte klar: „Wer nur ökonomisch denkt und sämtliche Alternativ-Vorschläge zur Reduzierung des Wildverbisses ablehnt, wer nicht kooperiert, sondern diktiert, kann langfristig nicht unser Gesprächspartner sein – obwohl der Dialog am Anfang jeder Verbesserung stehen müsste.“ In vielen rheinland-pfälzischen Landkreisen funktioniere die Zusammenarbeit viel besser, was insofern bedauerlich sei, als der Kreis Ahrweiler zu den waldreichsten in der ganzen Bundesrepublik gehöre.

Störungen in der Natur stark vermehrt

Kreisjagdmeister Dr. Stefan Schuck berichtete, infolge der Starkregenkatastrophe seien auch zahlreiche jagdliche Einrichtungen zerstört worden, „wie viele Wildtiere ertrunken sind und fortgerissen wurden, lässt sich nur schwer erahnen.“ Zudem hätten sich Störungen in der Natur stark vermehrt, hier müsse es mehr Koordination geben. „Jeder Ort sucht seinen Traumpfad und seine Treckingstrecken, Elektro-Fahrräder suchen bisherige ruhige Revierpassagen zu allen Tageszeiten auf.“ Zurückbleibe eine zerstörte Natur und beunruhigtes Wild.

Insgesamt habe dies zu einem Absinken der Abschusszahlen beim Rot- und Schwarzwild geführt. Beim Rotwild setzt sich der Abwärtstrend der letzten Jahre fort mit 1365 Abschüssen gegenüber 1472 im Vorjahr. Die Erfüllungsquote liege bei zufriedenstellenden 87,6 Prozent. Beim Muffelwild konnte demgegenüber eine Abschusserfüllung von über 290 Prozent erreicht werden mit 203 Muffeln. Dennoch habe die Kreisverwaltung insbesondere an der Oberahr eine stärkere Bejagung gefordert. Die Qualität des Bestandes sei nach wie vor sehr gut. Auch beim Schwarzwild habe sich mit 3854 Abschüssen die Strecke wieder gesteigert.

Beim Rehwild kam es zu einem kleinen Rückgang gegenüber dem sehr starken Vorjahr, statt 4269 wurden nur 3949 Stück erlegt. Obwohl der Kreis kein Damwildhegegebiet besitze, seien gleichwohl 28 Stück erlegt worden, im Vorjahr waren es sogar 108. Die Bestände beim Schalenwild befänden sich daher auf einem guten Niveau, eine Bejagung bleibe in Zukunft nötig. Schuck: „Die Landschaften des Kreises weisen für diese Wildarten nachhaltig gute Voraussetzung und Biotope aus.“ Weiterhin schlecht sehe es beim Niederwild aus. Statistisch gesehen wurden auf einen Feldhasen im letzten Jahr etwa 25 Rehe erlegt, rechnete der Kreisjagdmeister vor. Im Einzelnen wurden erlegt: sieben Baumarder, 21 Steinmarder, 255 Dachse, 607 Füchse, 33 Waschbären, 132 Hasen, 32 Kaninchen, 63 Enten, 66 Gänse, 195 Tauben, sechs Fasane, zehn Schnepfen, 105 Elstern und 219 Krähen.

Elf Jungjäger bestanden die Prüfung

Elf Jungjäger hätten im vergangenen Jahr die Prüfung erfolgreich absolviert, freute sich Schuck. Für dieses Jahr gebe es 20 Kandidaten. Die Jagdverpachtungen seien bis auf wenige Ausnahmen unproblematisch verlaufen, die Nachfrage sei nach wie vor ausreichend. Auch die neue Umsatzsteuerpflicht scheine in der Praxis keine Probleme zu bereiten.

Dieter Mahr, der Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, erinnerte an die spontane Hilfsaktion der Jägerschaft für die Opfer der Starkregenkatastrophe vom 14. Juli 2021. Unter dem Motto #jägerhelfen sei es gelungen, mehr als 120.000 Euro an Betroffene auszuschütten. „Wir werden diese Aktion fortführen und hoffen, dass wir damit auch weiterhin das Ahrtal und die anderen betroffenen Gebiete unterstützen können. Der Aufbau ist ein Marathon und kein Sprint“, wusste Mahr. Doch die weitaus wesentlicheren Hilfsmaßnahmen hätten die Helfer vor Ort geleistet, die ganz konkret mit angepackt hätten. Vor allem der Kreisgruppenvorsitzenden Ralf Schmidt und Birgit Gross, die Obfrau für junge Jäger, seien Vorbilder, auf die man sich in diesen Zeiten der Not immer und jederzeit verlassen könne. „Sie beide haben für die Menschen hier im Ahrtal Großartiges geleistet!“ Als Dank erhielten beide das Jahresmesser 2022 das Landesjagdverbandes.

Bei den turnusmäßig anstehenden Neuwahlen wurde Ralf Schmidt als Kreisgruppenvorsitzender bestätigt, seine neuen Stellvertreter sind Horst Gies und Birgit Gross. Schatzmeister Helmut Rausch wurde ebenso einstimmig wiedergewählt wie Schriftführerin Dr. Ute Weiss und ihr Stellvertreter Jens Obermöller.

JOST

Bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Ahrweiler des Landesjagdverbandes wurde der Vorstand größtenteils wiedergewählt: v.li. stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender Horst Gies, Landesjagdverband-Präsident Dieter Mahr, Kreisgruppenvorsitzender Ralf Schmidt, Schatzmeister Helmut Rusch, stellvertretender Schriftführer Jens Obermöller, Bürgermeister Marcel Caspers, stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende Birgit Gross und Schriftführerin Dr. Ute Weiss. Foto: JOST

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Kommentare
10.06.202208:57 Uhr
K. Schmidt

Zitat: "Mit dem Schutz von Wildtieren oder gar der Natur haben diese Aussagen rein gar nichts zu tun." - Also soll ruhig weiter jeder, der Bock drauf hat, mit seinem Motorrad, Fahrrad oder Quad kreuz und quer durch die entlegensten Waldgebiete rasen? Seinen Müll überall verteilen? Die Pflanzen von zum Klima besser gerüsteter Bäume sollen ruhig weiter von nicht-bejagten Tieren verbissen werden, wer braucht schon neuen/geänderten Wald? Kann ja dem Kommentar von Herrn Pilartz nach nicht sein, dass man seitens der Gesellschaft mal wieder ein bisschen besser mit dem Wald umgeht, nur weil 0,49% der Bevölkerung zur Jagd gehen. Die man dann in einem Rutsch mal direkt wieder in irgendeine Gesinnungsecke stellt.

10.06.202208:36 Uhr
Ute

Danke Hanno Pilartz für diesen pointierten Kommentar.
Die Jagd hat leider eine sehr starke Lobby.

07.06.202213:31 Uhr
Hanno Pilartz

Wäre ich Jäger im Kreis Ahrweiler, würde ich mich für den Spruch "Daher brauchen wir keine Anpassung der Jagdgesetze an unsere Gesellschaft, sondern eher eine Anpassung der Gesellschaft an unsere Jagdgesetze" von Ralf Schmidt in Grund und Boden schämen.
Wenn 0,49% der Bevölkerung der übergroßen Mehrheit von 99,51% ihren Willen aufzwingen will, sagt das Entsetzliches über die demokratische Gesinnung und Geistehaltung von Jagdfunktionären aus.
Mit dem Schutz von Wildtieren oder gar der Natur haben diese Aussagen rein gar nichts zu tun.
Beispiel: Wieso gibt es im benachbarten Luxemburg und in einzelnen Provinzen der Niederlande seit über 6 Jahren ein Fuchsjagdverbot, ohne dass die Populationen dort aus dem Ruder laufen?
Im Gegenteil, das Großherzogtum hat heute weniger Füchse als zur Zeit der Bejagung, weil der Wegfall des Ausrottungsdrucks auf Füchse deren Reproduktionsrate drastisch fallen ließ.
Eigentlich dient die Jagd vor allem der Fleischbeschaffung. Aber wer mag schon Füchse essen?

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