Meckenheimer Kammerchor führt „Deutsches Requiem“ auf
Die Kirche platzte aus allen Nähten
Meckenheim. Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms gehört zu den schönsten und anrührendsten aller Chorwerke. Allerdings haftet dem Stück der irrtümliche Ruf an, als Totenmesse vor allem rund um die Festtage Allerheilgen und Allerseelen gespielt zu werden. Brahms empfand den Titel selbst als Notlösung und sprach lieber von einem Werk „für alle Trauernden“. Dennoch ist Anfang November die passende Zeit, um ein Requiem aufzuführen und Kantor Martin Kahle hatte mit seinen Mitstreitern vom Meckenheimer Kammerchor über Monate an dem Stück geübt. Dabei stand man vor der Herausforderung, dass der Komponist das Stück ursprünglich für ein Orchester geschrieben hatte, es jedoch am vergangenen Freitag in der Meckenheimer Friedenskirche lediglich am Klavier begleitet werden sollte. Umso stärker ist die Leistung von Herbert Vennemann einzuordnen, der zwar als studierter Kirchenmusiker die Orgel virtuos bedienen kann, aber nun die doch noch viel leiseren Töne auf dem Klavier bedienen musste. Dies sollte ihm jedoch exzellent gelingen. Das Gleiche galt auch für die beiden Solisten Elisabeth Menke als Sopranistin und Frederik Schauhoff als Bariton. Beide Solisten sind in der Region bestens bekannt und Inhaber zahlreicher Preise. Gemeinsam mit dem Meckenheimer Kammerchor gelang es bestens, die durchaus nicht leichte Kost von Johannes Brahms auf das Publikum zu übertragen. Inhaltlich orientiert sich das Requiem an zahlreichen Texten aus der heiligen Schrift. Tod und Trost sind dabei die zentralen Inhalte des Stückes, so unter anderem an dem Matthäus-Wort „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Da schloss sich dann etwas ungewollt der Kreis, denn bekanntlich wird gerade an Allerheiligen in der katholischen Kirche die Seligpreisung im Evangelium verlesen. Und es ist eine tröstliche Botschaft Salomons, der da sagt, dass die Seelen der Gerechten in Gottes Hand sind und keine Qual sie anrühren kann. Und auch der Schlusstext ist da ein Trost, bei allem Leid über den Tod. Greift er doch ein Bild aus der Offenbarung des Johannes auf, in dem es heißt: „Selig sind die Tote, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Dieses Wort greift sehr deutlich die Intention des Komponisten auf, der hier keine spezifisch christliche Botschaft senden wollte, obwohl er sich inhaltlich an den Bibeltexten orientierte. Dass der Tod nicht das Ende ist, sondern das Werken und Wirken einem nachfolgt und somit auch für eine Unsterblichkeit sorgt, das ist die eigentliche Botschaft dahinter. Dieses Thema aus der Offenbarung ist ein Kernpunkt vieler Religionen und Philosophen und daher rundet es die Themenkreise „Tod“ und „Trost“ ab. Das Publikum war höchst angetan von der Aufführung und auch sehr fachkundig, der Andrang war so groß gewesen, dass man vor Beginn der Aufführung noch zusätzliche Stühle in die Kirche tragen musste, was für die Qualität der handelnden Personen spricht. STF
