Jecke Wiever waren am Schwerdonnerstag zu Gast beim Bürgermeister Guido Orthen
Die Möhnen freuen sich auf die „LaGa“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Am Weiberdonnerstag zur besten Frühstückszeit war es wieder so weit: Eine bunte Schar wunderbar kostümierter Möhnen aus dem gesamten Kreisstadtgebiet enterte zum traditionellen Möhnenempfang die Stadtverwaltung, wo schon Kaffee, kühle Getränke und leckere Häppchen für die jecken Wiever bereitstanden. Eines wurde direkt klar: Die bevorstehende Landesgartenschau (LaGa) 2022 macht auch vor dem Fastelovend keinen Halt.
Wen wunderte es da, dass Gastgeber und Bürgermeister Guido Orthen ebenso als zünftiger Gärtner daherkam wie der Beigeordnete Peter Krämer und die Ortsvorsteher Angelika Lüdenbach (Heimersheim), Peter Diewald (Ahrweiler), Fritz Langenhorst (Ramersbach), Gregor Sebastian (Walporzheim) und Rudi Frick (Gimmigen).
Auch in die Begrüßung des Bürgermeisters hatte sich das florale Großevent eingeschlichen: „Die LaGa, die steht uns ins Haus, wir putzen schon mal die Beete raus. Und üben für das große Jahr, engagieren uns mit Haut und Haar. Die Gartenschau ist wie ein Sechser im Lotto, daher ist sie heut auch unser Motto. Und liebe Möhnen, schaut mal her. Für eine blühende Stadt ist uns nichts zu schwer.“
Mächtig Stimmung
Dieser Empfang sorgte schon für mächtig Stimmung bei den Möhnen, doch als anschließend der jecke „Gärtnerchor“ um Dirigent Guido Orthen auf der Bühne statt den Ohrwurm „Rut sinn de Ruse“ das Lied „Mir, mir, mir, mir planzen Blöömcher - Blöömcher nur für de Gartenschau“ intonierte, war im Saal kein Halten mehr, zumal die Gärtner als Zugabe noch den Klassiker „Leev Marie“ hinterherschmetterten.
Danach war es an der Zeit für das klassische Defilee der jecken Wiever zu Ehren des Bürgermeisters. Den Anfang machten die Walporzheimer Möhnen, deren romantisches „Tor zum Ahrtal“ in letzter Zeit durch die Bauarbeiten an der Hauptstraße temporär ein wenig an Romantik eingebüßt hat. „Müssen wir jetzt viermal die Josefsstraße hoch und runter laufen oder können wir doch mitten durch den Ort gehen?“ fragten die Möhnen augenzwinkernd im Hinblick auf den kommenden Karnevalszug. Orthen konnte Entwarnung geben - die Deckschicht sei just aufgebracht worden, so dass der Zoch seinen gewohnten Verlauf nehmen könne.
Gärtnerisches hatten die „Gimmiger Backeslämpchen“ - stilecht im „Landratskostüm“ gekommen - für das Stadtoberhaupt im Gepäck, nämlich Anemonen und einen waschechten Kaffeebaum. Um das alles noch zu überbieten, boten sich die Fraulück aus Gimmigen noch als zukünftige „LaGa-Ehrengarde“ an. „Das ist ja wie die Garde beim Papst, nur viel schöner“, schwärmte Orthen von seiner jecken Eskorte.
Dann kamen die Kirchdauner Möhnen, die den „LaGa-Jubelschrei“ des Bürgermeisters laut eigenen Angaben bis in ihr Dörfchen gehört hatten. Zum Motto des Tages passend, wusste auch die Abordnung aus Kirchdaun etwas zur „LaGa“ beizutragen - sie möchte „Dung aus Dung“ liefern, zu Deutsch Dünger in Form von Kuhmist (davon gäbe es genug) aus „Dung“, der mundartlichen Kurzform von Kirchdaun. „Nur“ beim Naturdünger sollte es jedoch nicht bleiben - ein riesiger Glückspilz samt selbst gemachtem Ton-Orden war für Orthen auch noch drin.
Mit einem Sketch zum Thema Kalorien inklusive Engelchen und Teufelchen strapazierten anschließend die Gimmiger Möhnen sämtliche Lachmuskeln, bevor die Ahrweiler Möhnen, in Anbetracht des jüngsten Bombenfunds in der Ahrweiler Altstadt, auch als „Bombenmöhnen“ begrüßt, in Reimform für die erlassene Saalmiete dankten. Davon, dass Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht erst zur „LaGa“ zum „Mittelpunkt der Welt“ wird, waren die Möhnen aus der Rotweinstadt sowieso überzeugt. Um den Bürgermeister schon mal ein wenig in Übung kommen zu lassen, verehrten die Damen ihm noch ein Mini-Gewächshaus.
Origineller Vortrag
Die Vielfalt der Kartoffel - ob als Pommes, Reibekuchen, Bratkartoffeln oder Püree - war Thema des originellen Vortrags der Heimersheimer Möhnen als „Botschafter der Ackerknolle“. Logisch, dass die Mädels für den Stadtchef Setzkartoffeln und Kartoffelschnaps dabei hatten. Zugleich war der Empfang für die Heimersheimer Möhnen eine schöne Gelegenheit zum Führungswechsel: Nach 20 Jahren als Obermöhn übergibt Marlies Rohner das Zepter an ihre Nachfolgerin Rosi Nuhn.
Es folgten die „Heppinger Käslöffele“ und ihr famoses „LaGa-Gedicht“, frei nach dem Motto „Natur, Kultur, Genuss - da simmer dabei.“ Wie in jedem Jahr verteilten die „Käslöffele“ auch wieder ihren kunstvollen, selbst hergestellten Sessionsorden an alle Jecken im Saal. Fehlten mit den Ramersbacher Möhnen nur noch die Wiever mit der weitesten Anreise. Doch deren „Sackkostümperformance“ hatte es in sich, denn „Mode muss nicht teuer sein“.
Ehe er sich versah, hatten die Möhnen dem Bürgermeister nicht nur einen modischen Sack, sondern auch noch wunderschöne Blöhmcher überreicht. Nach dem „offiziellen Teil“ konnten die Möhnen noch kräftig tanzen, bevor sie sich mit Volldampf in die Fastelovendsfeierlichkeiten ihrer Veedel stürzten.
