Der Chorverband Westerwald e. V. informiert
Die Situation der Chöre im Westerwald
Der Verlust von Chören und Musikvereinen würde einen massiven Verlust für die Gesellschaft bedeuten
Westerwaldkreis. Seit dem 16. März ist der Probebetrieb in den Chören im Chorverband Rheinland-Pfalz und damit auch im Westerwald durch die Corona Einschränkungen vollständig zum Stillstand gekommen. Seit mehr als einem Monat liegt jegliches Vereinsleben brach und alle Veranstaltungen mussten, mit erheblichem wirtschaftlichen Schaden für die Vereine, abgesagt werden.
Vielen Vereinen geht es aufgrund dieser Ausnahmesituation massiv an die Substanz – viele Kostenbereiche laufen unverändert weiter, die Einnahmeseite fällt zu einem großen Prozentsatz weg. Viele Vereine finanzieren sich, neben den Beiträgen der Mitglieder, zu einem großen Anteil durch die Durchführung von Veranstaltungen.
Sicherlich sind viele Vereine in der Lage, eine gewisse Zeit finanziell zu überbrücken, aber je länger das Vereinsleben brachliegt und je länger das Verbot für die Durchführung von Veranstaltungen existent ist, desto mehr wird die finanzielle Substanz der Vereine massiv beeinträchtigt.
Insbesondere Vereine, denen die finanzielle Basis verloren geht und Vereine, die vorher schon unter Nachwuchsproblemen litten, werden, u. U. kaum noch in der Lage sein, das Vereinsleben in der vorherigen Form wieder aufzunehmen. Ebenso sind auch die fortschrittlichen Chöre gefährdet, die durch eine moderne Chorstruktur mit Kinder- und Jugendchören, Pop-Chören, etc. mehrere Chorleiter beschäftigen und den finanziellen Spagat nur mit Einnahmen von Veranstaltungen und Sponsoring bewältigen können.
Es ist unabdingbar, dass bei der Definition von Hilfsprogrammen seitens der Politik auch dieser kulturelle Bereich entsprechende Berücksichtigung findet und auch Chöre im Bedarfsfalle finanzielle unterstützt werden.
Darüber hinaus sollte die im Grunde strenge Struktur und der geregelte Ablauf einer Chor- und Musikprobe es ermöglichen, den Probebetrieb wieder aufzunehmen und dabei strengste Hygienevorschriften und die geforderten Sicherheitsabstände einzuhalten. Die Musikhochschule Freiburg hat dazu eine wissenschaftliche Messung der Bamberger Symphonikern herangezogen, die wissenschaftlich Atemströmungen im Abstand über 50 cm nicht mehr nachweisen konnten und hat einen Abstand von 2 m beim Singen als sicher kommuniziert. Die Bundeswehr kommt bei Untersuchungen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Im Stufenplan der Landesregierung für die Durchführung von Lockerungen spielt das Chorsingen momentan leider noch gar keine Rolle. Das erzeugt massiven Unmut bei den Sängerinnen und Sänger. Der Chorverband hat ein Hygienekonzept erstellt, mit dem in kleinen Schritten eine Aufnahme der Probentätigkeit möglich wäre und fordert unter Berücksichtigung dieses Konzepts und der aktuellen Forschungsergebnisse die Landesregierung auf, Chorproben zeitnah zu ermöglichen, da die aktuelle Perspektivlosigkeit für viele Chöre und auch die Chorlandschaft insgesamt eine existenzielle Bedrohung ist.
Nach einer Zeit der Isolation, ist die schrittweise Aufnahme der Probetätigkeit ein erster Ansatz, um gesellschaftlichen Kontakt und Kommunikation wieder zu ermöglichen. Mit dem Besuch von Chor- und Musikproben wäre es gerade eine erste Möglichkeit, die häusliche Isolation zu überwinden. Unsere Chöre und sonstigen musikalische tätigen Vereine brauchen kurzfristig Lockerungen der Kontaktsperre, um ggf. auch mit Einschränkungen der Teilnehmerzahl den Probebetrieb schrittweise wieder aufnehmen zu können.
In den Chören, in den Musikvereinen und in anderen Vereinen des Kulturlebens sind alle Generationen, alle Altersklassen aktiv eingebunden – die Vereine bieten gesellschaftliche Heimat und fördern das Wohlbefinden aller Beteiligten, in dem sie den Stress des Alltags für die Zeit des aktiven Musizierens, aber auch die Zeit des musikalischen Genusses als Zuhörer vergessen lassen und der Gesundheit überaus förderlich sind.
Der Verlust von Chören und Musikvereinen bedeutet einen massiven Verlust für die Gesellschaft. Ein aktives Vereinsleben stellt in vielen Bereichen das Rückgrat des privaten gesellschaftlichen Miteinanders dar – Kinder werden betreut und gefördert, allen Generationen wird ein aktives, gesellschaftliches Vereinsmiteinander geboten – Vereine erbringen einen unverzichtbaren und nicht wegzudenkenden gesellschaftlichen Mehrwert. Ohne Vereinstätigkeit wäre unsere Gesellschaft in vielen Bereichen massiv ärmer.
Der Chorverband Westerwald hat in der letzten Woche ein offizielles Statement über die „Situation der Chöre im Westerwald“ an die Landes- und Bundespolitiker des Westerwaldes, an die Verbandsgemeinden, an den Westerwaldkreis gerichtet, um entsprechende Unterstützung zu und steht für diesbezügliche Gespräche gerne zur Verfügung.
Pressemitteilung des
Chorverbands Westerwald e. V.
