Allgemeine Berichte | 15.10.2025, 11:38 Uhr

Bronzene Erinnerungen in Koblenz-Neuendorf

Die Unnermudder kehrt heim: Ein Fest am Hüttchensbaum

Mythos und Kunst vereint: Die Unnermudder am Rhein. Fotos: Kulturinitiative Neuendorf
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Neuendorf. Bei der feierlichen Einweihung der Skulptur "Unnermudder" am Hüttchensbaum in Neuendorf begrüßte Andreas Duderstaedt die Gäste. Oberbürgermeister Langner hielt eine kurze Ansprache, bevor er die Figur enthüllen wollte.

Doch kurz bevor er das Tuch abnehmen konnte, stürmten vier Rheintöchter herbei, entrissen ihm das Tuch und riefen: „Da ist ja unsere Unnermudder! - Wir haben dich so lange gesucht!“.

Diese überraschende Szene entwickelte sich zu einer spielerischen Darbietung, die mit einem feierlichen Ritual endete, bei dem die Rheintöchter die Unnermudder mit echtem Rheinwasser, vermischt mit anderen Flüssigkeiten, begossen und sie offiziell am Hüttchensbaum in Neuendorf willkommen hießen.

Die Zuschauer, erheitert von dieser Darbietung, lauschten anschließend einer schaurigen Moritat über den ungehorsamen Dennis, der nicht auf seine Mutter hören wollte und letztlich von der Unnermudder unter Wasser gezogen wurde. Diese Moritat wurde im Stil der traditionellen Bänkelsänger präsentiert und durch große Zeichnungen illustriert.

Nach dieser Vorführung machten es sich die Besucher auf der Rheinwiese gemütlich. Dort breiteten sie ihre mitgebrachten Decken aus oder nahmen auf bereitgestellten Bänken Platz, um ein gemeinsames Picknick zu genießen. Das Quartett „Am Ufer“ sorgte für die musikalische Umrahmung des Festes. Die Unnermudder schien für hervorragendes Wetter mit sommerlichen Temperaturen gesorgt zu haben.

In der regionalen Überlieferung ist die Unnermudder als geheimnisvolle, düstere Figur bekannt. Man erzählt sich, sie sei dafür verantwortlich, dass Kinder im Rhein ertranken. Eltern warnten ihre Kinder oft mit den Worten: „Geh nicht so nah ans Wasser, sonst holt dich die Unnermudder!“ Die Geschichte des Ortes war über Jahrhunderte hinweg durch Fischer, Flößer und Bauern geprägt, deren Leben eng mit dem Rhein verbunden war.

Mit dem „Picknick am Hüttchensbaum - Ein Fest für Neuendorf“ konnte die Kulturinitiative Neuendorf ein lange gehegtes Vorhaben verwirklichen: eine künstlerische Erinnerung an die traditionsreiche Verbindung von Neuendorf mit dem Rhein. Die Finanzierung der Figur erfolgte durch Spenden, die während der von der Kulturinitiative organisierten Höfe-Gärten-Gassen Feste in den Jahren 2014, 2016 und 2018 gesammelt wurden, sowie durch zusätzliche Spenden. Die Aufstellung wurde durch Mittel des Verfügungsfonds Soziale Stadt unterstützt. Die vier Rheintöchter entstammten der Theater AG der Willi-Graf-Grundschule in Neuendorf.

Der Künstler Günter Hack, geboren 1944, war als Kunstlehrer am Wilhelm-Remy-Gymnasium in Bendorf tätig. Er hatte die Figur ursprünglich aus Kunstharz geschaffen und der Kulturinitiative erlaubt, sie in Bronze gießen zu lassen. Hack lebte viele Jahre in Neuendorf an der Rheinfront, in Sichtweite der von ihm geschaffenen Figur. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er der Feier nicht persönlich beiwohnen und verstarb wenige Tage nach der Einweihung. Dennoch verfolgte er die Berichte über den Fortschritt des Projekts Unnermudder mit großer Freude und Anteilnahme.

Die Figur verbindet auf besondere Weise Kunst, Tradition und Gemeinschaft. Das Picknick am Hüttchensbaum zeigte eindrucksvoll, wie sehr die neue Skulptur bereits als kulturelles Zeichen im Stadtteil angenommen wird. BA

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