Allgemeine Berichte | 09.11.2022

Deutsch-französisch-italienischer Mehrgenerationenaustausch in Wachtberg

Die europäische Partnerschaft lebt

Die Gäste am Aussichtspunkt Terra Nova direkt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach.Fotos: Wachtberger Partnerschaftsverein

Wachtberg. Zum 40. Jubiläum der Partnerschaft 2019 saßen sie alle zuletzt in Wachtberg zusammen. Dann stoppte Corona den regen Austausch von Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen der drei Partnergemeinden Wachtberg, La Villedieu du Clain in der Nähe von Poitiers/Frankreich und Bernareggio in der Nähe von Monza/Italien.

Nun war es wieder soweit: Vom 22. bis 25. September 2022 waren 34 Franzosen und 27 Italiener zum Mehrgenerationenaustausch zu Gast bei Wachtberger Familien - nach drei Jahren endlich wieder in dem traditionell eingespielten Rotationsrhythmus unter den drei Ländern.

Das Event stellte den Vorstand des Vereins wie immer vor die nicht ganz einfache organisatorische Aufgabe, genügend Gastgeber zu finden. „Doch am Ende hat es - auf die letzte Minute - doch wieder wunderbar geklappt,“ freut sich die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Bernadette Conraths. „Zum Glück nehmen immer wieder Eltern von Grundschulkindern, die am Schulaustausch, oder Eltern von Jugendlichen, die am Jugendcamp teilgenommen haben, gerne bereits bekannte Gäste, oder einfach Wachtberger Familien, die gerne diese interkulturelle Initiative unterstützen möchten. Es war dieses Mal wirklich schön zu erleben, dass einige neue GastgeberInnen dazu gekommen sind und die fröhliche, unkomplizierte Atmosphäre genossen haben“. So illustrierten dann ältere und jüngere Gäste mit Kindern sehr gut den Namen dieses Besuchs: „Mehrgenerationenaustausch“.

Der Tagesausflug - ebenfalls Tradition bei diesen interkulturellen Besuchen - stand unter dem hochaktuellen Vorzeichen Nachhaltigkeit. Die Busfahrt führte zunächst zum Aussichtspunkt Terra Nova direkt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach, des größten Tagebaugebiets Europas. Der Blick in die mehr als 400 Metern tiefe, viele Quadratkilometer große Grubenfläche mit den riesigen Schaufelradbaggern beeindruckte sehr. Die sehr aufschlussreichen Erläuterungen eines Gästeführers von RWE über das abzusehende Ende von Braunkohle als Energieträger im Zusammenhang mit dem Energieumbau, Treibhausgaswirksamkeit sowie Energiepolitik stießen viele anregende Gespräche an. Denn in den beiden Partnerländern werden ja verschiedene politische Maximen verfolgt: Frankreich setzt nach wie vor auf seine Atomkraft und Italien hat eine ähnlich prekäre Abhängigkeit von Öl und Gas wie wir in Deutschland.

Den Kontrast zur Großtechnik bildete dann die Mittagseinkehr auf Schloss Türnich, das durch den mit dem Braunkohleabbau gesunkenen Grundwasserspiegel nicht mehr nutzbar ist. Die dazugehörige Landwirtschaft und die wunderbare Parkanlage aber doch: Die Besitzerfamilie von Hoensbroech hat sich vor Jahrzehnten schon entschieden, diese systemisch biologisch zu nutzen und betreibt heute eine beeindruckende Demeter-Biolandwirtschaft. Welch unermüdlicher Einsatz dafür benötigt wird, erläuterte Severin von Hoensbroech in seiner Begrüßung kurz.

Einige der wunderbaren 100% lokalen Bioprodukte konnte die bunte Besuchergruppe dann im gemütlichen Schloss-Café zum Mittagessen genießen. So erlebten die Gäste sehr kontrastreiche Facetten der deutschen Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Der Samstag gehörte wie üblich Gästen und Gastgebern zur individuellen Gestaltung. So unternahm z.B eine Gastgeberin mit einer kleinen italienischen Gruppe einen langen Spaziergang auf dem Rodderberg mit einer Einführung in die lokale Sagenwelt. Eine andere Niederbachemerin ermöglichte ihrem italienischen Gast sogar, die Hirschbrunst zu hören und sehen.

Andere fuhren ins Ahrtal: die Gäste hatten im vergangenen Jahr sehr Anteil genommen an der schrecklichen Flut, denn das Ahrtal hatten viele von früheren Besuchen in bester Erinnerung.

Am Samstagvormittag tagten auch die Vorstände der drei beteiligten Länder mit dem Ziel, die gegenwärtige Situation zu evaluieren, die Programme der nächsten Jahre festzuzurren und für die Zukunft neue Akzente zu setzen. Auch die Termine des nächsten Jahres stehen: 20. - 23.April 2303 für den Schulaustausch (in Wachtberg), 23. - 30. Juli 2023 für das Jugendcamp (In La Villedieu). Der Mehrgenerationenaustausch wird Anfang Oktober in Italien stattfinden.

Zum Abschlussabend ging es zum Rhein, auf die MS Godesia. Hier erfreuten rheinischer Sauerbraten und eine Ahr-Weinprobe mit Weinen vom Kloster Marienthal die große Gesellschaft, die inzwischen schon echtes paneuropäisches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hatte.

Grußworten des Wachtberger Bürgermeisters Jörg Schmidt folgten musikalische Darbietungen der Gäste. Überall überschnitten sich deutsche, französische und italienische Unterhaltungen der begeisterten Teilnehmer dieser romantischen Schiffstour auf dem Rhein. Der Dank der Vorsitzenden galt von Herzen den wunderbaren GastgeberInnen und dem Team des Partnerschaftsvereins, das einmal mehr hervorragend zusammengearbeitet hat, um dieses Event zu gestalten.

Ein schöner Abschluss also auch dieses Mal, der Vorfreude weckt auf die schon geplanten Folge-Events der Partner. Europa – nicht nur eine politische Zielvorstellung, sondern wie hier für die Teilnehmer ein persönlich belebendes Ereignis!

Pressemitteilung Wachtberger

Partnerschaftsverein

Vom 22. bis 25. September 2022 waren 34 Franzosen und 27 Italiener zum Mehrgenerationenaustausch zu Gast bei Wachtberger Familien - nach drei Jahren endlich wieder in dem traditionell eingespielten Rotationsrhythmus unter den drei Ländern.

Vom 22. bis 25. September 2022 waren 34 Franzosen und 27 Italiener zum Mehrgenerationenaustausch zu Gast bei Wachtberger Familien - nach drei Jahren endlich wieder in dem traditionell eingespielten Rotationsrhythmus unter den drei Ländern.

Die Gäste am Aussichtspunkt Terra Nova direkt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach.Fotos: Wachtberger Partnerschaftsverein

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