Allgemeine Berichte | 08.05.2019

Maggy „Griseldis“ Ziegler referierte vor der Kaiser Ruprecht Bruderschaft

Die preußische „Königin der Herzen“

Königin Luise von Preußen, Ölgemälde von Josef Maria Grassi, 1802.Quelle: Alexander Thon M.A.,Lahnstein

Rhens. Aus Anlass des dritten Dämmerschoppens begrüßte die Kaiser Ruprecht Bruderschaft zu Rhens ein weiteres Mal Maggy Ziegler aus Bad Hönningen. In ihrer Paraderolle als „Griseldis“ referierte Frau Ziegler über Königin Luise von Preußen (1776-1810), die lange Zeit als eine Art preußische „Königin der Herzen“ verehrt worden ist. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, inwieweit ihr Vorbild sogar Wilhelm Grimm (1786-1859), den jüngeren der beiden Brüder Grimm, in seinen Märchenbearbeitungen beeinflusst hat.

Schon kurze Zeit nach ihrer Eheschließung mit dem preußischen Thronfolger Friedrich Wilhelm im Jahre 1793 hat Herzogin Luise von Mecklenburg-Strelitz eine geradezu kultische Verehrung erfahren. Geboren aus einer Mischung aus Bewunderung für ihre ansprechende Erscheinung und ihr ungewöhnlich volksnahes, eher bürgerliches Verhalten in der Öffentlichkeit, wuchs ihr Ansehen bei der preußischen Bevölkerung rasch. Nachdem ihr Ehemann 1797 als Friedrich Wilhelm III. den preußischen Thron bestiegen hatte, sollte sich noch eine Steigerung einstellen. Vor allem ihr Treffen mit dem französischen Kaiser Napoleon nach der verheerenden Niederlage Preußens in der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 sollte legendär werden, gleichwohl Luise letztlich keinerlei Zugeständnisse erreichen konnte. Schon 1810 an einer Lungenentzündung verstorben, setzten umgehend zahlreiche Formen des Gedenkens an die Königin ein, ein „Mythos durch Emotion“ war geboren. Ihre Grabstätte in einem Mausoleum von Schloss Charlottenburg wurde rasch zu einer Wallfahrtsstätte. Das Stiftungsdatum des 1813 vom preußischen König gestifteten „Eisernen Kreuzes“ wurde auf den Todestag Luises datiert, ein Jahr später mit dem „Luisen-Orden“ eine nur an Damen zu verleihende Auszeichnung geschaffen. Zahlreiche und führende zeitgenössische Literaten huldigten in ihren Schriften der verstorbenen Königin, und noch 1931 und 1957 widmeten sich abendfüllende Spielfilme mit großem Publikumserfolg, freilich aber unkritisch ihrem Leben und Wirken.

Unter Rückgriff auf die Biographien von Jacob und Wilhelm Grimm unterzog Frau Ziegler das somit entstandene Frauenbild der preußischen Königin einer näheren Betrachtung. Dabei konnte sie insbesondere für den Fall von Wilhelm Grimm einen frappanten Wandel feststellen: Sind die Frauengestalten in den gesammelten Märchen in den frühen Versionen zunächst noch durchaus selbstbewusst und wissen ihren männlichen Pendants die Stirn zu bieten, so ändert sich dies in den späteren Bearbeitungen der Geschichten deutlich. Hier geraten die handelnden weiblichen Personen geradezu zu einem Ebenbild des in der preußischen Bevölkerung verbreiteten Bildes von Königin Luise, sind im Sinne der „preußischen Madonna“ eher zurückhaltend und bescheiden. Auch wenn, wie die Referentin selbst einräumte, Wilhelm Grimm diesen Rückgriff nie explizit ausformuliert hat, so ist sein Vorbild unverkennbar. Die deutlichen Veränderungen dieses am Ende nun gar nicht mehr feministischen Frauenbildes in den verschiedenen Bearbeitungsstadien der Märchen wusste Frau Ziegler dem Publikum an Hand zahlreicher Beispiele einprägsam zu illustrieren und schlüpfte dabei von Zeit zu Zeit in ihre Rolle als Märchenerzählerin Griseldis. Das Publikum honorierte die Vortragende mit viel Applaus für ihre höchst eindrucksvollen Ausführungen, denen sich eine intensive Diskussion mit Fragen unterschiedlichsten Inhalts anschloss.

Zum Abschluss des Abends lud Bruderschaftskanzler Alexander Thon M.A. zu den nächsten Veranstaltungen ein: Zunächst wird am Sonntag, 12. Mai, von 14 bis 17 Uhr erstmals in diesem Jahr wieder der Scharfe Turm in Rhens am Rheinufer für das Publikum geöffnet und erläutert. Im Rahmen des kommenden vierten Dämmerschoppens referiert Prof. Dr. Heinz Fischer aus Koblenz am Donnerstag, 16. Mai, um 18 Uhr im Hotel Roter Ochse in Rhens über den englischen Lordprotektor Oliver Cromwell (1599-1658). Im Mittelpunkt steht dabei die Beurteilung der Frage, inwieweit Cromwells bisherige Bewertungen, die von Königsmörder bis hin zu Freiheitsheld reichen, der historischen Realität entsprechen. Die Teilnahme an beiden öffentlichen Veranstaltungen ist kostenfrei, Gäste sind willkommen. Die erste Tagesexkursion führt am 1. Juni auf den Spuren König Adolfs von Nassau in die Nordpfalz nach Göllheim, Kloster Rosenthal und auf den Donnersberg. Weitere Informationen zu allen Programmpunkten finden sich auf der Internetseite der Bruderschaft (www.kaiser-ruprecht-bruderschaft.de) oder sind beim Kanzler der Bruderschaft Tel. (0 26 21) 6 96 86 95, e-mail: ALThon@web.de zu erhalten.

Pressemitteilung der

Kaiser Ruprecht

Bruderschaft zu Rhens

Königin Luise von Preußen, Ölgemälde von Josef Maria Grassi, 1802.Quelle: Alexander Thon M.A.,Lahnstein

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