Allgemeine Berichte | 09.02.2021

Fernunterricht an der Berufsbildenden Schule Lahnstein läuft

Digitaler Unterricht neu ausgerichtet

Lahnstein. Seit Mitte Dezember sind die Schulen im Land geschlossen, seit Anfang Januar läuft der Unterricht an allen Schulen fernab der Klassenräume – mit Ausnahme von einigen Abschlussklassen, die Präsenzunterricht erhalten – unter den Namen wie Fernunterricht, Distanzlernen, Onlineunterricht, digitaler Präsenzunterricht oder Homeschooling. So vielfältig wie die Begriffe, so unterschiedlich gestaltet sich der tatsächlich stattfindende Unterricht derzeit.

Wenn man sich mit Eltern, SchülerInnen oder Lehrkräften dieser Tage, nach vier Wochen in der neuen Unterrichtsnormalität, unterhält, bekommt man so einiges zu hören. Nicht alles läuft rund. Systeme brechen zusammen, laufen instabil, Cloudsysteme sind vorübergehend nicht erreichbar, und und und. Die Liste ist lang, der Frust ist bisweilen groß. Dabei hat sich an den Schulen schon so viel getan. Nur spricht man darüber weniger.

Dass es gelingen kann, innerhalb von einem halben Jahr, den Fernunterricht aus dem ersten schulischen Lockdown im Frühjahr 2020 kritisch zu reflektieren, daraus Lehren zu ziehen und den digitalen Unterricht neu auszurichten, um für einen weiteren Lockdown digital gut aufgestellt zu sein, das zeigt das Modell der Berufsbildenden Schule (BBS) in Lahnstein. Dabei ist wohlgemerkt noch kein Geld aus dem Digitalpakt in diese Lösung geflossen. Dem hohen Engagement der Lehrkräfte und der Schulleitung, ihrer guten Vernetzung zu Betrieben und zum langjährigen Softwarelieferanten der Schule ist es zu verdanken, dass der Fernunterricht im zweiten Lockdown nun ein Erfolgsmodell geworden ist. Alle zogen an einem Strang.

Rückblick: Am 16. März 2020 startete das Kollegium der Schule, überrumpelt vom Lauf der Corona-Pandemie wie alle, in einen nie zuvor erprobten Fernunterricht. Äußert kreativ kamen verschiedenste digitale Tools dabei zum Einsatz, wie eine Umfrage der Schulleitung im Mai ergab. Schon damals entschied Schulleiter Dietmar Weber, der durchaus das kreative Engagement seiner Lehrkräfte lobte, dass man diesem „Blumenstrauß“ an digitalen Tools ein Ende setzen musste, da es nicht praktikabel sein konnte, Schüler mit einer Vielzahl an Systemen zu konfrontieren, nur weil jeder Lehrer ein anderes System bevorzugte.

Zwei IT-affine Kollegen und Lehrer an der Schule, Andreas Keuler und Cevdet Leylek, hatten sich durch Empfehlungen schon im Frühjahr nach dem ersten Lockdown mit mehreren Systemen befasst und festgestellt, dass die Plattform Teams des amerikanischen Softwareherstellers Microsoft für den Bildungsbereich weiterentwickelt wurde und alle Funktionalitäten in einer Oberfläche bietet, die man für einen Digitalunterricht benötigt. Schulleiter Dietmar Weber, selbst IT-affin und -begeistert, verschaffte sich ebenfalls einen Eindruck von der Plattform und war überzeugt von dem Potential des Systems für den Einsatz in der Schule.

Jetzt machten sich die Schulleitung und die Kollegen Keuler und Leylek an die konkrete Arbeit.

Während in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien noch eine zweitägige Schulung an der BBS Lahnstein stattfand, in der das Kollegium in unterschiedlichste Systeme wie z.B. Moodle und Webex, MNS+ oder der Arbeit mit Ipads im Unterricht eingewiesen wurde; während in der Politik und in den Medien die von Wissenschaftlern vorausgesagte „zweite Welle“ oft noch angezweifelt wurde, bereitete man sich an der Schule auf den nächsten Ernstfall vor. Bereits Mitte Juni wurden erste Gespräche mit dem Softwarelieferanten der Schule geführt bezüglich der Installation einer MS Teams-Instanz. Dabei wurden auch die Bedenken hinsichtlich der DSGVO ausführlich erörtert. In den Sommerferien wurde die Ersteinrichtung von dem Softwarelieferanten unter Begleitung der Lehrer Keuler und Leylek aufgesetzt, und sie konnten in den Admin-Bereich der Plattform MS Teams hineinschnuppern und Funktionen näher testen. Nach den Sommerferien ging es Schlag auf Schlag. Zunächst wurde MS Teams in den KFZ-Klassen der BBS Lahnstein in Testläufen erprobt, anschließend gewannen Leylek und Keuler einige KollegInnen als Multiplikatoren, die von ihnen geschult wurden, um die Implementierung im gesamten Kollegium zu ermöglichen. Diese Multiplikatoren-Lehrkräfte erprobten wiederum das System in ihren eigenen Klassen. Für Keuler und Leylek gab es in diesen Wochen neben der Schulung der Multiplikatoren noch mehr zu tun: Sie mussten in der Teams-Instanz rund 70 Lehrkräfte und mehr als 1000 Schüler anlegen.

Mit Ende der Herbstferien und den steigenden Infektionszahlen im Land wurden auch viele Lehrkräfte unruhig und sorgten sich, wie lange man den Unterricht in vollen Klassen und kälter werdenden Räumen noch aufrechterhalten könnte. Gleich in der ersten Woche nach den Ferien führte die BBS Lahnstein einen ganztägigen Fortbildungstag zur Einführung in die digitale Lernumgebung MS Teams durch. Keinen Tag zu früh, denn am Ende des Fortbildungstages wurde der erste positive Corona-Fall an der Schule bekannt.

Jetzt lag es an der Initiative jeder Lehrerin und jedes Lehrers, sich mit Teams vertraut zu machen und in die Funktionalitäten einzuarbeiten. Konkrete schnelle Unterstützung gab es von den Multiplikatoren sowie von Keuler und Leylek, online über Teams. Einige legten sofort los, holten ihre Klassen in die Computerräume, übten mit den SchülerInnen das Anmelden und lernten gemeinsam mit den Klassen, wie man in dem System kommuniziert, Dateien austauscht, Konferenzen abhält und Präsentationen durchführt. Die benutzerfreundliche intuitive Oberfläche begeisterte sogleich viele.

Die Schulen blieben lange offen, es blieb von Ende Oktober bis Mitte Dezember durchaus genug Zeit für weitere Erprobungen in der Schule. Das zahlte sich aus. Der Ernstfall trat ein, nicht der von vielen Lehrkräften erhoffte Wechselunterricht, sondern die komplette Schließung.

Der Übergang zum Fernunterricht Anfang Januar verlief reibungslos an der BBS Lahnstein. Einige seltene Ausfälle gehen auf das Konto von temporär instabilen Internetverbindungen bei Lehrern wie Schülern, aber im Großen und Ganzen läuft das System äußerst stabil. Von den Anfang Januar bekannt gewordenen Problemen bei anderen Plattformen blieb die BBS Lahnstein verschont.

Nach vier Wochen im Fernunterricht fällt das Urteil von Schulleiter Weber auch äußerst zufriedenstellend aus: „Es besteht eine sehr hohe Zufriedenheit im Kollegium und bei den Schülerinnen und Schülern.“ Und er erläutert weiter: „Die MS Teams Instanz der BBS Lahnstein lässt nur eine interne Kommunikation Schüler-Schüler, Schüler-Lehrer oder Lehrer-Lehrer zu. Jeder User im System hat einen eigenen Account. Eine Kommunikation nach außen ist nicht möglich.“ Das wurde mit Absicht so eingerichtet, um den Datenschutz und die Datensicherheit zu erhöhen. Ferner wurde die MS-Teams Instanz der Schule auf deutschen, bzw. europäischen Servern, aufgesetzt, um die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) einzuhalten. Die Plattform MS Teams ist weiterhin mit der ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002 zertifiziert. Diese Zertifizierung erbringt den Nachweis, dass die Anforderungen der Informationssicherheit eingehalten und die vorgeschriebenen Maßnahmen zum Schutz von Daten umgesetzt sind.

Die BBS Lahnstein hat auch das Problem der auf Schülerseite teils fehlenden Endgeräte gelöst: Es wurden rechtzeitig 53 Laptops zum Verleih angeschafft, von denen derzeit 36 von SchülerInnen im Fernunterricht im Gebrauch sind.

Weiteres Fazit: Auch wenn der Einsatz von den landeseigenen Systemen Moodle und Big Blue Button nach wie vor allen Lehrkräften zur Verfügung steht: Die meisten arbeiten ausschließlich mit MS Teams.

Die Resonanz der SchülerInnen ist, vor allem im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühling letzten Jahres, weitestgehend positiv. Sie haben digitalen Präsenzunterricht nach ihrem normalen Stundenplan und arbeiten mit den meisten Lehrern auf nur noch einer Plattform, treffen sich regelmäßig in Klassenkonferenzen (mit oder ohne Video), besprechen Arbeitsergebnisse und können mündlich wie schriftlich jederzeit Kontakt mit ihren LehrerInnen aufnehmen, die ganz normal zur Unterrichtszeit (und darüber hinaus) zur Verfügung stehen. SchülerInnen können sich auch ohne ihre Lehrer in einem Videochat verabreden, um im Team zu arbeiten. Die Kommunikationswege, die im ersten Lockdown, wo fast alles noch über E-mail ging, so gelitten haben, sind nun einfacher und vielfältiger, den Lehrkräften gelingt es leichter den Kontakt zu ihren Klassen zu halten. Sie können Anwesenheit und Abwesenheit im System erfassen, genau wie im normalen Unterricht. In den Fällen, in denen SchülerInnen sich nicht so häufig melden, unterstützen die beiden Sozialarbeiterinnen der Schule die Lehrkräfte und kümmern sich um die SchülerInnen.

Die Plattform Teams überzeugt an der BBS Lahnstein. Und das über den Einsatz im Fernunterricht hinaus. Zum Beispiel wurde die Gesamtdienstbesprechung zum Halbjahresende mit über 50 Teilnehmern völlig problemlos als Videokonferenz über Teams abgehalten.

Viele Lehrkräfte sind sich jetzt schon darüber einig, dass sie mit dem System auch im Präsenzunterricht weiterarbeiten wollen. Material könne dort eingestellt werden, ohne dass man stets ganze Klassensätze kopieren muss. Man kann in Teams in einem bestimmten Bereich im „Klassennotizbuch“ gemeinsam synchron arbeiten, das ersetzt praktisch die grüne Tafel im Klassenraum, jeder Schüler hat ein eigenes „Hausaufgabenfach“, einen eigenen Arbeitsbereich, auf das nur der/die entsprechende Schüler/in und sein/e Lehrer/in Zugriff haben, und auch Lehrkräfte können sich in Klassenteams schneller austauschen. Das alles sind Funktionen, die weiter genutzt werden können im realen Unterricht. Denn Beamer und Dokumentenkameras haben mittlerweile in fast allen Klassenräumen der BBS Lahnstein Einzug gehalten und werden vielfältig genutzt. Fehlen eigentlich nur noch die Endgeräte für das Kollegium. Bislang arbeiten die meisten Lehrkräfte im Fernunterricht, im Homeschooling, immer noch an ihren privaten Laptops, PCs und Tablets.

Fehlen tut auch noch das WLAN für SchülerInnen (das in Planung ist), genauso wie der Anschluss der Schule an das Glasfasernetz. Hier zeigt sich Schulleiter Dietmar Weber zuversichtlich: „Der verantwortliche Schulträger, der Rhein-Lahn-Kreis, ist mit hohem Engagement an der Anbindung mit den Providern im Gespräch.“ Die Digitalisierung ist an der BBS Lahnstein nicht mehr aufzuhalten, sie ist in vollem Gange.

Pressemitteilung

Berufsbildende Schule Lahnstein

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