Telemedizin
Direkter Draht zum Arzt
Landrat: Moderne Technologien bieten Chancen für medizinische Versorgung und Pflege im ländlichen Raum
Kreis Mayen-Koblenz. "Welche Möglichkeiten bieten digitale Lösungen, um den stationären und ambulanten medizinischen Bereich stärker zu verzahnen und die ärztliche Versorgung zu verbessern? Welche Bedeutung haben alltagsunterstützende Technologien insbesondere für die Pflege der Menschen im Alter?" Rund um diese und weitere Fragen drehte sich die Veranstaltung „Telemedizin und digitale Gesundheit“, zu welcher Landrat Dr. Alexander Saftig in die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) einlud. „Telemedizin ermöglicht es, unter Einsatz moderner Kommunikationstechnologien trotz räumlicher Trennung Diagnostik, Kontrolle und medizinische Notfalldienste anzubieten. In Zukunft können moderne Technologien vor allem im ländlichen Raum ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung werden“, ist der Kreischef überzeugt. „Telemedizin ist ein breites und spannendes Thema, welches sicherlich immer wichtiger werden wird“, sagt Professor Manfred Hülsken-Giesler vom Lehrstuhl für Gemeindenahe Pflege der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der PTHV. Der Wissenschaftler stellte verschiedene digitale Lösungen vor, die bereits heute erfolgreich eingesetzt werden. So gibt es beispielsweise Armbänder, die in Echtzeit die Vitalfunktionen von Patienten überwachen oder Handy-Apps, die an die regelmäßige Medikamenteneinnahme erinnern und im Ernstfall Notfalldienste alarmieren. „Die Dynamik im technischen Bereich der Pflege ist beeindruckend. Insbesondere in dünn besiedelten Regionen wie Skandinavien, Kanada oder Australien greift man schon mit einer großen Selbstverständlichkeit auf telemedizinische Produkte zurück und ersetzt so manchen persönlichen Weg des Patienten zum Arzt oder auch vom Arzt zum Patienten. Die Akzeptanz der technischen Hilfsmittel bei den Menschen ist ein zentraler Aspekt“, erklärt Hülsken-Giesler. Der Bekanntheitsgrad von Telemedizin sei hierzulande zwar noch relativ gering. Befragungen zufolge zeigen sich dennoch viele Menschen gegenüber neuen technischen Lösungen offen. Thomas Simon vom in Koblenz ansässigen Marktführer für medizinische Softwareprodukte CompuGroupMedical und Admir Kulin wollen die Vernetzung und damit den schnellen Datenaustausch zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens ausbauen. „Wir könnten bereits heute technisch ermöglichen, dass Patientendaten zwischen Arzt, Apotheker, Krankenhaus oder Angehörigen problemlos ausgetauscht werden, wenn der Patient das möchte. Dafür braucht es allerdings zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Patientenakten. Der Datenschutz in Deutschland ist der strengste der Welt.“ Der Mayener Apotheker Dr. Wolfgang Schlags stellte die Logistik der Medikamentenversorgung und der Vernetzung mit Pflegeeinrichtungen vor. Auch sieht Schlags erhebliche Potenziale im Ausbau von Bestellmöglichkeiten per Online-Shop oder Smartphone-App. „Das Internet ist rund um die Uhr geöffnet und eine gute Ergänzung zum persönlichen Kundenkontakt in der Filiale.“ „Angesichts der Entwicklung des ländlichen Raumes müssen wir unseren Blickwinkel auf Alternativen und Ergänzungen zur hausärztlichen Versorgung erweitern. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht im Rahmen unserer Möglichkeiten agieren um Hausärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Kein Computer oder Roboter ersetzt den Kontakt von Mensch zu Mensch. Wir sollten aber offen sein für Alternativen und notwendige Ergänzungen“, fasst Landrat Dr. Alexander Saftig zusammen.
Pressemitteilung
Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
V.l.n.r.: Landrat Dr. Alexander Saftig stellte mit Lea Bales (Projektbeauftragte des Familienfreundlichen Landkreises), Admir Kulin (Vitaphone), Thomas Simon (CompuGroupMedical), Apotheker Dr. Wolfgang Schlags, Moderatorin Katrin Wolf und Professor Manfred Hülsken-Giesler die Möglichkeiten moderner Telemedizin vor.Foto: Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
