Frühlingskonzert der Stadtkapelle Münstermaifeld
Dirigentenwechsel mit Musik, Gesang und Emotionen
Münstermaifeld. Es ist das Ende einer Ära: Nach 18 Jahren verabschiedete sich Manfred Höger im Rahmen des Frühlingskonzerts als Dirigent von der Stadtkapelle Münstermaifeld 1858 e.V., einem der mitgliederstärksten Musikvereine im Kreismusikverband Mayen-Koblenz sowie im Landesmusikverband Rheinland-Pfalz. Dort trat er am Samstag auf die Bühne der Stadthalle, um seine Musiker ein letztes Mal mit seiner beschwingten Art zu führen und das Zepter – pardon – den Taktstock an seinen Nachfolger Christian Krier zu übergeben, der sich ab sofort und ganz offiziell Stadtkapellmeister der Stadtkapelle aus Münstermaifeld schimpfen darf. Und man ist sich im Verein sicher, mit dem gebürtigen Saarländer einen guten Fang gemacht zu haben. Immerhin bringt der 34-jährige Berufsmusiker aus dem Heeresmusikkorps Koblenz als Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ (1999) und lernwilliger Trompeter an der Robert-Schuhmann-Musikhochschule nicht nur die fachliche Kompetenz mit, sondern hat die Münstermaifelder Musiker auch auf menschlicher Ebene voll überzeugt, auf die im Auswahlverfahren besonderer Wert gelegt wurde.
„Entwicklungshilfe“ für Münstermaifeld
Als Manfred Höger im Januar 1997 die Leitung der Stadtkapelle übernahm, überwog dagegen anfänglich noch die Skepsis, denn zum einen war dieser junge Mann der erste Dirigent seit 50 Jahren, der nicht aus den eigenen Reihen stammte. Zum anderen – sicher werden das viele Münstermaifelder als den viel größeren Tabubruch wahrgenommen haben – kam er ausgerechnet aus Polch – und das zu einer Zeit, in der sich die Rivalitäten zwischen den beiden Maifeld-Metropolen auf einem Höhepunkt befand. „Hast du überhaupt ein Visum für Münstermaifeld?“, soll ihn der damalige Bürgermeister Gerd Müller laut einer kleinen Anekdote nach seinem Antritt gefragt haben, woraufhin Höger erwiderte: „Ich leiste hier Entwicklungshilfe“. Wie erfolgreich der Polcher diese Aufgabe meisterte, davon konnte sich das Publikum nach den zahlreichen Auftritten der vergangenen 18 Jahre, in denen Höger den Ruf und das Repertoire der Kapelle entscheidend mitprägte, an diesem Abend ein weiteres Mal überzeugen.
Nachwuchs begeisterte mit Filmmusik
Zuvor gehörte die Bühne allerdings dem Nachwuchs: Das Jugendorchester unter der musikalischen Leitung von Niklas Wahl stimmte mit seinen beiden Stücken nicht nur auf den Konzertabend ein, sondern brachte mit der Filmmusik des Piraten-Streifens „Fluch der Karibik“ aus der Feder des deutschen Komponisten und Oscar-Preisträgers Hans Zimmer auch ein bisschen Hollywood-Flair aufs Maifeld. Traditioneller eröffneten die alteingesessenen Musiker der Stadtkapelle ihr Programm und ließen ihre Querflöten, Trompeten, Flügel- und Tenorhörner, Klarinetten, Posaunen, Saxophone, Schlagzeug und Tuba für den bekannten Fliegermarsch ertönen. Es brauchte hier nur wenige Takte, bis das Publikum ebenfalls einstieg und das Orchester mit fleißigem Klatschen begleitete. Bei der Slavonicka Polka stellten die Akteure auf der Bühne anschließend nicht nur unter Beweis, dass sie ihre Instrumente beherrschen, sondern auch mit einem mehrstimmigen Gesang überzeugen können. Und auch einem breiten musikalischen Spektrum, denn nach dem traditionellen Einstieg schmetterte die Truppe in bester Big-Band-Manier ein Medley mit den größten Hits von Tom Jones in die Ohren der Zuhörer, darunter „It’s Not Unusual“, „Delilah“ und „Sex Bomb“.
„I Did It My Way“
Danach rückte die Musik vorerst in den Hintergrund, als Ehrenmitglied Walter Pies mit seiner Rede und vielen kleinen Anekdoten die Ära Manfred Höger Revue passieren ließ, um auf den nahenden Abschied und damit einen der emotionalen Höhepunkte des Abends überzuleiten. „I Did It My Way“: Mit dem Klassiker von Frank Sinatra hätte der Mann der Stunde wohl kaum ein besseres Stück wählen können, um ein letztes Mal vor seine Stadtkapelle zu treten und sich als Dirigent von ihr als auch dem Publikum zu verabschieden. Sichtlich gerührt nahm er nicht nur eine Ehrung unter Standing Ovations und frenetischem Applaus entgegen, sondern übergab schließlich auch den Taktstock an Nachfolger Christian Krier und wünschte ihm alles Gute bei seiner Aufgabe als neuer Dirigent. „Ich verlasse jetzt das Schiff, aber hinterlasse eine seetüchtige Mannschaft“, so Höger, welcher der Stadtkapelle als aktiver Musiker erhalten bleiben wird und sich schon darauf freut, die zukünftigen Auftritte aus dieser neuen Perspektive erleben zu können.
Ein neues Kapitel
Den Generationenwechsel am „Kommandostand“ läutete Krier anschließend mit einem klassischen Marsch ein, dessen Name passenderweise „Fesche Jugend“ lautete und den Neubeginn an der Spitze einmal mehr unterstrich. Auch die Verabschiedung von Hans-Josef Müsch und Raymund Streng, die ihre aktive Laufbahn im Verein nach vielen Jahren beendeten und entsprechend gewürdigt wurden, fügten sich ins Bild ein. Daraufhin folgte mit dem Stück „All Glory Told“ ein Exempel für symbolische Blasmusik von James Swearingen, die mit ihren majestätischen Klängen die Fantasie der Zuhörer anregen sollte und nach dem ruhigen Einstieg mit dem zweiten Thema einen temporeichen Kontrast zu bieten hatte. Beim Klassiker „Der Jäger aus Kurpfalz“ stand vor allem Niklas Wahl im Mittelpunkt, der sich von den herausfordernden und anspruchsvollen Querflöten-Soli mit ihren flotten Läufen nicht aus der Ruhe bringen ließ – klasse!
Mit der Polka „Hohe Tannen“ löste die Stadtkapelle schließlich ein Kirmesversprechen ein – sehr zur Freude des Publikums, das nicht nur lautstark mit einstimmte, sondern auch kräftigen Applaus spendete und die Darbietung mit dem Ruf nach einer Zugabe entsprechend würdigte. Ein Wunsch, der am Ende des Abends noch erfüllt werden sollte. Zuvor standen allerdings noch der Marsch „In Harmonie vereint“, das locker-flockige Floral Dance sowie ein Medley mit den größten Hits von Udo Jürgens auf dem Programm, das ebenfalls noch mit einer Zugabe bedacht wurde. Dafür ließ man sich noch etwas Besonderes einfallen, denn zum großen Finale wurde es dunkel in der gut besuchten Halle, während die Bühne in einer stimmungsvollen Lichtershow erstrahlte und das gelungene Konzert samt Dirigentenwechsel mit dem Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“ einen würdigen Abschluss fand, bei dem die Stadtkapelle und das mitsingende Publikum ebenfalls in Harmonie vereint den emotionalen Abend ausklingen ließen.
Jetzt ist es offiziell: Christian Krier (mitte) ist der neue Stadtkapellmeister in Münstermaifeld. Die Urkunde wurde von Stadtbürgermeisterin Claudia Schneider (r.) und dem Vorsitzenden Andreas Zentner (l.) überreicht.
Ein letztes Mal führte Höger seine Mannschaft voller Schwung und Leidenschaft.
Manfred Höger reichte nach 18 Jahren den Taktstock an seinen Nachfolger Christian Krier weiter.
