EIN-Spruch: Was bleibt von der Arbeit?
In einem Gespräch mit einem deutlich älteren Freund fiel kürzlich ein Satz, der nachwirkt: Der heutigen Generation fehle die Identifikation mit ihrer Arbeit. Das zeige sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in dem, was man heute „Soft Skills“ nennt – Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft.
Solche Einschätzungen stehen nicht für sich. Sie treffen auf eine Arbeitswelt, die sich sichtbar verändert. Homeoffice, Diskussionen über die 4-Tage-Woche und Begriffe wie „Quiet Quitting“ prägen die Debatte. Auch politisch wird das aufgegriffen: Friedrich Merz warnt wiederholt davor, dass weniger Arbeitstage und sinkende Leistungsbereitschaft den Wohlstand gefährden könnten.
Gleichzeitig wächst eine Generation heran, die unter anderen Vorzeichen arbeitet. In sozialen Medien wird das „Hamsterrad“ kritisch hinterfragt, Effizienz höher bewertet als Präsenz, und Arbeit oft als Mittel zum Zweck beschrieben. „Work smart, not hard“ – dieser Satz steht sinnbildlich für eine Verschiebung im Denken.
Trifft der Vorwurf also zu?
Die ehrliche Antwort lautet: teilweise. Wer Arbeit vor allem als Mittel zum Zweck versteht, wird sich schwer damit identifizieren. Das bleibt nicht folgenlos – weder für die Qualität noch für das Miteinander im Arbeitsalltag. Insofern ist die Beobachtung nicht aus der Luft gegriffen.
Aber sie greift zu kurz.
Einspruch! Ein Blick in die christliche Tradition eröffnet eine andere Perspektive. „Ora et labora“ – bete und arbeite – ist mehr als ein klösterlicher Leitsatz. Er beschreibt ein Verständnis von Arbeit als Teil eines gelingenden Lebens, nicht als bloße Pflicht.
Auch das Evangelium greift dieses Bild auf. Jesus spricht von sich als dem Hirten. Ein Beruf, der Verantwortung, Verlässlichkeit und persönliche Hingabe verlangt. Es ist kein distanziertes Verhältnis zur Tätigkeit, sondern eines, das Identifikation voraussetzt.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Bereitschaft zur Arbeit schwindet. Sondern ob Arbeit heute noch als sinnvoll erfahren wird. Wo dieser Sinn fehlt, wird sie tatsächlich zum bloßen Mittel. Wo er vorhanden ist, entsteht Identifikation – unabhängig von Generationen.
Der Wandel der Arbeitswelt ist real. Die Sehnsucht nach sinnvoller Arbeit aber ebenso.
Über EIN-Spruch
EIN-Spruch ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter ist Theologe und ehrenamtlich in der Pfarrei engagiert.
Weitere Themen
Sebastian Walter. Foto: privat
RegioMAGAZIN
Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.
- 30 Tage gratis
- Neue Ausgabe jeden Tag
- Für unterwegs gemacht
Nach dem Crash flüchtete der Verursacher zunächst zu Fuß von der Unfallstelle
07.09.: Kreis AW: Britischer Autofahrer missachtet Rechtsverkehr: Verletzte und Totalschaden nach Frontalkollision
Quiddelbach. Der Fahrer eines britischen Pkw befuhr am Freitagabend gegen 19:40 Uhr die B 257 von Quiddelbach kommend in Fahrtrichtung Müllenbach. Dabei nutzte er über einen längeren Zeitraum den linken Fahrstreifen. Ausgangs einer Linkskurve oberhalb von Quiddelbach kollidierte der schwarze Pkw frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug.
Weiterlesen
Für rund zweieinhalb Stunden blieb es dunkel:
05.09.: Langer Stromausfall in Remagen und Sinzig
Sinzig/Remagen. Am Samstagabend kam es um 20.07 Uhr zu einem Kurzschluss im Bereich der Umspannanlage Sinzig. In der Folge fiel im Bereich von 31 Netzstationen der Strom aus. Betroffen waren Haushalte in Sinzig und Remagen.
Weiterlesen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach mehr als 150 Jahren endet eine außergewöhnliche Familien- und Unternehmensgeschichte: Das traditionsreiche Schuhhaus Rollmann in Bad Neuenahr schließt seine Türen. Damit verliert die Innenstadt ein Geschäft, das für Generationen von Kundinnen und Kunden weit mehr war als nur ein Ort zum Schuheinkaufen, sondern einen Platz für Begegnungen und Gespräche. Nun haben sich die...
Weiterlesen