Allgemeine Berichte | 20.04.2026, 11:07 Uhr

EIN-Spruch: Was bleibt von der Arbeit?

Sebastian Walter.  Foto: privat
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In einem Gespräch mit einem deutlich älteren Freund fiel kürzlich ein Satz, der nachwirkt: Der heutigen Generation fehle die Identifikation mit ihrer Arbeit. Das zeige sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in dem, was man heute „Soft Skills“ nennt – Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft.

Solche Einschätzungen stehen nicht für sich. Sie treffen auf eine Arbeitswelt, die sich sichtbar verändert. Homeoffice, Diskussionen über die 4-Tage-Woche und Begriffe wie „Quiet Quitting“ prägen die Debatte. Auch politisch wird das aufgegriffen: Friedrich Merz warnt wiederholt davor, dass weniger Arbeitstage und sinkende Leistungsbereitschaft den Wohlstand gefährden könnten.

Gleichzeitig wächst eine Generation heran, die unter anderen Vorzeichen arbeitet. In sozialen Medien wird das „Hamsterrad“ kritisch hinterfragt, Effizienz höher bewertet als Präsenz, und Arbeit oft als Mittel zum Zweck beschrieben. „Work smart, not hard“ – dieser Satz steht sinnbildlich für eine Verschiebung im Denken.

Trifft der Vorwurf also zu?

Die ehrliche Antwort lautet: teilweise. Wer Arbeit vor allem als Mittel zum Zweck versteht, wird sich schwer damit identifizieren. Das bleibt nicht folgenlos – weder für die Qualität noch für das Miteinander im Arbeitsalltag. Insofern ist die Beobachtung nicht aus der Luft gegriffen.

Aber sie greift zu kurz.

Einspruch! Ein Blick in die christliche Tradition eröffnet eine andere Perspektive. „Ora et labora“ – bete und arbeite – ist mehr als ein klösterlicher Leitsatz. Er beschreibt ein Verständnis von Arbeit als Teil eines gelingenden Lebens, nicht als bloße Pflicht.

Auch das Evangelium greift dieses Bild auf. Jesus spricht von sich als dem Hirten. Ein Beruf, der Verantwortung, Verlässlichkeit und persönliche Hingabe verlangt. Es ist kein distanziertes Verhältnis zur Tätigkeit, sondern eines, das Identifikation voraussetzt.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Bereitschaft zur Arbeit schwindet. Sondern ob Arbeit heute noch als sinnvoll erfahren wird. Wo dieser Sinn fehlt, wird sie tatsächlich zum bloßen Mittel. Wo er vorhanden ist, entsteht Identifikation – unabhängig von Generationen.

Der Wandel der Arbeitswelt ist real. Die Sehnsucht nach sinnvoller Arbeit aber ebenso.

Über EIN-Spruch

EIN-Spruch ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter ist Theologe und ehrenamtlich in der Pfarrei engagiert.

Sebastian Walter. Foto: privat

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