EIN-Spruch: „Wenn uns die Stimme wegzubleiben droht“
Eine Mutter eilt mit ihrem Sohn auf dem Arm zu einem Gefangenen. Der Junge droht zu ersticken, eine Fischgräte steckt ihm im Hals. Der Mann, zu dem sie geht, ist Arzt und Bischof zugleich. Er heißt Blasius.
So erzählt es die Legende. Durch Gebet und sein Eingreifen wird der Junge geheilt.
Viel mehr wissen wir historisch nicht über Blasius. Er lebte im frühen vierten Jahrhundert, wurde grausam gefoltert und schließlich hingerichtet. Und doch ist seine Verehrung bis heute ungebrochen. Am 3. Februar lassen sich viele Menschen den Blasiussegen spenden – mit zwei gekreuzten Kerzen vor dem Hals.
Auf den ersten Blick wirkt das fast aus der Zeit gefallen. Zwei Kerzen, ein kurzer Satz, ein „Amen“. Keine Diagnose, keine Therapie, kein Rezept. Und doch kommen Menschen – Jahr für Jahr. Vielleicht, weil es dabei um mehr geht als um Halskrankheiten.
Der Blasiussegen erinnert daran, dass der Glaube für viele Menschen eine tragende Säule ist. Kein Allheilmittel, keine Garantie für ein sorgenfreies Leben – aber ein Halt. Eine Zusage, dass wir mit unseren Ängsten, mit Krankheit und Verletzlichkeit nicht allein sind. Der Segen bittet um Schutz für Leib und Seele. Und genau das trifft einen Nerv unserer Zeit. Wir leben in einer Welt, in der vieles laut ist, schnell geht und wenig Raum für Stille lässt. Worte können trösten – und verletzen. Manchmal bleiben sie uns im Hals stecken. Manchmal fehlen sie ganz.
Blasius gilt auch als Schutzpatron gegen das verletzende Wort. Das ist mehr als eine fromme Randnotiz. Es ist eine Einladung zur Achtsamkeit: mit dem, was wir sagen, und mit dem, was wir verschweigen. Mit dem Ton, den wir anschlagen – im Gespräch, im Alltag, auch digital.
Der Blasiussegen ist kein Zauber. Er ersetzt keine Ärztin und keinen Arzt. Aber er macht deutlich, dass der christliche Glaube den ganzen Menschen im Blick hat. Dass Heil mehr meint als Funktionieren. Und dass Vertrauen wachsen darf – auch dann, wenn nicht alles heil wird. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft:
in einem kurzen Moment der Stille. In dem Zuspruch, dass Gott trägt – gerade dann, wenn uns die eigene Stimme zu versagen droht.
Nadine Kreuser
Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler
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