Allgemeine Berichte | 24.04.2024

Im Freilichtmuseum in Kommern bekommt der Walporzheimer Bahnhof ein eigenes Gleis mit einem historischen Schienenbus

Ein Bahnhof aus dem Ahrtal geht auf Reisen

Beim Ortstermin in Walporzheim: (von links) Raphael Thörmer, Gregor Sebastian und Dr. Carsten Vorwig.  Foto: GS

Walporzheim. Der Walporzheimer Bahnhof kommt ins Freilichtmuseum Kommern. Dafür laufen seit Dezember die Rückbauarbeiten. Für diese gab es jetzt einen im wahrsten Sinne des Wortes einschneidenden Tag. Nachdem Zimmerleute des Museums das Dach bereits abgedeckt hatten und zuvor schon alles Interieur gesichert worden war, wurde von einer auf Denkmalschutz spezialisierten Fachfirma mit einer überdimensionalen Diamant-Kreissäge die westliche Giebelwand in Bodenhöhe „abgeschnitten“. Damit hat der Rückbau der Warthalle begonnen. „Es bleiben die Raumkörper als Kuben stehen, die in 15 Bauteilen (Wand und Deckenteile) ab 27. Mai ins Freilichtmuseum transloziert werden. Nach Betriebsaufgabe des Bahnsteigs werden die Treppen und Wangenelemente des Zugangs sowie Bahnsteigkanten und die Möblierung des Bahnsteigs übernommen.“ Das erklärte Raphael Thörner beim Ortstermin als zuständiger Experte für Bau- und Hausforschung des Museums.

Translozierung heißt im Fachjargon das Prozedere, das aktuell mit dem Walporzheimer Bahnhof geschieht. Bei der Translozierung, auch Transferierung genannt, wird ein Gebäude dokumentiert, abgebaut und anschließend entweder möglichst originalgetreu oder mit gewünschten Veränderungen an anderer Stelle wiederaufgebaut. Das geschieht bisher vor allem in der Denkmalpflege, wenn ein bedeutendes Baudenkmal einem Bauprojekt im Wege steht oder wie im Fall des Walporzheimer Bahnhofs in ein Museum versetzt werden soll. Mit dem Walporzheimer Bahnhof kommt das dritte Gebäude aus dem Kreis Ahrweiler nach Kommern. Im Freilichtmuseum, das mit seinem Konzept die ehemalige Rheinprovinz abdeckt, stehen bereits die alte Schule von Löhndorf und das Oberbreisiger Pfarrhaus.

„Wir wollen zeigen, wie ein Dorf früher funktionierte. Und dazu gehört auch ein Bahnhof“, erläuterte Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. Dieser komme in Kommern auf ein bereits vorbereitetes Fundament. „Für den zweigleisigen Neuausbau der Ahrtalbahn ab 1909 wurde in Walporzheim ein neuer Bahndamm gebaut. So hat das Gebäude die Flut glücklicherweise unbeschadet überstanden“, so Vorwig.

Blick in die Geschichte

Das rund 30 Meter lange Gebäude vereinigt nach seiner Expertenmeinung fast alle Komponenten, die es braucht, um die Abläufe eines Bahnbetriebs an die Museumsgäste zu vermitteln. Ein manuelles Stellwerk, Wartehalle und Wartesaal sowie eine bewegte Geschichte. „Bis in die 1980er-Jahre gab es noch eine Expressgutabfertigung, einen Güterschuppen und einen Schalter für den Fahrkartenverkauf. Dies alles möchten wir im Museum zeigen und auch Formsignale durch die Hebelbank schaltbar machen“, sagte Bauhistoriker Raphael Thörmer.

Museum sucht alte Fotos

Auch die Bahn zieht mit. Technik, Unterlagen, Inventar und Bahnsteigausstattung werden an das Freilichtmuseum übergeben. So soll das Gebäude möglichst authentisch für die Museumsgäste in Kommern erlebbar und die bedeutende Kulturgeschichte der Eisenbahn im Rheinland vermittelt werden. Dr. Carsten Vorwig: „Bis zu den Sommerferien soll der Rückbau vollzogen sein. Unmittelbar danach startet der Wiederaufbau auf dem Marktplatz Rheinland im Freilichtmuseum.“ Die Geschichte der Bahnstation und die Erinnerungen an die in Walporzheim gestarteten Reisen in alle Welt bleiben so lebendig. Und auch die Geschichte von Reisenden soll dokumentiert werden. Da bitten Vorwig und Thörmer die Bürger von Walporzheim, in ihren „Schatzkistchen“ nach alten Fotos zu suchen, die Menschen bei der Ab- oder Anreise zeigen. Diese sollen dann reproduziert und im Bahnhof in Kommern gezeigt werden. Kontakt: www.kommernlvr.de

Präsentation in Kommern

In Kommern wird das neue Bahnhofsumfeld mit Trennmauer, Gleisbett und Bahnsteigen sowie Bahnsteigausstattung wie Laternen, Sitzbänken und Fahrkartenschalter rekonstruiert. Das Bahnhofsgebäude wird zwei Zeitschnitte zeigen. Das Betriebsgebäude mit Stellwerk und Möblierung zeigt den Zustand bei Betriebsaufgabe im Dezember 2023. Eine Infozelle vermittelt die Themen rund um die Bahnhofsgeschichte und enthält Medienstationen mit Filmdokumentationen, die in der Betriebsphase aufgenommen wurden. Der nicht zu translozierende Treppenabgang in Walporzheim wird baulich angedeutet und mit einer Projektion versehen, die an- und abreisende Fahrgäste zeigt.

„Der Wartesaal wird im Zeitschnitt der 1950er-/1960er-Jahre gezeigt und mit Infoeinheiten ausgestattet“, so Vorwig. „Das Schieferdach wird rekonstruiert. Die Forschungen dazu laufen derzeit noch. Auf dem Gleis soll in Kommern ein historischer Schienenbus gezeigt werden, in dem die Geschichte der Fahrzeuge auf der Ahrtalbahn thematisiert werden soll. Dazu wird ein Netzwerk aufgebaut, um ein entsprechendes Fahrzeug zu erhalten.“

GS

Beim Ortstermin in Walporzheim: (von links) Raphael Thörmer, Gregor Sebastian und Dr. Carsten Vorwig. Foto: GS

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