Pfarrarchivreihe Weißenthurm
Ein Gedicht zum Richtfest
Alter Maurerspruch wieder veröffentlicht
Weißenthurm. „Lasset Meister und Gesellen/Heute ruhn die Maurerkellen ...“! Das ist kein Aufruf zum Streik, auch Feierabend ist nicht angesagt – eine Feier freilich schon: das Richtfest für die Lassaulx Kirche in Weißenthurm.
Im neuesten Heft Pfarrarchiv Weißenthurm stellt Helmut Schneider den Mauer Spruch vor, ein Gedicht zur Vollendung des Rohbaues. Gesprochen haben soll es – so 1837 die Neuwiedischen Nachrichten – der Meistergeselle. Als Verfasser zeichnet ein W. Unschuld. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Johann Wilhelm Unschuld, der war damals Pfarrer der katholischen Diaspora-Gemeinde in Neuwied. 1848 kam er dann nach Urmitz. Unschuld hat sich des Öfteren als Schriftsteller und Dichter versucht. Das 19-strophige Gedicht will mit biblischen Sinnbildern von Bauwerk und Bautätigkeit an Grundlagen der christlicher Lebensführung erinnern. Besonders hervorgehoben wird die Spendenbereitschaft der Neuwieder. Die hatten 500 Taler für den Weißenthurmer Neubau und dessen Ausstattung gesammelt. Diese Verse fehlten in der Ausgabe des Coblenzer Anzeigers, der den Maurer-Spruch zeitgleich abdruckte. Weil aber heutzutage viele Schwierigkeiten mit der alten Fraktur haben, hat Helmut Schneider den Text in moderne Schrift umgesetzt und somit allgemein leichter lesbar gemacht.
Ergänzt wird das Heft durch die Wiedergabe eine Lithografie des Architekten Johann Claudius von Lassaulx „Die neue Kirche in Weißenthurm“. Das großformatige Blatt diente der Eigenwerbung des Architekten und wurde zudem an Förderer des Kirchenbaus abgegeben. Die Feinheiten der hier abgebildeten bildhauerischen Arbeiten verdienen besondere Aufmerksamkeit. Lassaulx hatte für die Planung und Bauleitung 1836 bis 1838 auf sein Honorar verzichtet. Deshalb schenkte ihm die damals arme Gemeinde ein Ehrengrab. Es wird bis heute auf dem Alten Friedhof erhalten.
Das Heft ist im Pfarrbüro Weißenthurm, Kirchstraße 6, oder beim Verfasser erhältlich.