SPD Mendig blickt auf 100-jähriges Bestehen zurück
Ein Jahrhundert politischer Einsatz
Jubiläumsfeierlichkeiten starten mit Neujahrsempfang am 6. Januar – Ausstellung dokumentiert die Geschichte
Mendig. Noch im Kaiserreichwaren die Sozialdemokraten behördlichem Misstrauen, staatlicher Überwachung und polizeilicher Repression ausgesetzt. Dies änderte sich jedoch mit der Novemberevolution 1918 grundlegend. Die SPD stellte mit Friedrich Ebert den Reichspräsidenten und dazu in der Folge verschiedene Reichskanzler. Die Weimarer Republik war zumindest in ihrer Gründungsphase eine sozialdemokratische Republik. Dass die SPD damals schon sehr fortschrittlich war, beweist allein die Tatsache, dass bereits während der Novemberrevolution auf sozialdemokratische Initiative hin das Frauenwahlrecht festgeschrieben wurde.
Im Jahr darauf, am 1. Februar 1919, wurde in Obermendig ein SPD-Ortsverein gegründet. Der erste Vorsitzende war Georg Heuft, der Vater von Herbert und Erich Heuft. Herbert Heuft war von 1967 bis 1971 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags. Bereits vonb 1923 bis 1929 stellte die SPD in Obermendig mit dem Gastwirt Josef Zentner den Bürgermeister.
Am 1. Dezember wurde der SPD-Ortsverein Niedermendig gegründet. Leider ist hier die Überlieferung wesentlich lückenhafter. Der erste Vorsitzende war Georg Haase, der diese Funktion bis zum Verbot der SPD durch die Nationalsozialisten 1933 ausübte. Haase wurde bei der ersten Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg am 22. September 1946 zum Bürgermeister der Gemeinde Niedermendig gewählt. Er verstarb jedoch bereits im Jahr darauf, am 26. Dezember 1947.
2019 feiert der SPD-Ortsverein Mendig 100 Jahre sozialdemokratische Geschichte in Mendig. Die Jubiläumsfeierlichkeiten beginnen mit dem SPD-Neujahrsempfang am 6. Januar in der Laacher-See-Halle, wo zunächst im Rahmen eines Empfangs eine kleine Ausstellung präsentiert wird, für die Interessantes, Nachdenkenswertes und auch Kurioses aus 100 Jahren Parteigeschichte zusammengetragen wurden. Anschließend kann die Ausstellung im Haus Bell in der Heidenstockstraße in Augenschein genommen werden. Zum Empfang und zur Ausstellungseröffnung sind alle Bürger, Unternehmen, Vereine und Institutionen um 16 Uhr herzlich willkommen.
Arbeitskreis stellte Recherchen zur Geschichte an
Beim Zusammentragen entsprechender Exponate für die Ausstellung wurde klar, dass das Quellenmaterial keineswegs vollständig war. Während problemlos alle Vorstandsmitglieder und Beisitzer der vergangenen 40 Jahre auflistet werden konnten, waren ausführlichere Quellen aus der Zeit vor 1945 nicht vorhanden, da es während der Nazidiktatur eine Gefahr für Leib und Leben bedeutete, als Sozialdemokrat identifiziert zu werden. Die Zeitreise von 1919 bis heute konnte jedoch dank umfangreicher Recherchen des eigens dazu gegründeten Arbeitskreises unter der Leitung von Sven Ammel nachvollziehbar dargestellt werden.
Sozialdemokraten stellten langjährige Bürgermeister
Aus den Reihen der SPD kamen in Ober- und Niedermendig verschiedene Bürgermeister, von 1946 bis 1958 August Lanz sowie von 1958 bis 1969 Stefan Heuft in Obermendig und von 1952 bis 1965 Peter Bell sowie von 1970 bis 1999 Stadtbürgermeister Ludwig Bell. Seit dem Jahr 2009 stellt die SPD mit Hans Peter Ammel wieder den Stadtbürgermeister von Mendig.
Ammel, der selbstverständlich erneut bei der Wahl im Mai 2019 für das Amt des Stadtbürgermeisters kandidieren wird, hat seit 2009 viele Projekte in Angriff genommen, von denen einige bereits erfolgreich zum Abschluss gebracht werden konnten, wie zum Beispiel der Neubau des Kindergartens St. Nikolaus sowie der Anbau für eine vierte Gruppe im Kindergarten Zauberwald mit Gesamtkosten in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro sowie die Übernahme des Kindergartens St. Genovefa zum 1. Januar 2018, die Gründung der Stadtbücherei und das Betreiben einer Buchausleihe sowie die Aufnahme in das „Innenstadtprogramm ländliche Zentren“ Rheinland-Pfalz mit der Aufnahmeurkunde vom 16. Mai. Bis heute wurden damit 25 geförderte Maßnahmen mit einem Auftragsvolumen von über 2,5 Millionen Euro für private Modernisierungen gefördert. Im Rahmen des Innenstadtprogramms wurden auch die Erneuerung des von Reth-Platzes und der Ausbau der Heidenstockstraße umgesetzt.
Zu dem Straßenbau nach dem Straßenausbauprogramm, nach dem neun Straßen mit einem Volumen von rund vier Millionen Euro erneuert wurden, zählen die Realisierung der Baugebiete: Gartenstraße, Geschwister-Möhlig-Straße, Dammstraße sowie kleinere Arrondierungen, wie zum Beispiel im Ernteweg auf dem Grundstück von Jakob Mais oder der Park-and-Ride-Parkplatz am Bahnhof. In Sachen Sportförderung betrug allein der städtische Anteil für den Kunstrasenplatz 168.000 Euro. Hinzu kommen laufende Zuwendungen an den Sportverein Eintracht und weitere Vereine. Außerdem wurde die Instandhaltung und Optimierung des „Lava Dome“ ebenso realisiert wie seit 2010 die Erhöhung und Gewährleistung der Standsicherheit im Bergschadengebiet sowie die Begutachtung und Katalogisierung des gesamten Gebietes.
Des weiteren wurde der Ausbau von schnellem Internet mit dem RWE und der Verbandsgemeinde auf den Weg gebracht, in die Erneuerung von Fahrzeugen für den Bauhof investierte die Stadt etwa 340.000 Euro, und die Gewerbeansiedlung konnte durch Grundstücksankäufe und Weiterverkauf wie beispielsweise an die Massivhaus Mittelrhein GmbH realisiert werden.
Zu den Projekten, die derzeit weiter fortgeführt werden zählen: Der Bau eines Park-and-Ride-Parkplatzes am Bahnhof und die weitere Optimierung des Streckennetzes im öffentlichen Nahverkehr, der Ausbau des Hochwasserschutzes mit Rückhaltemöglichkeiten in Obermendig und Bell, die Erschließung weiterer Baugebiete, die Erneuerung Bauhofgelände und Hallen im Industriegebiet, der soziale Wohnungsbau mit 24 Wohnungen in der Vulkanstraße, das Fortsetzen des Straßenausbaus nach dem Straßenausbauprogramm, die Neugestaltung Hospitalplatz zur Erhöhung der Verkehrssicherheit unter Einbeziehung der St. Raphael Caritas Behindertenhilfe, die Verkehrsführung Pellenzstraße und Umgebung, der weitere Ausbau der Kindergärten und die Schaffung weiterer Kinderbetreuungsplätze. FRE
Der amtierende Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel (links) und der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Mendig, Ralf Kraut. Foto: FRE
Dieses Foto des damaligen Vorstands wurde vermutlich während einer Feier anlässlich des fünften Jahrestages der Novemberrevolution, also 1923, aufgenommen. Es zeigt (v. r.) Gottfried Ockenfels, Andreas Schneider, Johann Schmitz, Christian Mintgen, Johann Barz, Matthias Wagner, den Vorsitzenden Matthias Heuft, Fahnenträger Hein Barz, Clemens Weber, den späteren Ortsbürgermeister August Lanz, Wilhelm Ott, Peter Stein und vermutlich Adam Heuft. Foto: Archiv VG Mendig Foto: vorstufe
