Allgemeine Berichte | 21.08.2023

Seltener Schmetterling vermehrt sich wieder in Niederwerth

Ein Juwel des Mittelrheintales

Ein Segelfalter an einem Sommerflieder.  Fotos: Stefan Krumme

Niederwerth. Im Naturschutzgarten in Niederwerth hat der Segelfalter auch dieses Jahr wieder erfolgreich seine Eier abgelegt. Dieser auffallend große Schmetterling ist in Rheinland- Pfalz vom Aussterben bedroht und damit ein schützenswertes Juwel des Mittelrheintales. „Deshalb ist es eine besondere Freude, dass wir das vierte Jahr in Folge seine Raupen in unserem Naturschutzgarten finden. Dieser wunderschöne Schmetterling scheint sich in Niederwerth zu etablieren“. Auch in einer benachbarten Obstwiese haben sich wieder Raupen entwickeln können, weil man auch dort auf Insektizide verzichtet. Der Fortpflanzungserfolg beweist einmal mehr, das auch naturnah bewirtschaftete Gärten eine erhebliche Bedeutung beim Schutz bedrohter Tiere haben.

Weil die Lebensspanne des erwachsenen Schmetterlings nur wenige Wochen währt, sind es jedes Jahr neue Falter, die hier in Niederwerth eine Vermehrungsmöglichkeit erkennen. Das ist umso erstaunlicher, weil die Insel eigentlich kein typischer Lebensraum für den Segelfalter ist. Trocken heiße Steillagen mit Felsnasen, wie sie auf der Festung Ehrenbreitstein oder unterhalb von Weitersburg zu finden sind, gibt es auf der flachen Insel nicht. Den namensgebenden Segelflug des Falters kann man übrigens sehr schön auf der Aussichtsplattform der Festung Ehrenbreitsein beobachten.

Der Segelfalter legt seine Eier in Niederwerth einzeln auf den Blättern von Pfirsichbäumen ab. Deshalb wird der Baum auch durch Raupenfraß nicht wirklich in seiner Vitalität geschwächt. Die Früchte des Pfirsichs selbst bleiben von den Raupen gänzlich unberührt, da nur die Blätter gefressen werden. Auch auf den Blättern von Pflaumenbäumen haben wir dieses Jahr erstmals einzelne Raupen gefunden. Insgesamt wurden in dieser Brutsaison an 13 Obstbäumen 48 Raupen dokumentiert. Dazu kommen aktuell noch weitere Nachweise von Eiern. Ganz überraschend und deshalb umso erfreulicher ist die Feststellung, dass die eher ungünstigen Bedingungen der letzten Wochen, wie der andauernde Regen und der Temperaturabfall, nicht zum Verlust der Raupen führten. „Das war ganz entgegen der Annahme.“ Die Raupen der derzeitigen Generation werden den kommenden Winter am Boden versteckt als bewegungsunfähige Puppe überdauern und verwandeln sich erst im kommenden Frühsommer zum Schmetterling, falls sie kein Hochwasser vernichtet.

Wie der „Umbau“ von der Puppe zum Schmetterling von statten geht, ist nicht nur bei dem attraktiven Segelfalter ein wirkliches Wunder. Rein technisch gesehen käme das einem abgestellten Auto gleich, das sich von selbst in ein … Flugzeug verwandelt.

Wie das Phänomen „Segelfalter in Niederwerth“ einzuschätzen ist, haben wir Wolfgang Düring gefragt. Er ist Experte für Schmetterlinge des BUND. Er schrieb: „Der Segelfalter ist eine mediterrane Art. Er mag es besonders warm. Deshalb besiedeln Segelfalter normalerweise bei uns nur die südexponierten Hänge von Nahe, Mittelrhein und Mosel. Die Eier werden über offenem Fels bodennah abgelegt, weil es dort sehr warm wird. Im Mittelmeergebiet ist die Art schon lange dafür bekannt, dass sie auch Pfirsich-Plantagen zur Eiablage nutzen. Im Zuge des Klimawandels verändert der Segelfalter aktuell seine Lebensweise, wie man in Niederwerth sehr schön erkennen kann. In den Pfirsich-Plantagen in 2 bis 3m Höhe reicht jetzt die Wärme auch bei uns, damit sich seine Raupen wohl fühlen und optimal entwickeln können.“

Eine frisch geschlüpfte Raupe.

Eine frisch geschlüpfte Raupe.

Ein Segelfalter an einem Sommerflieder. Fotos: Stefan Krumme

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