Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Ortsgemeinde Ettringen an Bernd Schmitz und Udo Mülhausen
Ein Lebenswerk für Ettringen
Ettringen. Beide konnten ganz bequem zu Fuß kommen. Nicht nur geistig, sondern auch geographisch im Zentrum von Ettringen zu Hause, hatten sie nur einen Steinwurf zu gehen zum Gemeindehaus – und zu ihrer Ehrung.
Denn genau dort fand an einem Freitagabend Anfang März die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Bernd Schmitz und Udo Mülhausen statt – denkwürdig als die erste solche Zeremonie in der jahrhundertelangen Geschichte Ettringens. Und auch denkwürdig, weil im Gemeinderat auf Vorschlag des Ortsbürgermeisters Alexander Weber praktisch völlig diskussionslos wie eine Selbstverständlichkeit einstimmig beschlossen. Unter 80 geladenen Gästen befand sich wohl niemand, der den beiden Ettringer Urgesteinen die Auszeichnung nicht gegönnt hätte. Da war neben den Familien und vielen Freunden der fast 87jährigen auch fast der gesamte Gemeinderat des Ortes sowie die gewählte politische Leitung der Verbandsgemeinde und des Kreises: Landrat Marko Boos (dessen Vorgänger Alexander Saftig durch einen Krankenhausaufenthalt verhindert war) und der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Vordereifel, Christoph Kicherer, dessen Grußwort bewusst verzichtete auf die Aufzählung der Verdienste und stattdessen hervorhob, dass keine Gemeinschaft, erst recht keine demokratische, ohne solche Menschen auskomme, deren Offenheit, Mitmenschlichkeit, Empathie und Einsatz nicht von außen komme, sondern aus der Persönlichkeit selbst.
Konkret im Fall der beiden künftigen Ehrenbürger führte Ortsbürgermeister Alexander Weber das aus: bei Bernd Schmitz über Jahrzehnte hinweg eine unglaubliche journalistische, fotografische und filmische Begleitung aller Aktivitäten im Ort, die zugleich auch zur fast lückenlosen Dokumentation der neueren Dorfgeschichte wurde (neben Porträts von und Nachrufen auf Ettringer Persönlichkeiten in der regionalen Presse), eine organisatorisch und inhaltlich prägende Mitwirkung in verschiedenen Vereinen - und darüber hinaus ein kreatives Werk, das sich in Bildbänden, selbstgeschriebenen Liedern und Gedichten noch einmal aus einer ganz anderen Richtung um die Identitätsbildung von Ettringen, „Ohs Dorf am Husimmer“ (Titel eines Schunkelwalzers von Bernd Schmitz), verdient gemacht hat. Bei Udo Mülhausen war es die jahrzehntelange Arbeit in der Kommunalpolitik, mit dem Schwerpunkt der 20jährigen Tätigkeit als Ortsbürgermeister, in der das Dorf durch umfangreiche Neubaugebiete zum größten in der Verbandsgemeinde wurde, bei gleichzeitiger Initiierung wichtiger Projekte wie der Kletterlay und der Mehrzweckhalle – und das alles bei „nachhaltiger Entschuldung der Gemeinde“.
Bernd Schmitz bewies seine kreative sprachliche Ader damit, dass er einen Großteil seiner Dankesrede gereimt und teils im gereimten Dialekt verfasst hatte. Und Udo Mülhausen wies in seinen Ausführungen darauf hin, eine solche Auszeichnung verpflichte dann auch, etwa zu einem vorbildlichen Lebenswandel – einer Verpflichtung allerdings, deren Einhaltung, wie Mülhausen gleich selbst einräumte, beiden Geehrten angesichts ihres fortgeschrittenen Alters kaum noch Schwierigkeiten bereiten dürfte.
Trotz vieler vorheriger Ehrungen und Auszeichnungen der beiden auf verschiedenen Ebenen hatte ein Redner nebenbei erwähnt, dass die Geehrten es sicher nicht allen immer rechtgemacht hatten. Und tatsächlich berichten beide Ausgezeichneten im persönlichen Gespräch, auch von Unverständnis. Der Bernd habe doch an seinen Artikeln gut verdient, und der Udo habe, ins Amt gewählt, doch nur seine Pflicht getan. Wer sich mit den beiden Tätigkeiten auskennt, weiß allerdings, dass dem Journalistenhonorar zunächst lange Stunden der Anwesenheit und konzentrierten Aufmerksamkeit gegenüberstehen, genau dann, wenn andere ausgelassen feiern, und dann zu Hause an Schreibmaschine, PC, Schneidetisch oder was auch immer weitere einsame Stunden bis zur Fertigstellung und Übermittlung des veröffentlichungsreifen Ergebnisses. Und die heutigen Kommunalpolitiker können durchaus ein Lied davon singen, was alles an Geschick, Zähigkeit, Wegstecken von Enttäuschungen und Undankbarkeit zunächst einmal hinter fast jeder Maßnahme steht, die letztlich dem Dorf zugutekommt.
Nach Verleihung der Urkunden durch den Bürgermeister, minutenlangem stehenden Beifall von allen Anwesenden und der Eintragung der Geehrten ins Goldene Buch der Ortsgemeinde ergriff Friedo Dahm noch spontan das Wort und schloss die Veranstaltung mit launigen Anekdoten und Wortspielen und ließ so alles ausklingen in echtem Ettringer Stil – mit Humor.
ML
