Allgemeine Berichte | 11.04.2018, 10:57 Uhr

Erzählcafé „Rödder Treff“ in Villiprott

Ein Original wird zum Thema gemacht

Im Erzählcafé nutzte Brigitte Kühlwetter die Gelegenheit, ein noch handgeschriebenes Kochbuch ihrer Schwiegermutter beizusteuern, in dem manches, heute selten gewordenes Gericht zu finden ist.CEW
105

Durch einen mehr als unglücklichen Fehler bei der Datenübernahme stand im „BLICK aktuell“ in der Ausgabe vom 14. April 2018 ein falscher Name in der Textbox auf der Titelseite sowie im Artikel zum Erzählcafé Villiprott. Wir entschuldigen uns in aller Form für diesen sehr bedauerlichen Fauxpas und veröffentlichen diese Woche noch einmal den Artikel mit dem richtigen Namen.

Wachtberg-Villiprott. Am zweiten Dienstag im April fanden sich im „Rödder Treff“ in Villiprott wieder einige Wissensträger aus dem kleinen Ort am Rande des Kottenforstes zum Erzählcafé zusammen. Erst seit zweieinhalb Jahren können sich hier Jung und Alt, Einheimische und einheimisch Gewordene sowie zugezogene Bürger treffen und sich austauschen. Der Verein „Dorfgemeinschaft Villiprott“ hatte den „Rödder Treff“ nach einem Beschluss im Jahr 2014 angemietet und ein knappes Jahr lang mit viel Eigenleistung und Initiative vieler helfender Hände saniert und renoviert. Seit etwa einem Jahr treffen sich hier regelmäßig im Zweimonatstakt Menschen, die viele Erfahrungen austauschen möchten und interessante Einblicke in die Geschichte und manche Entwicklung im Dorf bieten. Entstanden sind die Treffen aus dem Seniorencafé in Villip, das sich mit der neuen Organisation unter dem Heimatverein

Villip ein neues Gesicht gegeben hat. Bei allen vom Vorsitzenden des Vereins, Ulf Hausmanns, moderierten Erzählcafés gibt es nicht nur die Gelegenheit, sich zu treffen und gemeinsam Kaffee und Kuchen zu genießen. Jedes Mal gibt es ein Grundthema, zu dem Informationen, Erfahrungen und manches Anekdötchen zusammengetragen werden. Diesmal lag die Aufmerksamkeit auf einem Villiprotter Original, das in einer Zeit ins Drachenfelser Ländchen kam, an das viele mit gemischten Gefühlen zurückdenken. Mit den Bestrebungen Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, möglichst viele ausgewanderte deutschstämmige Familien zurück nach Deutschland zu holen, wurden Tausende Menschen und ganze Familienverbände umgesiedelt, die teilweise schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten in ganz anderen Gebieten Europas lebten. So fand der Musiker Rosenblüh aus dem Alpenland eine neue Heimat in Wachtberg. In der neuen Umgebung wurde ein Eisenbahnwaggon sein neues Zuhause, was damals recht verschiedene Reaktionen hervorrief. Mit schwerem Gerät wurde die ungewöhnliche Behausung an einen Hohlweg zwischen die eigentlichen Ortskerne von Villip und Villiprott transportiert und so umgebaut, dass drei Zimmer entstanden. Dass diese ungewöhnliche Wohnung manche ungewöhnliche Eigenheit hatte, ist nicht von der Hand zu weisen. Für den Winter war ein Ofen eingebaut worden, mit dem der Waggon beheizt werden konnte. Es sei immer sehr warm gewesen, erinnerten sich die Anwesenden, die die Gelegenheit hatten, den Waggon von innen kennenzulernen.Für manches befreundete Kind der Familie Rosenblüh war dieser Platz ein Rückzugsort. Eines hatte sogar dort einen Schulterschluss gefunden, als es verbotenerweise im Winter auf dem Eis des Mühlteichs gerutscht und eingebrochen war. Glücklicherweise war es nicht unter der Eisfläche ertrunken, aber nichtsdestotrotz klatschnass. Um das Unglück vor den Eltern zu verbergen, bekam das Mädchen im Eisenbahnwaggon der Rosenblühs Schützenhilfe. Die nasse Kleidung wurde über dem Ofen getrocknet, wenig später konnte das Kind nach Hause gehen, als sei nichts geschehen. Aber nicht nur diese Geschichten und Anekdötchen wurden im „Rödder Treff“ in der Dorfstraße 24 ausgetauscht.

Auch ungewöhnliche Hobbys waren Thema im Erzählcafé. Aus dem Saarland kam eine 91-jährige Frau. Sie berichtete von ihren Erfahrungen in einer Hallensportart, die hierzulande kaum jemand kennt. Radpolo heißt das Spiel, in dem sie vor vielen Jahren zusammen im Zweierteam im Saarland Landesmeisterin wurde. Der Sport wird ausschließlich in der Halle auf Rädern ausgeübt, die weder über eine Bremse noch über einen Rücktritt verfügten. Gespielt wurde - wie beim Polo mit Pferden - mit einem Schläger, der den Ball ins gegnerische Areal befördern sollte. Vor rund 21 Jahren hatte es die Seniorin mit seinerzeit 70 Lenzen ins Drachenfelser Ländchen verschlagen. Mangels passenden Radpolopartnern suchte sie sich hier eine andere Sportart, in der sie aktiv sein konnte, und wurde Wanderführerin. Verschiedene Wanderungen in der Woche sowie Wochenendwanderungen bis zu 15 Kilometern hatte sie angeboten und so Wanderern aus Bonn und Bad Godesberg die Schönheiten Wachtbergs gezeigt. Brigitte Kühlwetter nutzte die Gelegenheit, im Erzählcafé ein handgeschriebenes Kochbuch ihrer Schwiegermutter beizusteuern. Das lesenswerte Buch wurde gestiftet und wird im Museum des Heimatvereins künftig zu sehen sein. Diese und viele andere Geschichten, Erfahrungen und Anekdoten bereicherten den Nachmittag beim Erzählcafé, dessen nächstes Villiprotter Treffen im Juni stattfinden wird.

Im Erzählcafé nutzte Brigitte Kühlwetter die Gelegenheit, ein noch handgeschriebenes Kochbuch ihrer Schwiegermutter beizusteuern, in dem manches, heute selten gewordenes Gericht zu finden ist.Foto: CEW

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Image Anzeige
Image
Imageanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0605#
Empfohlene Artikel
Foto: B. Risse / Kreisverwaltung Ahrweiler
261

Sinzig. Landrätin Cornelia Weigand hat am Montag die Baugenehmigung für das neue Lebenshilfehaus in Sinzig übergeben. Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler e. V. plant den Neubau an der Ecke Münzgasse/Renngasse in Sinzig. Die Übergabe fand im sanierten alten Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße statt. Zu den Teilnehmern gehörten Bürgermeister Andreas Geron, Ortsvorsteher Reiner Friedsam und der frühere Sinziger Bürgermeister Norbert Hesch.

Weiterlesen

Gülser Forum
27

Mehr als 200 Menschen kamen zum Güls Forum in die Schulsporthalle. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die Güls seit Jahren beschäftigt und in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat: Wie soll sich die Nahversorgung im Ort künftig entwickeln – und was bedeuten die Planungen am Moselbogen für den heutigen Ortskern?

Weiterlesen

Blick auf das Freigelände der neuen Kita bei der Einweihungsfeier.
62

„Als Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft machen wir ganz Vieles: Straße, Brücken, Parkanlagen … aber am liebsten machen wir Kitas. Das sagte Geschäftsführer Herbert Wiemer bei der Einweihung der neuen Kita Blandine Merten in Bad Neuenahr.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild
1052

Koblenz. Am Vormittag gegen 11:00 Uhr wurde der Integrierten Leitstelle Koblenz eine Rauchentwicklung in der Chlodwigstraße in der südlichen Vorstadt gemeldet. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte bestätigte sich die Meldung: In einer Dachgeschosswohnung des Gebäudes war ein Feuer ausgebrochen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
1509

An mehreren Stellen steht diese und nächste Woche ein Blitzer

In Bad Neuenahr-Ahrweiler wird geblitzt

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler plant zur Erhöhung der Verkehrssicherheit Geschwindigkeitskontrollen an verschiedenen Standorten. In der Kalenderwoche 44 sind Messungen in der Schützenstraße im Stadtteil Ahrweiler sowie in der Sinziger Straße im Stadtteil Lohrsdorf vorgesehen.

Weiterlesen