Allgemeine Berichte | 15.03.2016

Acht „Stolpersteine“ für die jüdische Familie Koppel

Ein Stein – ein Name – ein Mensch

Ein Projekt der Realschule plus und Fachoberschule Kobern-Gondorf gegen das Vergessen

Blutrote Rosen legten die Schüler und Schülerinnen auf die Steine, die an den zuletzt „selbstgewählten“ Wohnort der Juden in das Pflaster eingebarbeitet wurden. EP

Kobern-Gondorf. Über den Fährplatz wehte ein eiskalter Wind und ließ die versammelten Menschen frösteln. Gänsehaut erzeugte auch das, was an diesem Morgen dort geschah: Die Verlegung von „Stolpersteinen“, um die Erinnerung an die schrecklichen, unmenschlichen Ereignisse während der Naziherrschaft nicht vergessen zu lassen. Es sind Schüler und Schülerinnen der Realschule plus und Fachoberschule Untermosel, die sich in diesem Schuljahr den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts widmen. Seit 2014 informieren sie sich als „Kulturforscher“ über deutsche Geschichte. Das Programm „Kulturforscher“ ist eine bundesweite Initiative (www.kultur-forscher.de), bei der Kinder- und Jugendliche auf eine Entdeckungsreise gehen, die Geschichte spannend macht. „Krieg und Frieden – Leben in einer bewegten Zeit“ ist das Motto, unter dem Schüler der Klassen 9c, 10 a/b und 12a/b im Rahmen des Programms „Kulturforscher“ sich mit dem traurigen Schicksal der jüdischen Familie Koppel aus Kobern-Gondorf auseinandersetzten. Angeleitet von ihrer Lehrerin Anette Schröter, recherchierten sie nicht nur vom Schreibtisch aus, sondern auch außerhalb der Schule, führten viele Gespräche, besuchten das Landesarchiv, Museen und den jüdischen Friedhof, sprachen mit Zeitzeugen. Am Ende wussten sie: „Wir lassen mit den Stolpersteinen ein Vergessen nicht zu!“ und sie baten den Künstler Gunter Demnig aus Köln (www.stolpersteine.eu) um die Herstellung und Verlegung der Steine. „Ein Stein – ein Name – ein Mensch“, auf Gedenktafeln aus Messing lässt Gunter Demnig seit dem Jahr 2000 Gedenksteine in das Trottoir dort ein, wo Juden zuletzt „selbstgewählt“ gelebt haben und erinnert damit europaweit an die Opfer der NS-Zeit. Inzwischen liegen sie in 1099 Orten Deutschlands und 20 europäischen Ländern. „Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Zitat aus der jüdischen Schrift Talmud). Mit den Steinen wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort wohnten. Jetzt gibt es auch in Kobern-Gondorf diese Steine des Nichtvergessens. Schweigend, in sich gekehrt, mit bedachten Bewegungen bearbeitete Gunter Demnig das Pflaster, in dem die Erinnerungssteine ihren Platz finden sollten. Währenddessen begrüßte Anette Schröter die Versammelten, unter ihnen der Schulleiter Dieter Möntenich, Lehrer, Schüler und Zeitzeugen, Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld, sowie Ortsbürgermeister Michael Dötsch. „Die Schüler und Schülerinnen haben sich die Frage nach dem Nationalsozialismus gestellt und waren sehr oft betroffen. Auch die Frage nach dem warum, gestern und heute die Menschen zu solchem Unrecht fähig sind“, erklärte Frau Schröter. Als wichtige Aktion in der heutigen Zeit, wo Menschen die in Bedrängnis sind Hilfe brauchen, bezeichnete Schulleiter Dieter Möntenich das Engagement seiner Schüler. Ortsbürgermeister Michael Dötsch bedankte sich bei ihnen für das Projekt und wünschte: „Dass uns die Stolpersteine zur Achtsamkeit bringen, Achtsamkeit die Erinnerung wach zu halten, zu pflegen und die Erfahrungen sowie das Wissen aus der NS-Zeit weiter zu geben.“ Er zitierte den französischen Philosophen Gabriel Marcel: „Weil die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorn.“ Ergreifend war die Erinnerung an die acht Mitglieder der Familie Koppel, deren Leben und Tod von den Schülern vorgetragen wurde. In Kobern bestand seit dem 16. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Zeugnis darüber geben heute noch die Synagoge in der Lenningstraße, das Bethaus in der Peterstraße, und der jüdische Friedhof am Ortsausgang in der Obermarkstraße. In den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts lebten die Familien Koppel, Wolff und Grünewald in Kobern. Zeitzeugen berichten über einen guten Kontakt zu den jüdischen Mitbürgern. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, traf sie wirtschaftlicher Boykott, Repressalien und Enteignung. Nur wenigen gelang es, zu flüchten. Im Jahr 1942 wurden die Koberner Juden deportiert und ermordet. „Mit der Verlegung von zunächst acht „Stolpersteinen“ für die Familie Koppel vor ihrem Wohn- und Geschäftshaus, wollen wir an ihren letzten gemeinsamen Wohnort in Frieden erinnern.“ Nach diesen Worten schwangen die Töne des jüdischen Friedensliedes „O se Shalom“ über den Fährplatz, gespielt von den Schülern. Liebevoll, mit behutsamen Gesten befreite Gunter Demnig die gelegten Steine vom Schmutz, dann legten Schüler und Schülerinnen blutrote Rosen darauf. Mit dem schweren Rucksack der Erinnerung verließen die jungen Menschen den Platz und gingen zurück zur Schule. Nun haben die Steine die Aufgabe, gerade die jüngere und nachfolgende Generation zu mahnen, sich zu erinnern und aus den Erfahrungen der NS-Zeit zu lernen. „Gedenken – das heißt, sich erinnern. Das heißt, unsere Gedanken so auf die Toten und ihr Schicksal zu richten, dass ihr Schicksal, ihr Leiden und Sterben, in unser Inneres, in unser Bewusstsein eingeht, und damit auf unser Tun und Unterlassen einwirkt.“ (Dr. Hans-Jochen Vogel)  

Auf den Stolpersteinen in den Händen der Schüler (mit Projektleiterin Anette Schröter) sind Gedenktafeln aus Messing befestigt, auf denen die Namen der ermordeten Juden zu lesen sind.

Auf den Stolpersteinen in den Händen der Schüler (mit Projektleiterin Anette Schröter) sind Gedenktafeln aus Messing befestigt, auf denen die Namen der ermordeten Juden zu lesen sind.

Ein Stein – ein Name – ein Mensch, schweigend und mit bedachten Bewegungen bearbeitete Gunter Demnig das Pflaster, indem die Erinnerungssteine ihren Platz fanden.

Ein Stein – ein Name – ein Mensch, schweigend und mit bedachten Bewegungen bearbeitete Gunter Demnig das Pflaster, indem die Erinnerungssteine ihren Platz fanden.

Blutrote Rosen legten die Schüler und Schülerinnen auf die Steine, die an den zuletzt „selbstgewählten“ Wohnort der Juden in das Pflaster eingebarbeitet wurden. Fotos: EP

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