Interkulturelle Woche beim Kontaktkreis Flüchtlinge in Unkel
Ein großes Herz mit Deutschlandflaggen
Ausstellung der Bilderserien unter der Thematik „Heimat“ und „Deutschland“
Unkel. Mit dem afghanischen Film „Drachenläufer“ eröffnete der Kontaktkreis Flüchtlinge seine Aktivitäten zur bundesweiten Interkulturellen Woche. Die Verfilmung des Romans von Khaled Hosseini zeigt in eindringlichen Bildern die Auswirkungen von Gewalt und Terror auf das Leben der Menschen - erzählt aus der Sicht eines kleinen Jungen. Welche Gefahren und Ursachen Menschen aus Afghanistan auch in diesen Tagen noch zur Flucht bewegen, verdeutlichte die gebürtige Afghanin Nazifa Fazili in Ihrer Einführung in den Film. Bilder anderer Art entstanden bei zwei Kreativ-Nachmittagen für einheimische und geflüchtete Kinder und Erwachsene im Frauencafé im Pfarrheim St. Maria Magdalena in Rheinbreitbach und im Pfarrheim St. Pantaleon in Unkel. „Heimat“ und „Deutschland“ waren die Themen, zu denen Bilder entstehen sollten. Positiv überrascht zeigten sich die Organisatoren über die große Anzahl an Menschen, die gemeinsam zeichneten, malten und miteinander über die zum Teil bewegenden Bilder und Erfahrungen sprachen. Die neue Heimat: Die Ampel steht für Regeln, die Uhr für Verlässlichkeit. Heimat: Kindheit, Landschaften, Orte, Bauwerke, wichtige Menschen, ruhige Idyllen. Das malten die Einheimischen, das malten teilweise auch die Kinder der Geflüchteten. Die Erinnerungen ihrer Eltern an die Heimat vor ihrer Flucht sahen anders aus: Die feine Zeichnung eines Syrers zeigte tote Menschen, rote Rinnsale. „Blut überall“ hieß das Bild. Eine Frau aus Syrien malte eine Erschießungsszene. Und als Kontrast dazu Siebengebirge, Rhein und das Haus, in dem sie jetzt lebt. „Danke Deutschland – danke Merkel“ steht groß darauf. Vor allem die Kinder sehen ihre neue Heimat am Rhein in freundlichen Farben. Ein elfjähriges Mädchen malt mit zarten Farben eine Blume, die sich der Sonne entgegenstreckt. Das Bild heißt: „Ich lebe!“. Ihre Schwester malt eine Ampel, Symbol für das neue Zuhause. „Es gibt in Deutschland viele Regeln, aber das gefällt mir“, erklärt sie. Eine Frau hat in eine Uhr das Wort „Pünktlichkeit“ gesetzt, der Name der Zeichnung: „Zeit ist Geld“. Erst habe sie sich daran gewöhnen müssen, aber nun finde sie es gut, dass es Termine gebe, die von beiden Seiten eingehalten werden, erklärt sie. „Das gibt mir das Gefühl von Verlässlichkeit“. Eine Afghanin malt viele deutsche Flaggen und ein großes Herz: „Das soll zeigen, wie dankbar ich bin, hier zu sein und wie sehr ich das Land liebe“. Alle Bilder wurden am Folgetag beim Willkommenscafe des Pfarrheims in Form eines großen Wandbilds ausgestellt. Die zahlreichen Besucher konnten Punkte an die Bilder kleben, die sie am meisten berührt hatten. „Das war eine schöne Rückmeldung für die Künstler und eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen“, so die Initiatorinnen des Kreativprojekts, Doris Heß, Monika Becker, Anja Rihm und Sibylle Meyer, die das Wandbild auch an anderen Orten ausstellen wollen. Einig war sich das Koordinationsteam des Kontaktkreises Flüchtlinge in seinem Fazit der Interkulturellen Woche: „Die Aktivitäten haben sich gelohnt.“ Jedes Jahr macht Deutschland in der interkulturellen Woche gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für eine offene, tolerante multikulturelle Gesellschaft mobil. Die Thematik ist angesichts der vielen Menschen aus Bürgerkriegs- und Krisengebieten, die im letzten Jahr Zuflucht in Deutschland gefunden haben, überaus aktuell. Für den Kontaktkreis Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Unkel, einem Zusammenschluss engagierter Menschen, die Geflüchtete in vielfältiger Weise unterstützen, war es deshalb ein Anliegen, sich in dieser Woche mit eigenen Aktivitäten zu beteiligen.
Die zweite Bildercollage stand unter dem Thema „Heimat“.
