Aufführung des „Elias-Oratoriums“ in der katholischen Pfarrkirche St. Martin
Ein triumphaler Erfolg
Bad Ems. Zwei Stunden voller Dramatik in einer vollbesetzten Kirche. Mit Felix Mendelssohns Oratorium „Elias“ kam in der St. Martinskirche ein Werk zur Aufführung, dessen Handlung extrem turbulent ist und unterschiedlichste Stimmungen und Bewusstseinszustände zum Ausdruck brachte.
Der „Elias“ ist ein Chor-Oratorium vorrangig auf Worte des Alten Testaments und beschreibt die Geschichte des biblischen Propheten. Von 42 Nummern sind allein 22 Chorsätze. Das Werk ist zweiteilig angelegt und basiert jeweils auf drei wundergleichen Episoden aus dem Leben des Propheten: So zeigt der 1. Teil ein von Dürre geplagtes Land. Elias hat die Macht, den Sohn einer Witwe vom Tode auferstehen zu lassen, ein „Wunder der Erweckung“. Im 2. Teil werden Folgeereignisse gezeichnet:
Die Auseinandersetzung des Elias mit König Ahab und Königin Isebel im Angesicht einer massiven Bedrohung seines Lebens; seine Flucht in die Wildnis und sein Gang zum Berge Horeb mit der Gotteserscheinung, die ihm neue Kraft gibt für seine missionarische Tätigkeit.
Am Ende steht die „Himmelfahrt“ des Elias. Unter der Leitung von Lutz Brenner gelang es dem St. Martins-Chor und den Mitgliedern des „Heidelberger Kantatenorchesters“ sowie den hervorragenden Solisten Franziska Bobe, Sopranistin (Stuttgart), Cornelia Rosenthal, Alt (Leipzig), Markus Schäfer, Tenor (Hannover) und Thomas Berau, Bass (Mannheim) eine aufregende Darbietung zum Höhepunkt der Feierlichkeiten „60 Jahre St. Martins-Chor Bad Ems“.
Brenner hebt den Taktstock, die Bläser setzen an: „so wahr der Herr, der Gott Israels lebet, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen“ Der Bass Thomas Berau erfüllte den Part des Elias auf glänzende Weise. Elias ist eine Lichtgestalt, die auch blutrünstige, spöttische und rachsüchtige Züge in sich trägt. Unversehens verwandelt sich der Chor und die „ehemaligen Sängerinnen und Sänger) in das Volk Israel. In die Ouvertüre hinein fährt ihr „Hilf, Herr!“.
Da hilft auch kein Beten, denn „da ist niemand, der sie tröste.“ der Solo-Tenor Markus Schäfer spielt einen zweiten Propheten, Obadjah genannt. Er wendet sich direkt zur Menge und mahnt: „Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider!“ Die Sopranistin Franziska Bobe sang die Arie „Was hast Du mir angetan“ die Witwe, die um das Leben ihres Sohnes fleht, sehr ergreifend.
Die Altistin Cornelia Rosenthal, verkörperte mit wunderbarer Stimme die Gestalt als Königin und Engel. Der Konflikt zwischen Elias und den Priestern des Baal entwickelte sich in der Kirche beständig bedrohlicher werdend. Dann die Konfrontation: Elias gegen die Propheten Baals.
Die Unerbittlichkeit des Elias, sein Hohn („Rufet lauter“), die wachsende Verzweiflung seiner Gegner („Gib uns Antwort, Baal“) und deren Vernichtung wurden von den Interpreten in ihrer ganzen von Flammen durchzogenen, brutalen Intensität vermittelt. Im zweiten Teil wird Elias von Angst und Zweifel ergriffen. Einer dieser Engel tritt hervor und fordert Elias auf, zum Berg Horeb zu gehen. Noch ist der Prophet skeptisch. In einem Rezitativ klagt er nun nicht länger das Volk oder die Könige, sondern Gott selbst an.
Doch abermals sucht ihn die Engelsschar mit einer Arie, einem Chor und einem Rezitativ zu bestärken. Erlösend wie stürmisch begann der Chor „Der Herr ging vorüber“, dessen aufbrausende Bewegtheit die Sängerinnen und Sänger unter Brenner beinahe physisch erlebbar machten. Ein mitreißendes Oratorium, das wie im Fluge verging.
Minutenlang dauerte der Schlussapplaus für den Dirigenten, den Chor, die Solisten und das Orchester.
