Eierkibben in Winningen
Ein uralter Brauch
Am Ostersonntag, 5. April 2026 am historischen Weinhof
Winningen. Das Eierkibben am Ostersonntag ist ein uralter Winninger Brauch. Bei dem Versuch jedoch, das Wann, Wie und Warum seiner Entstehung näher zu erforschen, gelangt man bald zu der Erkenntnis, dass die überaus spärlichen Informationen hierüber eine genaue Bestimmung nicht zulassen.
Man geht davon aus, dass sich das Eierkibben vor ca. 175 Jahren in Winningen etabliert hat. Ort des Geschehens war damals die heutige Osterstraße, die dieser Tatsache nach weitläufiger Auffassung ihren Namen verdankt. Hier traf sich die Bevölkerung nach dem Ostergottesdienst, um diesem bald Tradition gewordenen Brauch zu frönen. Später verlagerte sich der Ort des Eierkibbens dann in die Fährstraße, wo sich das ostersonntägliche Treiben fortan vor dem Haus des den älteren Winningern noch bestens bekannten Eierhändlers „Eier-Fritz“ abspielte. Nach dem 2. Weltkrieg kam der Brauch zum Erliegen, wurde jedoch bald wiederentdeckt und zunächst in diversen Winninger Gasthäusern in kleineren Kreisen wiederbelebt, bevor sich der damalige Fremdenverkehrsverein 1970 entschloss, der Sache wieder einen öffentlichen Rahmen zu geben. Seither findet das Eierkibben in seiner jetzigen Form alljährlich am Ostersonntag im Weinhof statt.
Die Regeln des Eierkibbens
Zum Eierkibben gehören jeweils zwei Kontrahenten, jeder mit einem Ei. Zunächst werden die Eier mit den Spitzen gegeneinander geschlagen, dann mit den stumpfen Enden (im Fachjargon als als Ärsche - im Winninger Platt „Öersch“ - bezeichnet). Wer das Ei den Kontrahenten an beiden Enden eingedellt hat, gewinnt selbiges. Zertrümmert man hingegen zum Beispiel nur die Spitze des generischen Eies, hat mit dem stumpfen Ende jedoch selbst das Nachsehen, so endet der Schlagabtausch als Unentschieden. Jeder behält sein halb demoliertes Eiund sucht sich einen Kontrahenten, dessen Ei dasselbe Schicksal erlitten hat. Dies geschieht durch den Ruf: „Ber hät en Schbetz?“ beziehungsweise „Ber hät en Öersch?“ Hat man diesen Kontrahenten gefunden, werden die Eier mit den noch heilgebliebenden Enden gegeneinander geschlagen beziehungsweise „gekibbt“ (von Winninger Platt „kebbe“ - schlagen). Der Sieger gewinnt das Ei des Unterlegenen. Und noch ein wichtiger Hinweis: Rohe Eier sind für den Einsatz beim Eierkibben denkbar ungeeignet. Stopf- und Nesteier sind selbstverständlich verboten.
