Werbegemeinschaft aus Bad Neuenahr-Ahrweiler traf sich erstmals nach der Hochwasserkatastrophe

Eine Containermeile für den Einzelhandel?

Wiederaufbau der Infrastruktur als Grundelement für eine Reaktivierung des Einzelhandels

10.08.2021 - 09:19

Bad Neuenahr. Erstmals nach dem katastrophalen Hochwasser vom 14. und 15. Juli kamen die Einzelhändler aus Bad Neuenahr-Ahrweiler zu einer gemeinsamen Sitzung im Ratssaal des Rathauses zusammen. Für den Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Volker Danko, war dies keine leichte Aufgabe. „Viele Unternehmer der Stadt sind von der Zerstörung betroffen,“ sagte er zu den etwa 50 Einzelhändlern, die zur Versammlung kamen. „Jetzt stellt sich für jeden die Frage: Lassen wir unsere Stadt liegen oder gestalten wir eine gemeinsame Zukunft?“, so Danko. Wie die Zukunft aussehen kann, scheint ungewiss. Auch, ob der Durchhaltewillen bei jedem Einzelhändler gegeben ist, bleibt zur Zeit unklar. So berichtete einer der anwesenden Einzelhändler, dass höchstens 60 bis 70 Prozent der Unternehmer in der Stadt bleiben würden, um weiterzumachen. Die Zukunftsperspektive sei genauso unsicher wie die Versorgungslage mit Strom und Gas in den nächsten Wochen . Über den aktuellen Stand der Wiederherstellung des Stromnetzes berichtete Vorstandsmitglied Dominik Neswadba, der gleichzeitig Chef der Ahrtalwerke ist. Die Reparaturen dauern zur Zeit an, man bemühe sich mit Hochdruck und rund 100 Mitarbeitern und Helfern aus anderen Städten und Kommunen um einen Wiederanschluss aller Haushalte an das Stromnetz. Neswadba gehe davon aus, dass es noch zwei bis drei Wochen dauern wird, bis das Netz wieder flächendeckend funktioniere. Im Moment seien etwa 65 bis 75 Prozent der Stadt mit Strom versorgt. Problematisch für den weiteren Anschluss sei der katastrophalen Flurschaden, den das Wasser zurückgelassen hat. Die Stromleitungen seien nicht nur kaputt, sondern teilweise komplett fortgespült. Nun gelte es, ein praktisch ganz neues Stromnetz zu errichten.


„Wasser und Strom vertragen sich nicht“


Erschwerend käme hinzu, dass jedes Haus einzeln geprüft werden müsse. Die Leitungen müssen intakt sein, bevor der Strom wieder angeschaltet werde. Sonst laufe man Gefahr, Menschenleben zu riskieren. „Wasser und Strom vertragen sich nicht“, sagt er.

Außerdem dauere der Wiederanschluss an manchen Orten länger als üblich. Neswadba äußerte die Bitte, den Prüfern den Zugang zu den Häusern zu ermöglichen. Sonst werde der Anschluss ans Netz unnötig erschwert. „Wenn Sie selber nicht zu Hause sind, geben Sie bitte ihren Hausschlüssel ihren Nachbarn oder anderen vertrauensvollen Personen“, sagt er. Funktioniere die Prüfung nicht, könnte sich der erwähnte Zeitplan verzögern. Positiv sei die Reaktivierung der Fernwärmeversorgung zu werten. Schon drei nach der Flut war eine Versorgung der angeschlossenen Haushalte wieder möglich.

Anders sieht es beim Gas aus. Das Netz trug ebenfalls massive Schäden davon. Komplette Leitungen müssen neu gelegt werden und das dauere. In der Verantwortung stehe hier die evm, die die Betreibergesellschaft des Gasnetzes ist, dass sich jedoch im Besitz der Ahrtal-Werke befindet. Neswadba bekräftigte, dass an allen Fronten mit Hochdruck und bis zur Erschöpfung gearbeitet werde.


Brücken haben Priorität


Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Brücken im Stadtgebiet, die „beim Bürgermeister ganz oben auf der Prioritätenliste stehen“, wie Volker Danko sagt. „Die Brücken und Straßen sind die Adern der Stand und an der Wiederherstellung wird mit Hochdruck gearbeitet“, fügt der 1. Vorsitzende hinzu. Neben der durch das THW bereits errichteten Brücke an der Landgrafenbrücke stehen als nächstes Projekt ein Querung an der ehemaligen Ahrtorbrücke auf der Agenda. Von der Stadt wünschen sich manche Gewerbetreibenden mehr als reine Prioritätenlisten. In der durchaus hitzigen Diskussion wurde verdeutlicht, dass mancher Einzelhändler seitens der Stadt konkrete Hilfsangebote vermisse. So lautete eine Idee, Geschäfte und Wohnhäuser mit Gas aus entsprechenden Tanks zu versorgen, bevor man sich jetzt „kaputtwarte“ bis das Gasnetz wieder funktioniere. Auch wünsche man sich, dass die Stadt als Vermittler zwischen Eigentümer und Pächter bzw. Mietern auftrete um die Einzelhändler finanziell zu entlasten. Auch das Thema Soforthilfen waren Thema. So habe mancher Händler „noch keinen Cent gesehen“. Man wünsche sich nun einen „Einzelhandels-Kümmerer“, der sich um die Belange der Geschäftstreibenden sorge. Im Prinzip sei damit eine Art City-Manager gemeint, der von Bund oder Land gestellt werde und vor Ort als Ansprechpartner auf kurzem Dienstweg präsent sei.

Je nach Betroffenheit und Schadensausmaß herrscht in den Reihen der Unternehmer die Ansicht, frühestens im November wieder die Läden öffnen zu können, manche rechnen mit einer Wiederaufnahme des Betriebs erst im Frühling 2022. Die grundsätzliche Situation variiere jedoch beständig. So rechnet Jörg Schäfer von Rewe damit, bereits Ende September oder Anfang Oktober mit einem reduzierten Sortiment an den Start gehen zu können. Das komplette Gegenteil stelle sich bei der Edeka-Filiale von Timo Boden dar, wie Schäfer erklärt. Der Supermarkt wurde sehr stark beschädigt und mit einer Wiedereröffnung sei vor 2022 sicher nicht zu rechnen.


Container-Meile als Übergangslösung


Um die Zukunft der Einkaufsstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zu sichern gibt es seitens der Werbegemeinschaft verschiedene Ansätze. So sei laut Danko eine Reaktivierung der Ahrtal-Schau eine Idee. Dies wurde bereits bei einer vorausgegangen Sitzung zwischen Vertretern der Werbegemeinschaft, der Stadt sowie der Gastronomie und der Hotellerie deutlich. Auf vergleichsweise hohen Zuspruch stieß der Gedanke, die Einzelhändler in Containern unterzubringen um eine Einkaufsmeile zu schaffen. Diese Meile könnte sich beispielsweise vom Moses-Parkplatz bis zur Filiale der Volksbank ziehen. Volker Danko und der 2. Vorsitzende Patrick Küpper betonten indes, dass es sich hierbei um eine reine Idee haltet. Küpper führte aus, dass bei einer Online-Umfrage unter den Einzelhändlern eine 50-prozentige Zustimmung zur Containerlösung zu verzeichnen sei, wies jedoch gleichzeitig auf die geringe Beteiligung bei der Umfrage hin. Diese sei jedoch verständlich, da „die Menschen zur Zeit auch andere wichtige Dinge zu tun haben.“ Trotzdem sei es richtig, schon jetzt potenzielle Lösungen anzubieten. „Wir müssen den Menschen ein Zeichen geben, dass es weiter geht“, so Küpper und Danko. ROB

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11.08.2021 16:29 Uhr
Greti Schryvers

Gute Idee, Container aufzustellen, damit die Betroffenen einfacher einkaufen können. Die meisten haben kein Auto, vor allen Dingen wäre das eine Lösung für älteren Menschen, vor Ort einzukaufen.
Ich wünsche allen Betroffenen ein Stück Normalität.



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