Trümmerdenkmal enthüllt
Eine Odyssee über 12 Jahre ist zu Ende
Engers. Am 1. Januar 1945 wurde der Lastkahn "Kunostein" am Rheinufer in Engers in Höhe des "Grauen Turms" von einer Fliegerbombe getroffen. Ein ca. 2 1/2 Zentner schweres Trümmerstück wurde in eine mächtige Buche geschleudert, wo es über 60 Jahre hing und Generationen von Bürgern an den Zweiten Weltkrieg erinnerte.
Als die Buche gefällt werden musste, hatte der frühere Ortsvorsteher Josef Kretzer die Idee, dieses Relikt des Krieges für die Nachwelt zu erhalten. Im BBW Rommersdorf wurden 2 T-Eisen angeschweißt, um den Schiffstrümmer auf dem Gelände des Heinrich-Hauses einzubetonieren. Dies wurde aber von der Direktion abgelehnt u.a. wegen Verletzungsgefahren und der Befürchtung einer "Völkerwanderung durchs Gelände des Heinrich-Hauses". Auch Versuche bei der Stadtverwaltung Neuwied waren vergebens u.a. wegen hoher Kosten von geschätzten 15.000.-Euro für die notwendige Einhausung und der Verkehrssicherungspflicht. Nach mehreren Gesprächen mit Oberbürgermeister Nikolaus Roth und dann mit Oberbürgermeister Jan Einig blieb es dann bei dem Vorschlag, das Trümmerstück in einem privaten Vorgarten in der Dietrich-Bonhoeffer-Str. 13 aufzustellen.
Dies geschah kurz vor Weihnachten. Die Initiatoren Peter Hünermann und Werner Johann Keßler (Manfred Kramer war inzwischen verstorben) begrüßten bei der Enthüllung besonders die Sponsoren und Handwerker, sowie Josef Kretzer, denn ohne ihn wäre das Trümmerstück im Alteisenhandel gelandet. Auch an den ebenfalls verstorbenen Helmut Nilges wurde erinnert, der das Trümmerstück auf seinem Grundstück sicherstellte. Keßler betonte in seiner Ansprache, dass das Denkmal eigentlich an den Ort gehöre, wo das Ereignis am 1. Januar 1945 stattfand, nämlich an den Rhein, wo der Lastkahn von der Bombe getroffen wurde. Sollte im Rahmen des in etwa 3 Jahren neu aufgelegten "Leader Programms" wieder Zuschüsse für Kulturelles gewährt werden, könnte u.U. eine Verlegung des Denkmals an die historische Stelle erfolgen.
Keßler danke besonders den Mitbürgern und Sponsoren, die sich der Erinnerungskultur verpflichtet fühlen und einen wertvollen Beitrag zum "Nichtvergessen" leisten. Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt wird blind für die Gegenwart und anfällig für neue Gefahren. Wer auf die Ereignisse der Gegenwart und die politische Entwicklung und der Erstarkung rechtsradikaler Strömungen achtet, weiß, dass diese Befürchtungen berechtigt sind, so Keßler. Es folgte eine Gedenkminute für die Opfer der Kriege und das Verlesen der Gedenktafel: "Am 1.1.1945 wurde der Lastkahn "Kunostein" von einer Fliegerbombe getroffen. Dieses Trümmerstück wurde in eine Buche geschleudert, wo es über 60 Jahre lang hing. Es soll an die Opfer des 2. Weltkrieges erinnern und zum FRIEDEN mahnen".
Die Gedenktafel.
