Mentalmagier Yann Yuro verblüffte in der Jahnhalle

Eine „Offenbarung“ der besonderen Art

20.05.2022 - 10:25

Bad Breisig. Nanu, große Bälle auf dem Tisch, seitlich Aufsteller, das Klima betreffend und der Darsteller eine quietschgelbe Ente? Stellt man sich so einen Mentalmagier vor? Jedenfalls steckte er leibhaftig im Kostüm: Yann Yuro aus Leipzig hielt Einzug mit seinem neuen Programm „Offenbarung“ und gab den Leuten zu verstehen: „Ihr seid das allererste Publikum, das dieses Programm erlebt.“


In der Jahnhalle, wohin die Kulturbühne Bad Breisig eingeladen hatte, wohnten die Zuschauer demnach keiner Premiere bei, sondern der Vorpremiere, einer Art Generalprobe. Eine Ehre, wenn man so will, wird doch der Meister, die Reaktionen berücksichtigend, gewiss noch die eine oder andere Feinjustierung für die endgültige Fassung vornehmen.

Dass Yuro mit Witz und Hintersinn arbeitet, bewies er mit einem Werbeblock für die imaginäre „DÖK“. Dieser sein Sponsor, die Deutsche Öl- und Kohle AG, lässt ihn die Ente mimen und Entwarnung geben für den Planeten. Darauf kam er zurück, lieferte aber erst Klartext zum Programmtitel. Als Sohn eines Pfarrers, dessen Einfluss offenbar nicht verfing - Yuro bezeichnet sich als Atheist - schöpft er dennoch Inspiration aus der Bibel, genauer aus dem letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes.


Zahnpasta gegen die Apokalypse


Die vier apokalyptischen Reiter holte er per geworfenem Schal aus dem Saal auf die Bühne. Ein Lacher, später erneut, fiel dem Magier quasi ungeplant in den Schoß, als der Schal, statt einen Zuschauer zu treffen, kurz an der Decke hängen blieb. Die Erwählten überlegten sich im Stillen je eine Plage. Yuro, der übrigens auf Assistent Ari zählt, erriet alles, sogar „Karies“ von Kandidatin Brigitte und spendierte als Zugabe den flotten Spruch: „Jetzt wissen wir auch, wie wir die Apokalypse aufhalten: „Morgens Aronal, abends Elmex.“

Schlank, flink ist der Mann, immer in Bewegung mit eindrücklichen Gesten und einer Körperhaltung, die an sich schon Beachtung sichert. Dazu Schlagfertigkeit, Komik und selbstredend das magische Können. Wie kommt’s? Yuro, Jahrgang 1984, ist amtierender deutscher Meister, amtierender Europa-Meister und Vizeweltmeister in Mentalmagie. Er hat klassisches Schauspiel studiert und in mehreren Fernsehproduktionen gespielt. Er zaubert, seit er fünf Jahre alt ist, stand unter anderem auf Theaterbühnen und Firmenevents, in Ballsälen und Zirkusmanegen, in Deutschland, in den USA, auf dem Meer und im Fernsehen. Seit 2015 ist er hauptberuflicher Mentalist und Zauberer.

In der Jahnhalle fragte er, „wer möchte mit mir ins All fliegen?“, denn Sponsor DÖK sagt, „es gibt so viele Planeten“. Frank meldete sich, witterte aber angesichts des winziges Provianttütchens eine Abnehm-Tour. Der Magier wiegelte ab, „wir fahren mit Überlichtgeschwindigkeit“. Frank soll angeben, welchen Beruf er auf dem Raumschiff ausüben will, wie viel Platz er beansprucht und welches Haustier er mitnimmt. Warum eigentlich? Mit Staunen verfolgte das Publikum, dass der Magier alle Angaben schon vorher wusste und zum Beweis notiert hat, nämlich, dass Frank als Navigator auf 20 Quadratmetern mit einem Eichhörnchen leben wird. Yuro selbst aber wird zehn Tiere mitnehmen. Die zog er nicht aus dem Hut, sondern ließ sie zappelnd in einer zauberhaften Einlage aus Papiertüchern entstehen, einschließlich einer perfekten Qualle.


Erinnerung wird zu Stein


Ob der angeblich grimmig schauende Piotr sich nur im Entferntesten vorgestellt hatte, dass er für einen Running Gag gut war? Er wurde aufgerufen und musste immer wieder raten, wo ein 20-Euro-Schein steckte, im Portemonnaie, in des Meisters Hand oder einem von fünf Bechern. Bestimmt fühlte er sich erlöst, als das Spiel endete und er, wie von Yuro verheißen, den Schein unter seinem Stuhl vorfand.

Als spontanes Bühnentalent erwies sich Nina in einer Übung mit Tarotkarten. Vor aller Augen saß dagegen Roman mit der eigenen Uhr in der Hand, während der Mentalmagier zu ihm sprach, sie fühle sich fremd an und weiter, „die Erinnerung wird in deinem Kopf zu Stein“. Und es kam, wie Yuro vorhergesagt hatte: Roman gab, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, Yuro die Uhr zum Behalt. Natürlich bekam er sie zurück und noch ein Schreiben mit zur Aufklärung des Rätsels. Zu guter Letzt erriet der Mentalmagier im Akkord, was auf 13 versiegelten Wunschzetteln stand, etwa: Marathon laufen, Alphornblasen lernen, Bundeskanzler werden.

Und ganz am Schluss war er wieder im Entenkostüm, um zu verraten, Ablenkung sei im Sinne seiner Sponsoren die Lösung für die Klimakrise. „Dafür, dass ich euch ablenke, kriege ich viel Geld“. Das kann nicht gut gehen. So explodierte vorne der Plastik-Erdball. Aus dem Innern flog Konfetti. Man wusste kaum, was einen mehr überraschte, der unerwartete Knall oder die Tatsache, dass Yuro, eben noch Ente, plötzlich ohne Kostüm von hinten durch den Saal nach vorne spazierte. HG

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