Bürgermeister Bert Spilles erinnerte an jüdisches Leben in Meckenheim
Eine bewegende Gedenkstunde
Meckenheim. In einer beeindruckenden Gedenkstunde erinnerte Bürgermeister Bert Spilles am Abend des 9. November am Denkmal für die ehemalige Synagoge an das jüdische Leben in der Stadt Meckenheim. Er wies darauf hin, dass die sogenannte Reichspogromnacht weder der Beginn der Diskriminierung und auch keineswegs der Höhepunkt des Schreckens war. Für die Nationalsozialisten war der 9. November ein historisches Datum. An diesem Tag hatte im Jahr 1923 Adolf Hitler in München einen Putschversuch unternommen. Damit scheiterte er zwar kläglich, verstand es aber, den „Marsch auf die Feldherrenhalle“ im eigenen Lager als eine heroische Niederlage umdeuten zu lassen.
Nach der Machtergreifung der Nazis wurde der 9. November zu einem der wichtigsten Feiertage stilisiert. Ebenfalls am 9. November 1938 erlag der deutsche Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath in Paris den Verletzungen, die er zwei Tage zuvor durch ein Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan erlitten hatte. Der junge Jude hatte damit gegen die Abschiebung von 15.000 Polen aus dem Deutschen Reich protestieren wollen, unter ihnen auch der in der Merler Straße wohnende Hirsch David Szymamowicz, der in Lodz geboren wurde und mit Julchen Salm aus Altendorf verheiratet war.
Das Attentat war für die Nazis willkommener Anlass, eine reichsweit angelegte Kampagne gegen die Juden zu schüren. Zuvor hatte bereits die gleichgeschaltete Presse Stimmung gegen das „Internationale Judentum“ gemacht. Propagandaminister Goebbels gab bei einem Kameradschaftsabend der NSDAP am 9. November dem Judentum die Schuld für die Ermordung des deutschen Diplomaten von Rath. Joseph Goebbels rief nicht direkt zu Übergriffen auf die Juden auf, er sagte vielmehr: „Die Angriffe auf jüdische Einrichtungen sollten wie eine spontane Aktion des Volkszorns wirken.“ Und auch in Meckenheim wurde dies umgesetzt, ein damals 11-Jähriger berichtete, dass man mit den Vorbereitungen des Martinsfeuers auf dem Sportplatz beschäftigt war, als es hieß, in der Synagoge schlägt man alles kaputt. Die älteren Jungen aus dem achten Schuljahr waren sofort verschwunden, der Lehrer schickte dann auch alle anderen Kinder nach Hause.
Spilles erinnerte daran, dass „wir die Namen und Familien der in Meckenheim lebenden Juden kennen würden“, es waren Nachbarn und Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte aus der Schule oder dem Sportverein, die wenigsten davon heute noch aus persönlicher Erinnerung bekannt. Der Stadtchef appellierte an alle, sich der Verantwortung aus der Geschichte zu stellen, denn sie mache im Guten wie im Bösen die Identität der Nation aus.
In seinen weiteren Ausführungen zog Spilles Parallelen aus der damaligen Kultur und plädierte für eine aktive Erinnerungskultur. Er mahnte an, dass wenn heute das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ diffamiert würde und eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen gefordert wird, dann seien dies Tabubrüche, auf die Demokraten reagieren müssten. Er erinnerte daran, dass es 1933 geheißen hatte: „Der Jude ist an allem schuld.“ Auch heute würden wieder Feindbilder konstruiert.
Im Anschluss an die bewegende Rede des Bürgermeisters verlasen Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule Texte aus Briefen von Juden aus Konzentrationslagern, aber auch von jüdischen Prominenten wie Albert Einstein. Mit einer Kranzniederlegung durch Bürgermeister Spilles sowie seiner Stellvertreterin Heidi Wiens gedachte anschließend die Stadt Meckenheim der Opfer des Nationalsozialismus.
Ebenfalls einen Kranz legten anschließend Vertreter von CDU und SPD nieder. Spilles bedankte sich bei allen Beteiligten, besonders bei der Freiwilligen Feuerwehr für die Ehrenformation, der Polizei, den Stadtsoldaten, den Schülern sowie ganz besonders bei Raimund Schink, der die Gedenkstätte am Synagogenplatz seit Jahren pflegt und bepflanzt. STF
