Marita Klose darf jetzt den Pfarrer in Dierdorf vertreten
Eine echte Hilfe
Zweifache Mutter wurde offiziell in ihr Ehrenamt als Prädikantin eingeführt - Erster eigener Gottesdienst Ende August
Dierdorf. Der evangelischen Pfarrer Patrique Friesenkothen freute sich: Seine „Schülerin“ Marita Klose hat alle Schulungen absolviert und darf ihn jetzt offiziell als Pfarrer bei allen kirchlichen Handlungen vertreten. Am vergangenen Sonntag wurde die Dierdorferin mit einem Gottesdienst feierlich in ihr neues Ehrenamt eingeführt. Detlef Kowalski ist Pfarrer der Friedenskirchengemeinde in Neuwied und Synodalassessor im Kirchenkreis Wied, damit also Stellvertreter des Superintendenten im Kirchenkreis Wied. Er nahm an dem Einführungsgottesdienst teil und verlieh Marita Klose die Berechtigung zur kirchlichen Arbeit. Gegenüber BLICK aktuell erklärt er, was Ordination bedeutet und was ein Prädikant ist: „Ordination ist die öffentliche Beauftragung zur gottesdienstlichen Verkündigung, also eigenständig Gottesdienste zu halten. Hinzu kommt die Befähigung, Taufen, Abendmahl, Trauungen und Beerdigungen durchführen zu dürfen. Marita Klose darf das alles jetzt. Für unsere Kirche ist es so, dass wir vom Priestertum aller Gläubigen ausgehen. Das bedeutet, alle Gläubigen haben diese Fähigkeiten, müssen aber in besonderer Weise ausgebildet werden, bevor sie sie anwenden dürfen. Das hat Marita Klose gemacht. Sie hat einen zweijährigen Rüstkurs absolviert und dabei alle Anforderungen erfüllt.“ Am Ende dieser Schulung trägt man den Titel Prädikant oder Prädikantin. Es gibt auch die Bezeichnung Laienprediger dafür. Dabei handelt es sich um ein nicht bezahltes Ehrenamt. Die Schulung findet statt in Form eines Kurses der evangelischen Kirche im Rheinland, der in Wuppertal angeboten wird. Gleichzeitig begleitet der angehende Prädikant den amtierenden Pfarrer bei seiner Arbeit.
Marita Klose ist keine Unbekannte
Marita Klose ist in Dierdorf aktuell die erste und einzige Frau, die diese Schulung absolviert hat und als Prädikantin tätig sein darf. Detlef Kowalski sagt: „Das ist in Zeiten von knapper werdenden Pfarrerinnen und Pfarrern eine echte Hilfe, wenn der pastorale Dienst durch Ehrenamtliche unterstützt wird.“ Vielen Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Dierdorf wird Marita Klose schon durch ihre Mitarbeit im Rahmen ihrer Ausbildung bekannt sein. Ihr Ausbilder Pfarrer Patrique Friesenkothen sagt: „Der einzige Unterschied in Zukunft ist, dass ich als Mentor nicht mehr dabei sein muss. Weil Marita heute ordiniert wurde, darf sie die Gottesdienste ab sofort in eigener Verantwortung durchführen.“ Mit ihrer neuen Tätigkeit kann Marita Klose sofort beginnen. Ihre Einsätze stimmt sie je nach eigener Verfügbarkeit oder auch auf Wunsch von Kirchenbesuchern mit dem Pfarramt beziehungsweise Pfarrer Friesenkothen ab. Naheliegend sind natürlich Tätigkeiten in Dierdorf, aber es gibt auch schon eine Anfrage für Marita Klose aus Niederbieber. Die Freude bei Marita Klose über den Abschluss ihrer Ausbildung und den Beginn ihrer neuen Tätigkeit war riesengroß. Zu BLICK aktuell sagte sie: „Im Herbst 2012 war ich durch Zufall im Gemeindebüro und die damalige Pfarrerin Frau Otto kam vom Gemeindekonvent und erzählte, dass in den Gemeinden geschaut werden soll, ob jemand für das Prädikantenamt geeignet ist. Da habe ich zum ersten Mal das Wort Prädikant gehört. Ich habe mich dann informiert. Weil ich ja bis dahin schon viel in der Kirche mitgeholfen habe, bei Kinderbibeltagen, Krabbelgottesdiensten, Krippenspiele, Lektorendienste und so weiter, habe ich mir überlegt, diese Ausbildung zu machen. Ich finde Gottes Wort so spannend und überhaupt nicht verstaubt, das passt so total schön in unseren Alltag. Da habe ich mir gedacht, ich könnte mir das vorstellen. Dem folgten Gespräche mit der Gemeinde und dem Presbyterium, denn die Gemeinde entscheidet darüber, ob jemand diese Ausbildung machen darf und dafür geeignet ist. Als der Antrag gestellt war, gab es erst einmal eine lange Wartezeit. Im Januar 2015 begann der Einführungskurs. Dann begann hier vor Ort die Ausbildung mit meinem Mentor, das war anfangs Pfarrerin Otto und später Patrique Friesenkothen, den ich bei seiner Arbeit begleitet habe. Ich habe 20 Gottesdienste gefeiert, auch schon mehrere Male Abendmahl mit der Gemeinde gefeiert, habe sieben Kinder getauft und auch schon einmal bestattet. Das darf man aber in der sogenannten Zurüstzeit nur zusammen mit seinem Mentor. Denn das sind Amtshandlungen. Jetzt darf ich das aber auch alleine.“
Marita Klose lebt in Dierdorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ihr erlernter Beruf ist Hotel-Betriebswirtin, sie arbeitet seit 2002 in einem Ingenieurbüro als kaufmännische Angestellte. Am letzten Sonntag im August wird sie in Dierdorf ihren ersten Gottesdienst alleine gestalten.
Die Ehefrau und zweifache Mutter mit ihrer Familie. Ihren Beruf als kaufmännische Angestellte in einem Ingenieurbüro will sie neben dem Ehrenamt weiter ausüben.
