Vor rund 450 Jahren wurden kirchliche Missstände durch die Honnefelder Synode beseitigt
Einst kamen Pfarrer betrunken zum Dienst
Graf Hermann zu Wied realisierte Martin Luthers Lehren
Neuwied/VG Rengsdorf. 500 Jahre Reformation und alle reden von Martin Luther, kaum jemand von Graf Hermann zu Wied, der maßgeblich an der Verbreitung dieser Ideen beteiligt war. Und damit Kurfürst Hermann und seine Verdienste nicht in Vergessenheit geraten, legte der evangelische Kirchenkreis Wied für Spaziergänger und Wanderer einen 21 Kilometer langen Reformationsweg zwischen Niederbieber und Oberhonnefeld an. Der wird am Sonntag, 30. April, mit einem passenden Programm offiziell eröffnet („Blick aktuell“ berichtete).
Am Sonntag wird Reformationsweg eröffnet
Schon am Startpunkt, an der evangelischen Kirche in Niederbieber, dreht sich alles um Hermann zu Wied, dessen Gebeine seit dem 15. August 1552 vor dem Altar ruhen. Leider ist die Grabplatte unter dem Boden verborgen.
Beigesetzt wurde Hermann zu Wied zwischen seinen Eltern Friedrich I. von Runkel, Graf zu Wied und Herr zu Isenburg (1454 - 1487) und seiner Frau Agnes von Virneburg, Gräfin zu Wied, deren Grabplatten noch zu sehen sind.
Auf der Empore der Kirche zeigen drei Glasbilder, gestiftet 1912 von dem Niederbieberer Ernst Wortig, Porträts der Reformer Martin Butzer, Hermann Graf zu Wied und Philipp Melanchthon.
Das alles und noch eine Infotafel können am Sonntag besichtigt werden, da die Kirche geöffnet ist: „Es ist alles bestens vorbereitet und ich freue mich, wenn viele Besucher in die Kirche kommen“, erklärte Volker Schur, Küster und Haustechniker der Evangelischen Kirchengemeinde Niederbieber.
Der Reformationsweg führt an der Wied entlang nach Altwied, wo noch die Ruinen der Stammburg des Wiedischen Adelsgeschlechts zu sehen sind. Von hier aus übergab man Hermann 1483 dem Domkapitel in Köln zur „geistigen Erziehung und Belehrung“.
Mit 29 Jahren wurde Hermann Canonicus und Domherr zu Köln. Später fiel, nach dem Tod von Erzbischof Philipp, die Wahl für dessen Nachfolger auf Hermann, den drei Jahre später das Deutsche Reich als Kurfürst anerkannte.
Als Martin Luthers Lehren in die Öffentlichkeit kamen, stellte sich Hermann erst dagegen, um später doch einige Reformen umzusetzen. Das gefiel vielen Leuten im katholischen Köln nicht und so schrieb der Bürgermeister: „Hermann der Abtrünnige, Euer Erzbischof, wenn er dieses Namens noch wert ist, wagt es Eure Kirche umzustürzen! Widersteht ihm mannhaft und lasset nicht ab, mit allem Eifer und Fleiß ihn zu überreden, daß er von so einem großen Verbrechen absehe.“
In den Jahren beschäftigte sich Kurfürst Hermann immer mehr mit den protestantischen Lehren und verteidigte sie gegen zahlreiche Angriffe. Daher setzte der Papst 1546 Hermann als Erzbischof ab und entband dessen Untertanten von Eid und Gehorsam. Auch der Kaiser rüstete gegen die evangelischen Fürsten im Land, ließ Hermann aber wissen: Wenn er sich ruhig verhalte, werde ihm nichts geschehen.
Mittlerweile war das ganze Wiedische Haus bis auf Friedrich den Jüngeren konvertiert und viele Untertanen auch. Im damals hohen Alter von 76 Jahren starb Hermann auf der Burg Altwied, sein Vermächtnis ist aber noch heute wirksam.
Darüber weiß Heiko Erhardt, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Altwied, einiges zu erzählen: „Bei der Reformation ging es um die Einführung des Abendmahls unter beiderlei Gestalt, Brot und Wein für die Laien. Hermann zu Wied hatte auf dem Sterbebett dieses Abendmahl empfangen, ein Bekenntnis zur Reformation, in der katholischen Kirchen bekommen die Laien nur das Brot.“
Ferner ging es um die kirchliche Finanzverwaltung, eine Unabhängigkeit von Rom, das viele Geld, das die Fürsten an den Papst abdrücken mussten und den Gottesdienst in deutscher Sprache.
Als Fürst hatte Hermann eine strenge Form der Reformation eingeführt. „Die Altwieder Kirche war wohl früher ausgemalt, das passte nicht zur reformierten Fassung und so wurde die Ausmalung entfernt“, erklärt Pfarrer Heiko Erhardt und weist darauf hin, dass auch die schmucklose Altwieder Kirche am Sonntag geöffnet ist.
1564 schloss sich Grafschaft Wied der Reformation an
Von Altwied führt der Reformationsweg weiter zur Kreuzkirche in Melsbach, wo Luthers Unterstützer Philipp Melanchthon gepredigt haben soll: „Das ist eine Legende und nicht bewiesen“, meint der Pfarrer. Melanchthon und Martin Butzer waren gegenüber dem Kurfürsten Hermann einfache Leute und haben deshalb vermutlich nur seine Berater getroffen.
Über Rengsdorf und Kurtscheid führt der Reformationsweg bis zu seinem Ende nach Oberhonnefeld, wo es 1564 in der Kirche eine Synode gab, durch die sich die gesamte Grafschaft Wied der Reformation anschloss.
In Honnefeld ging es auch um die Beseitigung von Missständen, die Philipp Melanchthon und Martin Butzer bei Besuchen von Pfarrern erfahren und angeprangert hatten. Dazu Pfarrer Heiko Erhardt: „Die Leute waren mit dem Verhalten der Pfarrer nicht zufrieden, denn viele hielten das Keuschheitsgelübde nicht ein oder kamen schlecht bekleidet und betrunken zum Dienst. Um dies zu verhindern, wurde für die Pfarrer dann ein Fahrdienst eingerichtet.“
Einen Fahrdienst gibt es rund 450 Jahre später aber in Oberhonnefeld auch: Aber nicht nur für Pfarrer, sondern für alle, die am Sonntag an der Eröffnung des Reformationswegs teilnehmen. Ein Bus-Shuttle-Dienst bringt die Wanderer wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt.
HEP
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