Karpatische Wasserbüffeldame hat in den Thürer Wiesen ihr erstes Kalb zur Welt gebracht
Ella legte eine Punktlandung hin
Thür. Wie kann eine knapp drei Jahre alte karpatische Wasserbüffeldame, die aus dem rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet über den Umweg Thüringen den Weg in die Thürer Wiesen gefunden hat, den Menschen im Rheinland zeigen, dass sie sich wohlfühlt in ihrer neuen Umgebung? Genau, sie bringt ausgerechnet am Freitag, 11. November, zum Auftakt der Fünften Jahreszeit ihr erstes Kalb zur Welt. Mutter Ella hat praktisch eine Punktlandung hingelegt.
Kein Wunder, dass die beiden Thürer Landwirte Manfred und Olaf Berresheim sowie Herbert Stern (NABU Mayen), die das Projekt der Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen-Koblenz in den Thürer Wiesen betreuen, am Ehrentag des Heiligen Sankt Martin das Kalb auf den Namen „Martin“ oder „Martina“ taufen werden. Das Geschlecht steht momentan noch nicht fest, der Nachwuchs ist seit Samstag verschwunden. Es handelt sich aber um ein völlig natürliches Verhalten von Mutter und Kalb. Doch der Reihe nach.
Am Donnerstag, 10. November, machte sich Manfred Berresheim gleich viermal auf in das Feuchtbiotop, im sicheren Glauben, dass „die Geburt unmittelbar bevorstand“. Doch Ella ließ sich Zeit. Einen Tag später sah Olaf Berresheim gegen 15 Uhr die vierköpfige Herde mit Whity, Moni, Luna und Ella, nur eine halbe Stunde später war ein Tier verschwunden. Ella hatte sich wohl zurückgezogen. Manfred Berresheim beobachtete sie noch mit einem Fernrohr, als sie im Gestrüpp an einem Baum stand. Doch plötzlich hatte er sie nicht mehr auf dem Radar. „So Pi mal Daumen um 16 Uhr muss das Kalb das Licht der Welt erblickt haben“, so der 69-jährige Landwirt. Gegen 17 Uhr wurden die drei restlichen Kühe im Fangstand mit „Leckerli, sprich Äpfel aus dem Kottenheimer Wingert“, angefüttert.
30 Meter vom Unterstand entfernt, im 50 Zentimeter hohen Gras, kurz vor dem dahinter beginnenden Schilf, sah sich Ella, die frisch gebackene Mutter, die Szenerie genau an. „Und neben ihr habe ich etwas kleines Schwarzes gesehen“, erzählt Manfred Berresheim. „Es war ein vergleichsweise großes Kalb. Es wirkte fit und vital. Der Nachwuchs muss eine halbe Stunde nach der Geburt stehen können. Und das Jungtier hatte schon 150 Meter zurückgelegt, das ist eine beachtliche Leistung.“
Gegen 20 Uhr am Freitag waren nach Aussage von Olaf Berresheim mit Whity und Luna sowie Leitkuh Moni drei Tiere im Unterstand. Als sie ihre Nachtruhe beendet hatten - die Tiere schlafen über den Tag verteilt etwa zweimal vier Stunden - nahmen Ella und ihr Nachwuchs den Unterstand in Beschlag, wo sie gegen 23 Uhr von Herbert Stern und Manfred Berresheim beobachtet wurden. Schade nur, dass die am Mittwoch installierte Wildkamera, im Fachjargon „Fotofalle“ genannt, ihren Dienst ausgerechnet in dieser Nacht versagte.
Intelligentes Verhalten
„Es war ein atypisches und zugleich sehr intelligentes Verhalten der Mutter. Im Normalfall zieht sie sich mit ihrem Kalb für drei bis vier Tage zurück, um eine Prägung vorzunehmen. Das heißt, dass sie sich vom Geruch her aneinander gewöhnen“, erläutert Manfred Berresheim die Details. „Ella hat in dieser nasskalten Nacht aber genau die Stelle ausgesucht, die warm und trocken war. Und die beiden sind erst dann in den Unterstand rein, als die anderen schon wieder draußen waren.“
Am Samstag, 12. November, gegen 8.15 Uhr, zogen Mutter und Kalb Richtung Flugplatz weiter. Seitdem ist zumindest der Nachwuchs verschwunden. Mutter Ella tauchte um 17 Uhr zur Nahrungsaufnahme wieder auf, nahm die Äpfel in Empfang, „knörte kurz in Richtung Nachwuchs“ und „machte sich im Schweinsgalopp auf und davon“, wie sich Manfred Berresheims Ehefrau Hilde als Augenzeugin erinnert.
„Kein Grund zur Beunruhigung“, versichert ihr Ehemann. „Das Gelände ist mit 15 Hektar so groß wie 15 Fußballfelder. Da gestaltet sich die Angelegenheit wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich bin mir aber sicher: Spätestens Mitte der Woche tauchen die beiden wieder auf. Und auch bei zwei weiteren Muttertieren erwarten wir in den nächsten Tagen Nachwuchs.“ Im Fall Ella wird die Öffentlichkeit dann auch erfahren, ob das Kalb (endgültig) auf den Namen Martin oder Martina getauft wird.
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