Das Kurfürst-Salentin-Gymnasium Andernach und seine Erfahrungen mit dem Lernen „auf Distanz“
Elternhäuser leisten gerade Außerordentliches
Schulalltag, Mitschülerinnen und Mitschüler werden vermisst
BLICK aktuell: Waren Sie auf die Schulschließung vorbereitet?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Das Kurfürst-Salentin-Gymnasium in Andernach wurde von der landesweiten Schulschließung unter ganz besonderen Umständen betroffen. Bereits eine Woche bevor alle Schulen in Rheinland-Pfalz geschlossen wurden, mussten wir aufgrund eines Corona-Falls im Kollegium unsere Schule schließen. Diese Situation traf uns völlig unvorbereitet und die Organisation des Fernunterrichts wurde dadurch erschwert, dass sich das gesamte Kollegium inklusive Schulleitung in eine 14-tägige Quarantäne begeben musste.
BLICK aktuell: War es problematisch, ein passendes Programm/Tool zu finden, mit dem Sie das Home-Schooling, angepasst an alle technischen Voraussetzungen der Schüler, durchführen konnten?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Es war nicht besonders problematisch dieses Tool zu finden. Wir versenden Wochenarbeitspläne über E-Mail an alle Elternhäuser und parallel dazu benutzen wir Moodle. Allerdings betrachten wir die aktuelle Gesamtsituation des digitalen Lernens nicht als abgeschlossen. Je länger die Schulschließung andauert, sehen wir uns in der Verantwortung, hier auch weitere neue Wege auszuprobieren, um das Arbeiten und den Kontakt zu unseren Schülerinnen und Schülern zu optimieren.
BLICK aktuell: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag als Lehrer geändert?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Dieser hat sich natürlich in eklatanter Weise geändert: Vom Klassenraum in direkter sozialer Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern an den Computer und das Telefon.
BLICK aktuell: Wie ist Ihr Empfinden und wie sind Ihre Erfahrungen? Kommen die Schülerinnen und Schüler mit dem Home-Schooling klar? Haben sich Leistungen verändert?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Wir machen ganz unterschiedliche Erfahrungen. Manche Schülerinnen und Schüler kommen mit dieser Arbeitsweise sehr gut zurecht. Gerade die älteren Jahrgänge haben weniger Probleme ihren Arbeitsalltag selbstständig zu strukturieren und die digitalen Kommunikationskanäle gewinnbringend für sich zu nutzen.
Bei anderen Schülerinnen und Schülern muss man aufpassen, dass sie ohne die direkte tägliche Begegnung im Schulalltag nicht „verloren gehen“. Hier ist es wichtig, trotzdem den Kontakt aufrecht zu erhalten. Eine immense Herausforderung, wenn man als Fachlehrer möglicherweise weit über 200 Schülerinnen und Schüler betreut. Uns ist auch bewusst, dass ganz viele Elternhäuser hier gerade Außerordentliches leisten.
Eine Rückmeldung, die wir aus allen Jahrgangsstufen erhalten haben, ist, dass ganz viele den Schulalltag und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sehr vermissen.
BLICK aktuell: Könnten Sie sich vorstellen, dass Home-Schooling zu einem festen Bestandteil wird im regulären „normalen“ Schulalltag?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Wir gehen im Moment davon aus, dass wir ganz viele gewinnbringende Erfahrungen aus dem Umgang mit digitalen Medien aus dieser Zeit mit in unseren zukünftigen Schulalltag nehmen. Dass der Fernunterricht, wie wir ihn im Moment praktizieren, aber ein fester Bestandteil des regulären Schulalltags sein wird, können wir uns nicht vorstellen.
BLICK aktuell: Wie bereiten Sie sich auf die Schulöffnung vor?
Kurfürst-Salentin-Gymnasium: Die Vorbereitung der Schulöffnung stellt die Schule vor eine Fülle von Aufgaben. So müssen z.B. neben organisatorischen Fragen, wie der Erstellung eines Gebäudenutzungsplans, der Erarbeitung neuer Aufsichtspläne, der Überarbeitung des schuleigenen Hygieneplans, Lerngruppen geteilt und Schülerinnen und Schüler erfasst werden, die wegen Vorerkrankung nicht am Unterricht teilnehmen können. Hinzu kommen didaktische und pädagogische Überlegungen, die uns beschäftigen, z.B. wie wir den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht oder im rollierenden System das selbstständige Lernen zwischen zwei Präsenzphasen gestalten werden. Ganz zu schweigen von ganz praktischen Arbeiten, wie der Tatsache, dass die Tische in Unterrichtsräumen so gestellt werden müssen, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Parallel dazu muss weiterhin der Fernunterricht für fünf Schuljahrgänge gesichert werden. Dies sind Herausforderungen, die – da genaue Vorgaben dazu die Schulen teilweise erst am 23. April 2020 erreichten – nur durch die Mithilfe des gesamten Kollegiums zu erfüllen sind. SPS
