Allgemeine Berichte | 04.09.2018, 10:46 Uhr

Junge Besucher machten mit Angelika Schneider einen Schnupperrundgang im Schloss

Entdeckungen mit der Taschenlampe

Das hat man selten: in den Keller geht es aufwärts. HG
44

Sinzig. Sprichwörtlich bei der „Hand genommen“ hat Angelika Schneider kürzlich die jüngste Klientel im Sinziger Schloss. Aber erst am Ende des Schnupperrundgangs, der die Jungs und Mädels ein wenig vertraut zu machen soll mit dem Kleinod, welches die vom Ehepaar Bunge erbaute neugotische Sommerresidenz darstellt, gelangen sie in den Keller. Das verheißt Spannung und damit jeder die dunklen Ecken nach Belieben ausleuchten kann, haben sie alle ihre Taschenlampen dabei. Wenn es nach den jungen Gästen ginge, würden sie wohl schnurstracks den Weg in Richtung Keller nehmen. Man erkennt es daran, dass viele immer wieder die Lichtfunktion ausprobieren.

An jedem ersten Samstag im Monat bietet der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums im Sinziger Schloss eine kostenlose Führung mit wechselnden Schwerpunkten an. Schneider, Beisitzer im Vorstand, ist gerne mit Kindern unterwegs. Zuerst steuert sie treppaufwärts zum Stadtmodell hin. „Wo sind wir gerade?“, fragt sie und die Finger der Besucher deuten auf den Vorgängerbau des Schlosses, zum Zeitstand des Modells noch eine Wasserburg mit vier Türmen. Sicherheitshalber richten einige Kinder ihre Leuchten drauf.

Bewohner in Öl

16 an der Zahl sind dem Angebot gefolgt, kleine Jungs, schulpflichtige Mädchen und angehende Teenager. Zurück zum Erdgeschoss nehmen etliche Teilnehmer flink die Stufen, andere trotten gemächlich hinterdrein. Angelika Schneider drängt niemanden zur Eile und befrachtet auch nicht mit zu vielen Infos. Im großen Kultursaal weist sie auf die Konterfeis in Öl der ehemaligen Schlossbewohner wie Gustav und Adele Bunge, Tochter Klara, Tochter Johanna mit Ehemann Ernst Koenigs und deren Tochter Adelheid. Und kurz erwähnt sie auch die Sage von der weißen Frau. Sie soll in der Nähe des alten Wasserschlosses gespukt haben, an dessen Stelle später die Bunges ihr nobles Domizil errichteten. Warum sie nach ihrem Tod keine Ruhe fand? Es heißt, weil die Schlossjungfrau zu Lebzeiten den feindlichen Franzosen den Torschlüssel zum Schloss gab, die es daraufhin zerstörten.

Sofas, Park und Krempel

Durch den kleinen Kultursaal zieht die Gruppe ins achteckige Turmzimmer, mit seinen Gemälden und in die Vertäfelung eingelassenen Sofas eine Preziose des Gebäudes. Was gehört zu einem repräsentativen Haus, wie dem Schloss? Gewiss kein Vorgärtchen, sondern ein Park. Vorne sprudelt Wasser inmitten von leuchtender Bepflanzung. Links taucht man in schattiges Grün. In diese Richtung geht es, um auf der Rückseite die Außenmauern des Kellers in Augenschein zu nehmen. Weil das Gelände nach hinten abfällt, müssen die Kinder, um den Keller zu erreichen, tatsächlich wieder eine Treppe hochsteigen. Den ersten langen Raum, wo das Heimatmuseum alte Fliesen der ansässigen Steinzeugindustrie lagert, dürfen sie selbst erkunden. Im Heizungskeller sehen sie die moderne Heizungsanlage, einen improvisierten Schreibtisch, an dem Hausmeister Werner Lücke manches festhielt und Allerweltskrempel. Aber, darauf richtet Schneider das Augenmerk, es gibt da auch noch eine Wand der alten Wasserburg.

Keine Badewanne

„Das ist aber wirklich dunkel“, gruselt sich ein Mädchen vor einem Schacht, den nur vereintes Licht spärlich erhellt. Richtig, das war die Rutsche, über die einst die Kohle in den Keller kam. Ansonsten gibt es viele ausrangierte Türen aus dem Schloss, gemauerte Regale, vielleicht für den Wein, auch eine Art Trog. „Sicher eine Badewanne“, mutmaßt ein Junge. Und dann steigt die Spannung noch einmal, als Angelika Schneider in einen Bereich führt, der womöglich einst einmal ein Gefängnis war. Zurück im hellen Sonnenschein warten schon die Eltern auf ihre Sprösslinge, neugierig darauf, was die zu berichten haben. Wenn die Auskünfte dürftig ausfallen, was bei Kindern nicht selten ist, sollte dies den Großen ein Anreiz sein, erneut das Schloss, den Park und das Heimatmuseum besuchen. Es hat bei freiem Eintritt donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Unter www.museum-sinzig.de gibt es mehr Infos zum Museum und Denkmalverein.

HG

Das hat man selten: in den Keller geht es aufwärts. Foto: HG

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Titel 24H Notdienst
Heimat aktiv erleben
05-Marktbericht 2026
Imageanzeige
40 Jahre Brandschutz Balter
Empfohlene Artikel
Foto: B. Risse / Kreisverwaltung Ahrweiler
30

Sinzig. Landrätin Cornelia Weigand hat am Montag die Baugenehmigung für das neue Lebenshilfehaus in Sinzig übergeben. Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler e. V. plant den Neubau an der Ecke Münzgasse/Renngasse in Sinzig. Die Übergabe fand im sanierten alten Lebenshilfehaus in der Pestalozzistraße statt. Zu den Teilnehmern gehörten Bürgermeister Andreas Geron, Ortsvorsteher Reiner Friedsam und der frühere Sinziger Bürgermeister Norbert Hesch.

Weiterlesen

Gülser Forum
16

Mehr als 200 Menschen kamen zum Güls Forum in die Schulsporthalle. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die Güls seit Jahren beschäftigt und in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat: Wie soll sich die Nahversorgung im Ort künftig entwickeln – und was bedeuten die Planungen am Moselbogen für den heutigen Ortskern?

Weiterlesen

Blick auf das Freigelände der neuen Kita bei der Einweihungsfeier.
40

„Als Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft machen wir ganz Vieles: Straße, Brücken, Parkanlagen … aber am liebsten machen wir Kitas. Das sagte Geschäftsführer Herbert Wiemer bei der Einweihung der neuen Kita Blandine Merten in Bad Neuenahr.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
1432

An mehreren Stellen steht diese und nächste Woche ein Blitzer

In Bad Neuenahr-Ahrweiler wird geblitzt

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler plant zur Erhöhung der Verkehrssicherheit Geschwindigkeitskontrollen an verschiedenen Standorten. In der Kalenderwoche 44 sind Messungen in der Schützenstraße im Stadtteil Ahrweiler sowie in der Sinziger Straße im Stadtteil Lohrsdorf vorgesehen.

Weiterlesen

In Bekond wurden die Siegerweine und -brände gekürt. Hier gratuliert Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper den erfolgreichen Brennerinnen und Brennern.
1903

Bei der Landeswein- und Sektprämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wurden in Bekond die erfolgreichsten Winzerinnen und Winzer sowie Brennerinnen und Brenner ausgezeichnet. Kammerpräsident Ökonomierat Michael Horper, Mittelrhein-Weinprinzessin Jill Rüttgen und Weinmajestät „Burgundia“ Jona Marie Esser aus Ahrweiler überreichten die Urkunden für die Siegerweine und Siegerbrände. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen