Die Hex verzaubert und die Konfis backen
Erntedank mit allen Sinnen
Winningen. „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts hat er verworfen. Wir müssen es nur mit Dankbarkeit von ihm entgegennehmen. Durch Gottes Wort und durch unsere Fürbitte wird es nämlich zu etwas Heiligem.“ Nach dem Motto dieses Predigttextes aus dem 1. Timotheusbrief wurde der Erntedankgottesdienst in der Ev. Kirche in Winningen gefeiert. Reiner Fries ließ das Winzerjahr Revue passieren, erzählte von den Befürchtungen, die die extreme Trockenheit bei den Winzern hervorrief und freute sich über die doch gute Ernte in diesem Jahr. Trotz aller Widrigkeiten gärt wohl ein sehr guter Wein in den Kellern. Sein besonderer Dank galt dem großen Verständnis der Winninger, wenn während der Lesezeit sogar sonntags der Trecker durch die Straßen fährt, die Traubenpresse bis spät nachts läuft, wenn im Sommer der Spritzhubschrauber öfter schon früh morgens Pflanzenschutz betreiben muss. Nur in einem Ort mit Verständnis ist ein Winzer in der Lage bestmögliche Weine zu kreieren. Dann wurde es mystisch in der Kirche, ein Zauber lag in der Luft. Pfarrerin Iris Ney konnte die Winninger Weinhex Jacqueline Krause für ein Predigtgespräch gewinnen. „Alles was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts hat er verworfen“. Aus der Sicht der Weinhex lässt sich dieser Satz sehr gut nachvollziehen, denn beim Wein ist es leicht festzustellen, dass das, was Gott geschaffen hat, gut ist. Mit einem Augenzwinkern brachte die Weinhex immer wieder den Wein ins Spiel. So erklärte sie, dass man bei einem Blick auf die Winninger Steilterrassen und die Verkostung des Weines das Gute sieht und schmeckt. Doch beiden, Pfarrerin und Weinhex, die neben der Hexerei auch ev. Theologie studiert, wurde deutlich: Wenn Menschen danken, verbinden sie sich mit Gott. Das als gut Erlebte vertieft sich in der Verbindung mit Gott. Das Zusammenspiel Gott und Mensch macht Gutes erst so richtig Gut, man kann es dann wohl heilig nennen. Und das Schwierige und Schlechte steht nicht allein da. Wer sich mit Gott verbindet, wird niemals „verworfen“. Zum Zauber der Weinhex kam der Duft von 100 Erntedankbroten, die die Konfirmanden mit dem Winninger Bäcker Andreas Pistono am Vortag gebacken hatten. Rund 400 Euro Reinerlös wurde an die Aktion Brot für die Welt gespendet, denn Andreas stiftete alle Zutaten. Die Konfirmanden und der Bäcker beteiligten sich an der bundesweiten Aktion „5000 Brote. Konfirmanden backen Brot für die Welt“, die von der Ev. Kirche und dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks 2014 initiiert wurde. Zum Brotduft und dem Hexenesprit gesellte sich die Musik. Dafür sorgte der Chor der Ev. Kirchengemeinde mit seinem Dirigent Michael Fischer.
