Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist
Erste Komplettprobe der Riedener Passionsspiele in vollen Kostümen
Rieden. Es war wieder so weit. Die erste Kostümprobe bei den Passionsspielen war angesagt. Weiß Gott keine Stille im Riedener Gotteshaus, sondern eine Szenerie voller Stimmengewirr vor und hinter den Kulissen der von Perfektionisten im Stil der Passion perfekt gestylten Bühne, letzte Anweisungen von Regisseur Hans Peter Doll sowie seinem Vize, Stefan Müller, der auch als Souffleur präsent ist. Die Kameras von Pressevertretern waren auf das, was da kommen sollte eingestellt. Werbung für dieses außergewöhnliche Ereignis um das Leben und Sterben Jesu Christi, fantastisch von vielen Riedenern seit über 100 Jahren in den über die Grenzen hinaus bekannten Mysterienspielen umgesetzt, muss jedenfalls sein. „Singt dem König Freudenpsalmen, Völker ebnet seine Bahn“, erklang es aus vielen Kehlen. Nun haben es die rührigen, traditionsbewussten Riedener wieder einmal geschafft, die nächste Spielzeit der Passionsspiele zu sichern. Aber um eine immense Produktion „abzusichern“, muss man die richtige Mannschaft im „Boot“ haben. Von den Darstellern der Hauptrollen um Jesus und Maria, bis hin zum letzten der Statisten oder Sänger im Passionschor. Und da kann man wahrlich vor der Arbeit der nimmermüden Veranstalter, um den engagierten Vorsitzenden der Laienspielgruppe des Junggesellenvereins, Joachim Engel, und den quirligen Regisseur Hans Peter Doll, ein Mann, der dieses, sein Metier quasi von der Pike auf kennt und qualitativ hochwertig, seit zwei Jahren sogar mit Unterstützung durch den dreimaligen Jesus Darsteller, Stefan Müller ausübt, den berühmten „Hut“ ziehen. Auch ich bin stolz, diese Passionsspiele nunmehr in der achten Spielzeit begleiten zu dürfen. Die Mysterien-Geschichte über das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi, in dem Ort; den ich einmal innerhalb meiner Berichte als das „Oberammergau der Eifel“, bezeichnet habe. Das Dorf, über dem eigentlich immer der berühmte Hauch der Passion liegt. Und in dem fast jeder der Einwohner einmal, oder gar mehrmals bei den Spielen mitgewirkt hat. Beim Glockenschlag um 19.30 Uhr wurde es ruhig im abgedunkelten, wohlig warmen Kirchenraum, die Spots auf der Bühne gingen an. Und die Komplettprobe konnte mit „Singt dem König Freudenpsalmen, Völker ebnet seine Bahn“, beginnen. Beeindruckende von enormer Ausdruckskraft aller Schauspieler performte Darstellung, prägten die Handlung innerhalb dieser Passion um Jesus, den Mann aus Nazareth, (Claudio Civello-Hackenbruch sowie Jochen Marx), der bei einer Hochzeit in Kanaa das Wasser aus sechs Krügen in Wein verwandelt hatte. Die Passion, gefüllt mit Herzeleid von seiner Mutter Maria (Judith Doll und Alexandra Reuter), Die Intrigen, die Häme, der Spott, oder der Hass des Kaiphas (Hermann Josef Hilger sowie Joachim Schäfer) und seiner Anhänger, Verrat durch Judas (Andreas Doll und Jörg Hinz) für 30 Silberlinge, und seine Verzweiflung, das ergreifende Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, der Fußwaschung. die Verurteilung „auf Verlangen des Volkes“ durch Pontius Pilatus (Manuel Doll und Ralf Nürnberg) der den berühmten Satz sprach „Ich finde keine Schuld an ihm“, bis hin zur Kreuzigung auf Golgotha, als einer der römischen Soldaten hoch zum Kreuz blickte und sagte: „Dieser Mann war Gottes Sohn“. Da macht sich auch der Vorsitzende der Laienspielgruppe, Joachim Engel, gegenüber unserer Zeitung so seine Gedanken: „Auf 100 Jahre Passionsspiele – genauer gesagt 102 Jahre – können wir in Rieden zurückblicken. Seit 1993 – dem Gründungsjahr der Laienspielgruppe Rieden - darf ich Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft sein. Nicht als Darsteller, aber als einer, der im Hintergrund zusammen mit den Kollegen im Vorstand und in den Orga-Teams für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Als Vorsitzender bin ich natürlich sehr stolz auf diese Truppe, die größtenteils nun seit September Bühnen und Tribünen aufbaut, Text und Gesang einstudiert, Werbung macht und Karten verkauft. All das funktioniert, weil alle Hand in Hand arbeiten und sich jeder auf den anderen verlassen kann. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch für die aktuelle Spielzeit wieder ausreichend Mitwirkende gewinnen konnten. Außer den vielen Riedener Mimen, stellen sich dankenswerterweise auch viele „Auswärtige“ in den Dienst der langjährigen Tradition Passionsspiele. Ich hoffe und wünsche mir, dass auch in diesem Jahr der „Geist der Passionsspiele“ wieder die Spielgemeinschaft zu einer großen Familie werden lässt. Und, dass die Besucherinnen und Besucher der Passionsspiele nach ihrem Besuch sagen: Toll, dass diese Tradition am Leben bleibt“, so Engel. Ganz klar, diese Aufführungen sind wahrlich, immer wieder eine Mammut-Aufgabe aller Beteiligten. Die Riedener Darsteller spielen nicht nur die Passion – sie leben sie mit ganzer Seele und viel Herzblut. Denn zweifellos wurde ihnen bereits vielfach die Liebe und Bereitschaft zum Passionsspiel in die Wiege gelegt.
BS
Konzentriert im Dauereinsatz: Der langjährige Regisseur Hans Peter Doll (links), und sein Vize der dreimalige Jesus Darsteller, Stefan Müller.
Das berühmte Abendmahl.
Abschied Jesu von seiner Mutter.
Jesus-Darsteller Claudio Chivello Hackenbruch ist stolz, dass seine 3-jährige Tochter Rosalie schon mit von der Partie ist.
Einzug in Jerusalem, wie der Einzug eines Königs.
