Landesgartenschau 2022 muss auf 2023 verlegt werden

„Es gab zu dieser Entscheidung keine Alternativen“

Finanzielle Risiken bei Auftragsvergaben waren zu hoch

„Es gab zu dieser Entscheidung keine Alternativen“

(v.l.n.r.):Jörn Kampmann , Matthias Schmauder-Werner, Guido Orthen und Peter Diewald. Foto: DU

08.04.2021 - 08:11

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Paukenschlag in der Kreisstadt: die Landesgartenschau 2022, die seit Jahren in vielen Bereichen als kommendes Großereignis ihre Schatten vorauswirft, wird ins Jahr 2023 verschoben. Dies teilten Bürgermeister Guido Orthen sowie die Landesgartenschau-Geschäftsführer Jörn Kampmann und Matthias Schmauder-Werner im Rahmen einer eigens einberufenen Pressekonferenz mit. Zuvor hatten der LAGA-Aufsichtsrat und der Stadtrat die Verlegung zustimmend zur Kenntnis genommen. Ausstehend ist noch die Zustimmung des Ministerrats in Mainz, die jedoch als Formsache gilt, zumal vom Land ebenfalls bereits zustimmende Signale in Sachen Verlegung gekommen sind. Nachdem die zahlreichen Baumaßnahmen in den Parkanlagen und weiteren öffentlichen Grünanlagen entgegen der ursprünglichen Planungen ganz überwiegend erst in den vergangenen Wochen beginnen konnten ist nun klar, dass eine Fertigstellung bis zum Frühjahr 2022 nicht mehr realistisch ist. Entscheidend war am Ende, dass drei große Vergabeverfahren nicht zu den erforderlichen Auftragserteilungen führen konnten und nun wiederholt werden müssen.



Erheblich gestiegenes Preisniveau


„Wir haben in den vergangenen Wochen festgestellt, dass Corona auf das Preisniveau bei den erforderlichen Bauleistungen deutlich durchschlägt. Nahezu alle durchgeführten Vergabeverfahren endeten mit einer Auftragserteilung oberhalb der erwarteten Kosten“, so Matthias Schmauder-Werner. Wegen dieses Preisniveaus sei ein siebenstelliger Betrag oberhalb der Kalkulation zu erwarten gewesen. Hinzu kommt, dass aufgrund der aktuellen Situation praktisch alle Landschaftsbauunternehmen extrem ausgelastet sind. Lange haben die Verantwortlichen versucht, die Vorbereitungen für die Veranstaltung trotz der mit der Pandemie einhergehenden Einschränkungen voranzutreiben. Erfolge dieser Bemühungen sind, nicht zuletzt durch die kürzlich begonnenen Bauarbeiten, erkennbar („Blick aktuell“ berichtete). „Es war schon seit Monaten klar, dass die rechtzeitige Fertigstellung der Baumaßnahmen eine Herausforderung wird und nichts mehr dazwischenkommen darf. Die Probleme bei der Auftragsvergabe haben nunmehr das Fass zum Überlaufen gebracht“, konstatierte Bürgermeister Guido Orthen, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates der Landesgartenschaugesellschaft.


Abstimmung mit fördernden Ministerien kam zu kurz


Zu den wirtschaftlichen Risiken durch die Corona-Pandemie kommt die Problematik, dass mit Blick auf eine rechtzeitige Fertigstellung der Arbeiten der Fokus der vergangenen Monate klar auf der Vorbereitung und Durchführung der erforderlichen Vergabeverfahren lag. „Die notwendige Abstimmung mit den fördernden Ministerien und die Stellung der Förderanträge ist dadurch zu kurz gekommen. Auch dies erhöht natürlich das Risiko, da wir nicht sicher wissen, ob wir all das, was wir nun bauen, am Ende auch gefördert bekommen“, beschrieb Bürgermeister Orthen die Risiken für den städtischen Haushalt. Eine Verschiebung auf das Jahr 2023 erhöhe die wirtschaftliche Sicherheit im Baubereich. Neben den Risiken in der baulichen Umsetzung, erschwert Corona auch die Planbarkeit der Einnahmen während der Durchführung. „Durch die anhaltende Pandemie ist leider nicht absehbar, ob es im kommenden Jahr beispielsweise wieder organisierte Gruppenreisen im nennenswerten Umfang geben kann, zumal diese durch die Reiseveranstalter regelmäßig ein Jahr im Voraus geplant werden. Diese Gruppen sind aber eine wirtschaftlich sehr bedeutsame Zielgruppe einer Gartenschau“, so Orthen.


„Die Verlegung ist unausweichlich“


Auch Jörn Kampmann sieht in der Verlegung auf 2023 mehr Möglichkeiten als Risiken: „Durch das zusätzliche Jahr kann beispielsweise alles rund um die Ausstellungsfläche intensiviert werden, so dass wir 2023 sicherlich eine hochwertigere LAGA präsentieren können, als dies 2022 der Fall gewesen wäre. Natürlich entstehen dadurch, dass die Landesgartenschaugesellschaft jetzt ein weiteres Jahr existiert, zusätzliche Kosten. Wir gehen aber davon aus, dass diese im Rahmen bleiben werden. Es gab zu dieser Entscheidung keine vernünftigen Alternativen.“ Dem schloss sich Guido Orthen an: „Die Verlegung ist unausweichlich und sicherlich für alle Beteiligten, die diese Entscheidung treffen mussten, ein Schock. Aber diese Verschiebung bietet auch Chancen. Eine Schuld-und-Recht-Diskussion werden wir nicht führen und mit dem Einsatz, den alle Beteiligten bislang schon erbracht haben, weitermachen.“ Alle begonnenen Baumaßnahmen, so der einhellige Tenor, werden planmäßig fortgesetzt, auch wenn es in einzelnen Bereichen zu Verschiebungen kommen kann. Welchen Betrag die Verlegung kosten wird, ist noch nicht absehbar. In Landau, wo man ebenfalls die LAGA verschieben musste, standen hierfür am Ende 880.000 Euro zu Buche, womit man in der Kreisstadt realistisch betrachtet aber wohl nicht hinkommen wird. „2023 eine gelungene Gartenschau eröffnen“

Dennoch soll das Gesamtbudget nach Möglichkeit nicht überschritten werden. An welchem Tag die Landesgartenschau 2023 eröffnet wird, steht derzeit noch nicht fest. „Alle Beteiligten haben in den vergangenen Monaten hart darum gerungen, trotz alledem termingerecht öffnen zu können.“ Dass man jetzt verschieben müsse, sei bitter. „Aber wir werden uns ab heute neu aufstellen und im Jahr 2023 eine rundum gelungene Gartenschau eröffnen“, resümieren die Beteiligten von Stadt, Landesgartenschau Gesellschaft und Projektgesellschaft Landesgartenschau unisono.

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08.04.2021 10:19 Uhr
K. Schmitt

Die Aussagen der Pressekonferenz kurz zusammengefasst und übersetzt: "Alle, die dieses Vorhaben seit Anfang an als zu umfangreich und die Zeit- und Kostenpläne der Baumaßnahmen als ilusorisch ansahen, hatten Recht, irgendwann mussten wir das zugestehen, aber dank Corona können wir jetzt so tun, als wäre es nicht unsere Schuld."



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juergen mueller:
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